Esskastanien hängen an Baum; Quelle: dpa/Sebastian Gollnow
Bild: dpa/Sebastian Gollnow

25. April - Tag des Baumes

Steigende Temperaturen, heftige Stürme und längere Trockenperioden machen vielen traditionellen Baumarten in Deutschland zu schaffen. Die Edelkastanie, die in diesem Jahr zum Baum des Jahres gewählt wurde, könnte zur Aufforstung der Wälder beitragen.  

Weit verbreitet ist sie hierzulande jedoch nicht. Das könnte sich aber bald ändern. Auch darauf soll der Tag des Baumes heute hinweisen. Da die Esskastanie eine mediterrane Baumart ist, profitiert sie von dem fortschreitenden Klimawandel in unseren Breiten, stellt dieser doch Waldbauern und Forstleute vor schwierige Aufgaben.

Die Lösung für alle Probleme bietet die Esskastanie aber nicht: Gallwespen mögen Blätter und Knospen der Edelkastanie und schädigen so die Früchte. Zudem gilt der Baum als spätfrostempfindlich.  Deshalb experimentieren Forstleute auf Versuchsflächen mit diversen heimischen sowie fremdländischen Baumarten, mit Laub- und Nadelhölzern. Sie beobachten ihre Anpassungsfähigkeit und ihr ökologisches Zusammenwirken.

"Für den Aufbau klimadynamischer Wälder sind zwei bis drei Hauptbaumarten und vielleicht drei bis fünf Nebenbaumarten notwendig", berichtet Eberhard Freiherr von Wrede, Vorstandsmitglied des Waldbauernverbandes NRW. "Ein klimastabiler Mischwald sorgt ja auch für Biodiversität und lockt andere Pflanzen und andere Vögel an", ergänzt er.  

"Baum-Einwanderer" könnten Probleme lösen

Bertram Leder, der sich beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen hauptsächlich um den Bereich Waldumbau kümmert, war Mitte April in Wien bei einem Treffen der "Arbeitsgemeinschaft Gastbaumarten". In der AG tauschen sich Forstexperten untereinander aus über den Anbau fremdländischer Bäume in Deutschland und Mitteleuropa und teilen ihr Wissen aus Forschung und Praxis. "Bei den Nadelbäumen ist die Küstentanne hoch im Kurs, die Nordmanntanne, Atlaszeder, Thuja oder Mammutbaum", berichtet Leder. "Bei den Laubbaumarten die Edelkastanie, Hickorynuss als Ersatz für die sterbenden Eschen, Baumhasel und die lindenblättrige Birke."

Allerdings schieben viele Privatwaldbesitzer den klimabedingten Waldumbau auf die lange Bank. Vor allem Klein-Privatwaldbesitzer seien oft nur schwer davon zu überzeugen, ihren Baumbestand den veränderten Bedingungen anzupassen, sagt Leder.  

Ökonomische und ökologische Balance

Dass Veränderungen nötig sind, haben 2007 die massiven Schäden durch Orkan "Kyrill" gezeigt. Fichtenwälder im Wert von mehreren Milliarden Euro waren damals bundesweit zerstört worden. Beim Aufforsten wurde verstärkt auf Bäume gesetzt, die tiefe Wuzeln schlagen. Im thüringischen Staatsforst etwa sind aus reinen Nadelholzbeständen Mischwälder mit 20 Prozent Laubbäumen geworden.

Doch alle Veränderungen wollen gut überlegt sein, damit die Waldbesitzer ihr Holz auch vermarkten können. Die Holzindustrie ist auf einen regelmäßigen Nachschub angewiesen.

Nadelholz ist für die Industrie elementar. Es wird etwa verwendet für den Haus- und Wohnungsbau. Im Moment dominiert in der Verarbeitung die Fichte. Dazu kommen Tanne, Douglasie und Kiefer. Vertreter des Bundesverbands der Holzindustrie halten die Erforschung von sogenannten Nischenbaumarten für erforderlich. Sie fordern neben der Einbringung neuer Arten auch den Ausbau anpassungsfähiger Baumarten wie der Douglasie. Mischwälder sind für die Zukunft der Wälder geeigneter, denn wenn die Borkenkäfer den Fichten zusetzen und Buchen der extremen Hitze nicht standhalten können, können Baumarten, die resistenter sind, Kahlflächen verhindern. Dabei gilt es, die ökonomische und ökologische Balance zu halten. Daran sind Forstexperten und die Vertreter der Holzindustrie gleichwohl interessiert.