Elektroauto wird geladen
Bild: Colourbox

Der Weg ist noch lang ... - Elektroautos

Es gibt in Ostdeutschland schon einige Beispiele für den gelungenen Einsatz von Elektrofahrzeugen. Doch das sind nur erste Schritte auf einem Weg, der noch lang sein dürfte.

Stefan Trommer, Experte vom Berliner Institut für Verkehrsforschung, ist davon überzeugt, dass Autofahrer, die vorher eine gute Übersicht über die Fahrstrecken haben, die sie regelmäßig fahren, zur idealen Zielgruppe für E-Mobilität gehören.  

"Handwerker oder auch Pflegedienste haben in der Regel fest geplante Einsatztouren", sagt . Selbst wenn es über Land ginge, seien täglich meist nicht mehr als 200 Kilometer zu bewältigen. "Das schaffen inzwischen schon viele der reinen Elektroautos."

Leipzig fördert E-Mobilität

Damit sich möglichst viele gewerbliche Nutzer von den Vorteilen der E-Mobile überzeugen können, hat in Sachsen zum Beispiel die Stadt Leipzig ein Förderkonzept umgesetzt. Demzufolge können Unternehmen bis zu 10.150 Euro erhalten, wenn sie Elektrofahrzeuge im Alltag testen. Davon hätten im vergangenen Jahr bereits 20 Firmen Gebrauch gemacht, teilte die Stadtverwaltung mit. Diese berichteten den Angaben zufolge von durchweg positiven Erfahrungen im Praxisbetrieb.

Knackpunkt ist die Lade-Infrastruktur

Ein Knackpunkt bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele in Sachen E-Mobilität ist die Lade-Infrastruktur. Nach einer Studie des Wirtschaftsministeriums in Dresden sind sachsenweit 1.000 Ladepunkte im öffentlichen Raum nötig, um eine erste flächendeckende Versorgung zu bieten und damit einen Impuls für die Entscheidung zum Kauf von E-Autos zu schaffen.

Derzeit gibt es den Angaben zufolge aber erst 200 Ladepunkte im Freistaat. Laut dem Internetportal "e-tankstellen-finder" sind es in Brandenburg 74 und in Sachsen-Anhalt 46. Für Thüringen weist es 45 aus - dort sollen bis 2020 insgesamt 370 neue Ladestationen entstehen, wie Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ankündigte.

Viele Stationen werden von Energieversorgern wie EnviaM betrieben. Das Unternehmen kündigte Ende vergangenen Jahres an, zehn Schnellladestationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg neu installieren zu wollen. "Diese sollen in der Nähe von Autobahnen entstehen, aber auch für Nutzer anfahrbar sein, die nicht zu einer Autobahnraststätte fahren wollen", erklärte Unternehmenssprecherin Claudia Anke. Zudem wolle das Unternehmen an seinen Standorten in den vier Bundesländern seine Ladestationen ausbauen und auch dort zum Teil Schnelllader einrichten.

Diese sind vor allem notwendig, wenn privaten Nutzern die E-Autos schmackhaft gemacht werden sollen. "Die wollen natürlich verlässlich wissen, dass sie auch Reisen über längere Strecken problemlos antreten können", so Verkehrsforscher Trommer.

Dabei sind einer Studie seines Instituts zufolge gerade Menschen außerhalb von größeren Städten als potenzielle E-Fahrer geradezu prädestiniert. "Sie brauchen nicht unbedingt eine öffentliche Lade-Infrastruktur, weil sie ihre Fahrzeuge im Alltagsbetrieb - wenn nur Fahrten zur und von der Arbeit angetreten werden - über Nacht am Eigenheim an den Strom anschließen können."

Nachholbedarf auch in Brandenburg

Dass es in Ostdeutschland noch viel Nachholbedarf in Sachen E-Mobilität gibt, zeigt ein Blick in die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes. Danach waren zum 1. Januar 2017 in Sachsen gerade einmal 984 Fahrzeuge mit Elektro- und gut 8.300 mit Hybridtechnologie zugelassen. In Sachsen-Anhalt waren es 310 Elektrische und 3.739 Hybride, in Thüringen 415 beziehungsweise 3.307. Brandenburg meldete 568 E-Autos und 5.760 Plug-In-Hybridautos.

 

Elektroantrieb für den Umweltschutz

Mit Blick auf die Hybriden warnt Trommer: "Viele davon sind wegen der Fördermöglichkeiten als Ersatz für Verbrenner angeschafft worden, werden aber in erster Linie als Verbrenner gefahren." Gerade private Nutzer müssten für ihre Kurzstrecken jedoch den Elektroantrieb verwenden, um etwas für den Umweltschutz zu tun.

Quelle: dpa