Hund schnüffelt im Gras; Quelle: imago/imagebroker
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Mit der Nase auf der Spur - Hunde schnüffeln Wölfen hinterher

Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück - aber wohin genau? Experten zufolge können spezielle Spürhunde gut dabei helfen, die Anwesenheit des Wildtiers nachzuweisen. Noch fehlt aber eine Zertifizierung für den offiziellen Einsatz der trainierten Vierbeiner.

Ein getötetes Schaf - war hier ein Wolf? Aufwendig untersuchen Experten derzeit mancherorts in Deutschland nach Hinweisen auf das Rudeltier. Dabei gehe es einfacher, meinen Fachleute wie Valeska de Pellegrini. "Professionell ausgebildete Hunde erwiesen sich als effektiver und kostengünstiger als andere konventionelle Methoden", sagt die Wolfsbeauftragte von Brandenburg. Auch die Erfolgsquote sei in den meisten Studien bei der Verwendung solcher Suchhunde höher als bei der Arbeit ohne Hund.

Hunde auf der Suche nach Hinterlassenschaften

Als im Kreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) vor kurzem ein Wolf gesichtet wurde, machte sich Wildtierbiologe Felix Böcker mit den Hunden Riga und Djemba auf die Suche. "Die Hunde haben im Training vor allem gelernt, Wolfslosung (Kot) und Markierstellen oder Haar zu finden", sagt der Experte der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg.

Aber: Riga und Djemba sind keine offiziell anerkannten Diensthunde wie etwa Hunde beim Zoll oder der Polizei. "Beide sind private Begleithunde, deren Fähigkeiten für die Arbeit im Wolfsmonitoring trainiert und optimiert wurden", sagt Böcker, der auch im Verein Wildlife Detection Dogs zum Einsatz von Spürhunden aktiv ist.

Die Aufgabe solcher Hunde ist nicht, einen Wolf aufzuspüren oder ihm etwa zu folgen. Der speziell ausgebildete Vierbeiner soll vielmehr in einem Gebiet nach möglichen Hinterlassenschaften des Wildtiers suchen - zum Beispiel nach Kot oder Haaren. Ist der Beweis entdeckt, zeigt der Spürhund dies mit einer antrainierten Haltung - etwa mit Hinlegen. Hunde sollen helfen, Spuren schneller zu finden. Sie ersetzen nicht etwa DNA-Untersuchungen, um den Verursacher zu identifizieren.

Valeska de Pellegrini, Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg

Brandenburger Wolfsbeauftragte testet Einsatz von Hunden

In einem von der Umweltstiftung WWF initiierten Projekt testeten de Pellegrini und ihre Kollegin Yvette Krummheuer unlängst ihre Hunde. Die Vierbeiner sind speziell für die Suche von Wolfslosung (Kot) ausgebildet. Bei dem Test in der Colbitz-Letzlinger Heide - einem Wolfsgebiet in Sachsen-Anhalt - ging es darum, ob der Einsatz zu einer besseren Datenlage bei der Spurensuche führen kann. Die Ergebnisse lassen den Experten zufolge diesen Schluss zu. "Die Spürhunde haben einen hoch entwickelten Spürsinn", sagt Wildbiologin Krummheuer.

"Scat-dogs" weltweit im Einsatz

Im Wildtiermonitoring in Deutschland stößt der Einsatz von Spürhunden dem WWF zufolge zunehmend auf Interesse. In den USA sei der Einsatz solcher Vierbeiner (sogenannte scat-dogs) entwickelt worden und werde erfolgreich genutzt. Auch in Schweden werden solche Hunde eingesetzt. "Die Einsatzbereiche gehen weit und betreffen nicht nur den Wolf", sagt de Pellegrini. "Das geht vom Auffinden von Wal-Exkrementen im Meer bis zum Nachweis von Algen in Gewässern."

Offizielle Anerkennung in Deutschland steht noch aus

Auch in Deutschland werden im Wolfsmonitoring immer öfter Spürhunde genutzt. An einer offiziellen Anerkennung wird aber erst gearbeitet. "Die Bedingungen für eine Zertifizierung sind noch nicht klar", sagt Krummheuer. Vieles befinde sich im Aufbau. "Aber in Deutschland ist der Einsatz von Spürhunden dabei, sich zu etablieren und wird langfristig sicherlich immer mehr Anerkennung finden", ergänzt sie.

Schwer zu schätzen

CDU/CSU und SPD wollen die Ausbreitung der Wölfe künftig stärker kontrollieren, zugleich sollen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden. Das vereinbarten die Parteien in den Koalitionsverhandlungen. Seit im Jahr 2000 wieder ein erstes Wolfsrudel in Deutschland nachgewiesen wurde, hat die Wolfspopulation deutlich zugenommen. "Allein in Niedersachsen schätzen wir den Bestand auf etwa 150 Tiere", sagt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft. "Bundesweit gibt es mehr als 60 nachgewiesene Wolfsrudel." Bei durchschnittlich sieben Mitgliedern pro Rudel seien das mit Einzeltieren um die 500 Wölfe. Schätzungen seien schwierig.

Quelle: dpa