Begehbares Darmmodell (Quelle: dpa/Peter Kneffel)
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Begehbares Modell des Darms | Bild: dpa

- Die Wahrheit über... unseren Darm

Ein gesunder Darm ‑ viele Menschen können davon nur träumen. Sachbücher zum Thema führen die Bestsellerlisten an, verzweifelte Betroffene vertrauen auf obskure Behandlungsmethoden. Doch was ist gesichert, was hilft wirklich bei Problemen wie Reizdarm oder Verstopfung? Und welche Rolle spielt der Darm für die gesamte Gesundheit eines Menschen?

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Was der Dünndarm nicht verarbeitet hat, geht weiter in den Dickdarm. Erst heute versteht die Medizin, dass dort weitaus mehr stattfindet als nur Abfall-Entsorgung. Sicher - das Endprodukt wird schlicht ausgeschieden, aber bis es soweit ist, laufen allerlei Prozesse ab, die unsere Gesundheit entscheidend beeinflussen. In der Schleimhaut des Dickdarms befinden sich Milliarden von Bakterien, das sogenannte Mikrobiom. Würde man alle Bakterien herausnehmen und auf eine Waage legen, würde man erstaunt feststellen, dass sie zwischen ein und zwei Kilo wiegen. Man schätzt dass es mindestens tausend verschiedene Arten von Mikroorganismen gibt, vermutlich sind es weitaus mehr.

Die Erforschung des Mikrobioms steht noch am Anfang. Es scheint so zu sein, dass es für die Gesundheit von Vorteil ist, wenn möglichst viele verschiedene Arten von Bakterien im Darm wohnen. Forscher stellten fest, dass stark Übergewichtige Menschen eine geringere Anzahl von Bakterien haben als schlanke, gesunde Personen. Und die Darmflora entscheidet offenbar auch darüber ob wir dick werden oder nicht. Tierexperimente haben gezeigt: überträgt man Darmbakterien einer dicken Maus auf eine dünne, dann nimmt diese auch zu.

Darm-Bakterien können helfen, Krankheiten abzuwehren, sie können nicht nur potenziell tödliche Mikroorganismen aufspüren und vernichten, sondern auch dafür sorgen, dass der Körper generell gut gegen Erkrankungen gewappnet ist. Heute vermuten Forscher, dass die Immunabwehr im Darm auch eine Rolle bei der Entstehung von Multiple Sklerose, Parkinson und der Alzheimer-Demenz spielt.

In der Berliner Charite untersuchen Neurologen derzeit, wie sich die Darmflora nach einem Schlaganfall verändert. Viele Schlaganfall-Patienten müssen sich einer Antibiotika-Therapie unterziehen, weil sie eine Lungenentzündung erleiden. Die Forscher prüfen nun, ob es sinnvoll wäre, zusammen mit den Antibiotika sogenannte Probiotika - hochkonzentrierte Milchsäurebakterien - zu verabreichen. Als Kapsel oder Pulver verabreichte Probiotika können, sofern sie in ausreichender Menge gegeben werden (mindestens 100 Millionen bis eine Milliarde lebende Bakterien) eine positive Wirkung auf die Darmgesundheit und das Immunsystem ausüben.

Darm und Gehirn scheinen überhaupt enger miteinander verbunden zu sein als man lange Zeit dachte. Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem, man nennt ihn deshalb auch das zweite Gehirn. Dieses "Bauchhirn" besteht aus mehr als 100 Millionen von Nervenzellen, es ist das sogenannte enterische Nervensystem (kurz ENS). Man weiß: bei der Verarbeitung von Emotionen und Schmerz, bei allen Denkvorgängen und bei der Entscheidungsfindung wirken Kopf- und Bauchhirn zusammen. An der Entschlüsselung der Abläufe arbeiten Wissenschaftler derzeit ganz intensiv. 

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