Schmetterling auf Blüten
Bild: rbb/Jutta Schiller

- Studie zu Insektenschwund

Das sagen die Experten.

Lesen Sie nachfolgend ihre Statements.  

Prof. Dr. Josef Settele, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Halle

Die Publikation liefert nun den Beleg dafür, dass die Aussagen nicht nur für den einen medial in 2016/2017 diskutierten Standort gültig sind, sondern wirklich ein größerflächiges Phänomen vorliegt. Teile dieser Daten wurden bereits in der Anhörung im Umweltausschuss des Bundestages Anfang 2016 präsentiert [1], in der Diskussion aber wurden diese trotz Verfügbarkeit überraschenderweise nicht weiterverwendet. Da sie damals noch nicht wissenschaftlich publiziert waren, fand ich die Zurückhaltung bei deren Verwendung sehr angemessen. Weil die Analysen der Rückgänge nun durch einen peer-review-Prozess gegangen sind, ist überhaupt erst eine Basis für eine fundierte Diskussion gegeben.


[1] Videomitschnitt der Anhörung des Umweltausschusses des Deutschen Bundestages: Lage der Insekten in Deutschland. 2016.  

Prof. Dr. Teja Tscharnte, Georg-August-Universität Göttingen

Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion, zum Beispiel mit Agrochemikalien, ist eine plausible Ursache (wie die Autoren zur Erklärung vorschlagen; Anm. d. Red.) für den dramatischen Rückgang der Insektenbiomasse. Zu der landwirtschaftlichen Intensivierung gehört aber auch die zunehmende Monotonisierung der Agrarlandschaften: große Felder, nur noch wenige schmale Feldränder, kaum Hecken und Gehölze sowie nur noch vereinzelte Brachen und kaum mageres Grünland führen dazu, dass außerhalb der Schutzgebiete kaum noch Nahrungs- und Nistressourcen zur Verfügung stehen. Dieser Ressourcenverlust außerhalb der Schutzgebiete und die damit verbundene Isolation der Schutzgebiete sollten wesentlich zum Rückgang der Insekten beigetragen haben.

Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Obwohl es sehr wünschenswert ist, in Zukunft Langzeitdaten über die Biomasse von Insekten in einem optimalen Versuchsdesign und nicht nur in Naturschutzgebieten zu sammeln, sollten wir nicht auf diese Ergebnisse warten, bis wir unsere Landnutzung ändern. Dies könnte für einige Insekten zu spät sein. Eine Reduzierung des Anteils von einjährigen Mono-Ackerkulturen und dem Stickstoffeinsatz sollte sich positiv auf viele Insektenpopulationen auswirken.