Schmetterlinge im Kasten (Bild: rbb)
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Bild: rbb

- Digitalisierung von Insekten

TALKING SCIENCE aus dem Museum für Naturkunde Berlin

15 Millionen Exemplare – so viele Stücke umfasst die Insektensammlung des Museums für Naturkunde Berlin.

Viele der Insektenkästen haben schon ihre besten Jahre hinter sich. Staub und Stockflecken haben sich breit gemacht und die Kästen sind oft so eng bestückt, dass es schwer ist, einzelne Exemplare zu entnehmen, ohne sie zu beschädigen. Jetzt werden die Sammlungen des Museums digitalisiert. So können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in aller Welt auf die Exponate zugreifen.  

"Die Insekten sind die größte Herausforderung", sagt Dr. Frederik Berger. Er ist am Museum für Naturkunde Berlin verantwortlich für die Sammlungsdigitalisierung. Um die 15 Millionen Exemplare zu digitalisieren, müssen pro Tag 7000 Exemplare die eigens im Museum aufgebaute Scanstraße durchlaufen.

Dafür werden die Insekten aus den Kästen entnommen und auf Nadeln gesteckt. So kann man sie von allen Seiten betrachten, ohne sie zu berühren. Mit Hilfe eines Transportschlittens treten die Tiere ihre Reise in die Scanstraße an. Im Scanner wird jedes Objekt von der Seite und von oben fotografiert. Auch die Fundortetiketten werden gescannt. Am Ende ihrer Reise kommen die Präparate in neue, modernere Kästen.

 

Von einigen Exemplare werden sogar 360 Grad Fotos angefertigt, weil sie für die Forschung besonders wichtig sind. Das Insekt wird dabei gedreht und von allen Seiten fotografiert. 

Darunter sind auch unbekannte Arten oder die sogenannten Typusexemplare. Sie sind zur Bestimmung einer Art wichtig und werden mit roten Etiketten versehen.

Wichtig sei diese Arbeit unter anderem, um das Insektensterben zu erforschen, sagt Théo Léger, Entomologe am Museum. Um 75 Prozent hat die Masse der Insekten in den vergangenen 30 Jahren abgenommen. Droht uns ein Szenario wie in China? Dort gibt es in einigen Gegenden keine Bienen mehr. Arbeiterinnen und Arbeiter müssen Obstbäume mühsam per Hand bestäuben.

Aber das Insektensterben betrifft nicht nur die Honigbiene. Für die Bestäubung unserer Pflanzen sind ebenso andere Insekten zuständig. Auch Schmetterlinge, Falter, Wildbienen und Hummeln sind in Gefahr. Monokulturen und Pflanzenschutzmittel haben Insekten nach und nach verschwinden lassen.  "Wenn die Insekten sterben, dann bricht ein ganzes Ökosystem zusammen", so Théo Léger.

Im Ökosystem erfüllen Insekten neben der Bestäubung wichtige Aufgaben. Als Müllentsorger und Totengräber sorgen sie dafür, dass tote Tiere und Pflanzen wieder dem Nährstoffkreislauf zugeführt werden. Insekten und ihre Larven dienen als Futter für Vögel, Fische und Säugetiere.

Um das Insektensterben zu dokumentieren, ist es wichtig zu wissen, welche Arten es wann gab. Und dabei kommen Sammlungen wie die des Naturkundemuseums Berlin ins Spiel. Sie dokumentieren die Veränderung der Artenvielfalt über einen langen Zeitraum.

Fächer: Biologie
Klassenstufe: ab Klasse 10
15 Minuten

Herkunft: rbb