Getrocknete Pflanzen und Globuli auf Aufzeichnungen; Bild: Mandy Reschke via www.imago-images
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- Streit um Studien

Es gibt Studien, die Homöopathie wissenschaftlich erforschen. Insgesamt sind es aber noch vergleichsweise wenige, die den Standards entsprechen, die Wissenschaft braucht, um etwas als erwiesen zu betrachten. Es gibt aber Studien, die eine Wirkung der Homöopathie über Placebo hinaus zeigen.

Warum gibt es nicht genügend Studien?
 
Wissenschaftliche Studien sind teuer. Pharmazeutische Hersteller holen sich die Kosten dafür über die Preise ihrer Medikamente wieder herein. Sie sind gesetzlich verpflichtet, Wirksamkeitsnachweise in Studien vorzulegen. Anders ist es bei den Herstellern homöopathischer Arzneien. Der Gesetzgeber nimmt sie – u.a. aufgrund der geringen Nebenwirkungen - von dieser Pflicht aus. Deshalb gibt es bei der Homöopathie viel weniger Geld für solche aufwändigen und teuren Studien – was auch einen Vorteil für die Konsumenten hat: Die homöopathischen Arzneien sind in der Regel sehr preiswert.

Hersteller haben keine Studien-Pflicht

Die Studien, die vorliegen, sind also keine "Pflicht"-Studien wie bei den Pharma-Unternehmen, ohne die es keine Zulassung gibt. Sie sind "Kür"- Studien. Ärzte und Wissenschaftler machen sie freiwillig, um ihre eigenen Ergebnisse zu überprüfen und sie anderen zur Verfügung zu stellen. Die Kosten dafür tragen sie entweder selbst, oder sie werden von Universitäten, Stiftungen oder anderen Fonds gefördert. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel sind – im Vergleich zur Pharmaindustrie, die einen Großteil aller Medikamenten-Studien finanziert – vergleichsweise gering.

Es gibt verschiedene Arten von Studien

Kohorten-Studien 
Hier werden Patienten, die homöopathisch behandelt werden, über Jahre hinweg nach dem Verlauf ihrer Erkrankung befragt. Das Ergebnis wird verglichen mit einer zweiten Patientengruppe, die konventionell, also schulmedizinisch, behandelt wird.
 
Placebo-kontrollierte Studien
Hier werden die homöopathischen Arzneimittel mit Scheinmedikamenten (Placebos) verglichen. Dabei sollten die Prinzipien der Randomisierung (zufällige Einteilung in Gruppen) und "Doppel-Blind" (weder Patient noch Arzt wissen, zu welcher Gruppe wer gehört) eingehalten werden.
 
Generell gilt: Der Anspruch an Protokollierung und Durchführung muss bei wissenschaftlichen Studien hoch sein, denn die Gefahr einer verzerrten Wahrnehmung ist hoch - das gilt für schulmedizinische wie für homöopathische Studien. Die Wissenschaftler gehen immer von einer Hypothese aus und prüfen, ob es dafür Nachweise gibt. Dabei darf die eigene Erwartungshaltung das Ergebnis nicht beeinflussen. Universitätskliniken mit einem Stab an Mitarbeitern und entsprechendem finanziellen Budget sind für die Durchführung wissenschaftlicher Studien am besten gewappnet. Homöopathie wird allerdings bislang nur selten an Universitäten erforscht. Das ist eine Erklärung für die im Vergleich zur Schulmedizin dünnere Studienlage.

Kritiker sehen Mängel in der Methodik

Kritik an homöopathischen Studien bezieht sich meist auf die "Methodik". Damit ist gemeint, dass die Prinzipien "Randomisierung" und "Doppel-Blind" nicht konsequent genug durchgeführt wurden. Mitunter wusste der Arzt eben doch, welcher Patient in welcher Gruppe war, oder die Einteilung war nicht komplett zufällig – Probleme, die sehr oft auftauchen, auch bei vielen schulmedizinischen Studien.

Ein zweiter Kritikpunkt ist das sogenannte "Bias"-Risiko: Wenn die Forscher nicht wirklich neutral sind, sondern sich ein bestimmtes Ergebnis wünschen. Gerade niedergelassene Ärzte, die als engagierte Homöopathen arbeiten und ihre Ergebnisse in Studien überprüfen, unterliegen dieser Kritik. Sie sind dann in der Tat nicht frei von Vorurteilen. In der Wissenschaft, die nach neutralen Wahrheiten sucht, gibt das natürlich Punkt-Abzüge. Aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass es keinen Wirksamkeitsnachweis gibt.
 
Weitere Kritikpunkte: Die Fallzahlen der Studien sind im Vergleich zu großen Pharma-Studien mit Tausenden von Patienten klein – oft liegen sie unter 100 Patienten. Und: Die Studien wurden nicht noch einmal von einer unabhängigen Stelle wiederholt und bestätigt.

Kritik trifft auch schulmedizinische Studien

Bevor etwas wissenschaftlich als erwiesen gilt, müssen diese Kriterien erfüllt sein. Allerdings: Auch in der Schulmedizin erfüllen viele Studien nicht diese hohen Kriterien. Auch da gibt es voreingenommene Forscher, die sich ein bestimmtes Ergebnis wünschen, was zu einer Verzerrung der Studienergebnisse führt. Auch da sind die Fallzahlen nicht immer groß genug.
 
Eine Übersichtsanalyse aller medizinischen Studien, die 2013 veröffentlicht wurde, kam zu dem Schluss: Etwa 45 Prozent der Therapien in der gesamten Medizin sind wahrscheinlich wirksam, nur in zwei Prozent dieser Fälle ist die Sicherheit so groß, dass keine weitere Forschung nötig ist.

Meta-Analysen ohne eindeutiges Resultat

Mehrfach gab es den Versuch, die gesamte Studienlage der Homöopathie einer klaren Bewertung zu unterziehen. Die Ergebnisse zeigen kein klares Bild. Es gibt Meta-Studien von Wissenschaftlern aus den Reihen der Homöopathen, die alle Studien einer selbstkritischen Betrachtung unterziehen und zu dem Schluss kommen, dass es zwar nur wenige, aber doch einige einwandfrei durchgeführte Studien gibt, die einen Effekt über den Placebo-Effekt hinaus zeigen:
6. Dezember 2014:
Randomised Placebo Controlled Trials of Individualised Homeopathic Treatment
20. September 1997:
Are the Clinical Effects of Homeopathy Placebo Effects?

Eine Studie von 2005 kam zu dem Schluss, dass es keine Evidenz für die Homöopathie gibt. Dieser Studie allerdings wird vorgeworfen, sie habe von 110 betrachteten Studien tatsächlich nur acht berücksichtigt.
 
Die australische Regierung unternahm den Versuch einer Gesamt-Bewertung. Der offizielle Bericht 2015 stellt fest: Es gibt keinen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie.
 
Dann stellte sich heraus, dass es einen zweiten Bericht gibt, der 2012 im Auftrag der australischen Regierung fertiggestellt, aber nicht erschienen war. Auf Initiative des Ombudsman of the Commonwealth wurde er 2019 veröffentlicht. Diesem Bericht zufolge gibt es eine ermutigende Evidenz für die Homöopathie.