Fundstück: Soldbuch (Bild: MDR)
Fundstück: Soldbuch | Bild: MDR/HA Kommunikation

Mo 09.03.2020 | 07:30 - 08:00 rbb wissenszeit - Verscharrt, entdeckt und heimgekehrt

Auf der Suche nach vermissten Soldaten

Dass Eddla C. noch einmal ein Zeichen ihres Bruders erhalten würde, damit hätte sie nicht gerechnet. Er war zehn Jahre älter als sie, fiel 1945 und wurde für die kleine Schwester zur Sagengestalt. Jetzt - mit 86 Jahren - hält sie den Abdruck eines Siegels in der Hand, das er vermutlich bei sich trug, als er starb. Auf einmal wird das einzige Foto, das ihr blieb, lebendig.

Diese Augenblicke lohnen die Mühen von Oliver Breithaupt und Kathrin Krabs. Die Beiden gehören zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätten. 35.000 Anfragen erreichen die Mitarbeiter des Volksbundes in Deutschland noch immer jährlich von Menschen, die Vermisstenschicksale in ihrer Familie aufklären wollen.

Oft beginnt alles mit einem kleinen, unbedeutend scheinenden Fundstück: einem Foto, einem Brief, einer Todesanzeige, einer Erkennungsmarke. Manchmal sind es Gebeine, die bis heute irgendwo in der Erde liegen und bei Bauarbeiten zufällig gefunden werden. Die Mitarbeiter des Volksbundes bergen sie behutsam und voller Achtung.

Oliver Breithaupt und sein Team wissen nicht, wo die Funde sie hinführen werden. Oft dauert es Jahre, bis es ihnen gelingt, den Toten ihre Identität zurückzugeben, bis ein Name auf einem Grabstein stehen kann und die Familie einen Ort der Erinnerung hat.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätte kümmert sich um alle Kriegstoten - egal, in welchem Krieg sie gefallen sind, egal, welchen Rang und Namen sie hatten, egal, welche Schuld sie auf sich geladen haben. Oftmals sind es nur kleinen Puzzleteile, aus denen die Mitglieder versuchen, den Toten ein Gesicht zu geben. Ihre Arbeit ist auch eine Mahnung: Nie wieder Krieg!

Fächer: Geschichte
Klassenstufe: ab 11. Klasse
30 Minuten

Herkunft: MDR/rbb