Drei Wölfe stehen auf einer grünen Wiese - in diesem Fall sind es Wölfe im Naturpark Schorfheide. (Quelle: imago/Hohlfeld)
rbb Studio Frankfurt | 28.07.2017 | Autorin: Anne Schmidt | Bild: imago/Hohlfeld

Wölfe in Brandenburg - Verhaltensauffälliges Rudel beobachtet

Gibt es bei Storkow mehr Wölfe als bisher vermutet? Ein Jäger beobachtet dort schon länger ein Rudel, das nach seiner Ansicht nicht im offiziellen Monitoring auftaucht und sich außerdem ungewöhnlich zahm verhalten soll. Von Anne Schmidt

Welches Tier hat in Brandenburg ein noch schlechteres Image als Biber, Kormoran und Stechmücke? Richtig: der Wolf! Seit ein paar Jahren ist er hier wieder heimisch, aber die Tiere sorgen immer noch regelmäßig für heiße Diskussionen. Und nun scheint es auch noch mehr Wölfe zu geben, als bisher bekannt. Südlich von Storkow ist ein neues Rudel aufgetaucht, das außerdem durch sein Verhalten auffällt. Das jedenfalls sagen ein Jäger und ein Bauer.  

Rudel nicht im Wolfsmonitor erfasst

Der Frankfurter Spediteuer Achim Gasper ist Jäger im Nebenberuf. Südlich von Storkow, bei Groß Eichholz, hat er zusammen mit zwei Kollegen sein Jagdrevier. In den Gemeinden rundherum sind - so steht es im offiziellen Wolfsmonitor des Landesumweltamtes - Wolfsrudel zuhause. In seinem Jagdgebiet gibt es eigentlich keine Wölfe, doch Achim Gasper beobachtet etwas ganz anderes. "Wenn ich auf die Karte gucke, dann sehe ich einige Wolfsrudel, die da eingetragen sind, aber bei weitem nicht alle", sagt er. "Unser Rudel besteht aus dreizehn Tieren, die haben jetzt wieder Welpen, es sind jetzt mindestens 15 Wölfe, und dieses Rudel ist im Monitoring nicht erfasst."

Hundeähnliches Verhalten

Dazu kommt, dass sich diese Tiere nach Einschätzung Gaspers nicht so scheu verhielten, wie es die offiziellen Informationen von Land und NABU nahelegen. "Diese Wölfe sind nicht scheu. Wenn sie mit dem Auto irgendwo langfahren, laufen sie nicht weg. Sie bleiben auf dem Weg liegen oder laufen einem Traktor hinterher", sagt Gasper. "Ich saß auf meinem Hochsitz, da kam ein Wolf, und hat sein Bein an meinem Hochsitz gehoben. Das ist eher hundeähnliches Verhalten."

Wolfsbeauftragter stellt Fotofallen auf

Auch Frank Michelchen, selbst Landwirt in der Nähe von Groß Eichholz und Wolfsbeauftragter des Brandenburger Bauernbundes, beobachtet das Wolfsrudel seit gut einem Jahr mit Sorge. Zusammen mit Freunden hat er dafür sogar Fotofallen angeschafft und aufgestellt. "Wir haben teilweise Bilder, inzwischen sogar Tageslichtaufnahmen, wo innerhalb von drei Minuten vier Wölfe durchs Bild laufen, die wir vom Äußeren auch schon ganz gut erkennen können", sagt er. "Wir haben verschiedene Ecken, wo sie regelmäßig patroullieren." 

Vom Wolf gerissene Schafe liegen auf einer Wiese bei Groß Eichholz. (Quelle: Achim Gasper)
| Bild: Achim Gasper

Landesumweltamt will Genproben abwarten

Im Landesumweltamt weist man die Kritik zurück: Die Wölfe um Groß Eichholz seien bekannt, sie würden "auf der aktuellen Verbreitungskarte mit der laufenden Nummer 20 'Storkow' schematisch dargestellt", heißt es. "Wie Sie der Karte entnehmen können, liegen hier drei Rudel dicht beieinander." Man hoffe, in absehbarer Zukunft solche Fragen nach Auswertung der entnommenen Genproben beantworten zu können. Das Amt nimmt routinemäßig in regelmäßigen Abständen genetisches Material. Jäger Achim Gaspar reichen solche Aussagen nicht. Er sucht eine Erklärung für das für ihn ungewöhnliche Verhalten der Wölfe - notfalls mit privat finanzierten Untersuchungen.  

Beitrag von Anne Schmidt

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Bei allem Verständnis für geschädigte Landwirte bzw Schafzüchter die hier Verluste hinnehmen müßen, stelle ich mir die Frage: Wieviele Tiere werden täglich von Autos totgefahren von Jägern erlegt und wieviele Tiere werden von den Wölfen erlegt? Ich muß gestehen das ich hier noch nicht hinter die Verhältnismäßigkeiten gestiegen bin warum um die Wölfe so eine Panik verbreitet wird evtl fehlt mir hier Wissen.
    Zum anderen Frage ich mich ob es nicht schon fast provikativ ist wenn man die Innereien von erlegten Wild keine 100 Meter vom nächsten eingezäunten Ortsteilen liegen lässt .Muss ich mich dann wundern wenn in der darauffolgenden Nacht die Wölfe kommen und sich Schafe holen? So passiert gerade diese Woche hier in Selchow.

  2. 1.

    Wie lange wollen die Redakteure diesem Bauer Miechelchen noch glauben schenken, ein Tierhalter, der seinen Kälbern offensichtlich (Gutachten) nicht mal genug zu trinken gibt. Um diesen Bauern sollte sich mal der Tierschutz kümmern. In der Mutterkuhhaltung sterben im Jahr ca. 11000 Kälber, entweder werden sie schon tot geboren oder versterben in den ersten Tagen nach der Geburt. Bei schlechter Weidehygiene, wie es bei diesem Bauern offensichtlich zu sein scheint, werden dann Aasfresser angezogen. Dieser Bauer will jetzt aus einem Problem, das es in dieser Haltung schon immer gab, Kapital schlagen. Vor Jahren war es die Saga von den Raben, die die Kälber töten, jetzt hat man den Wolf als Hilfsbringer seiner eigenen Unfähigkeit auserkoren. Der Wolf ist nun mal da Herr Miechelchen, da wird es nicht helfen, wahllos auf diese zu schießen. Eine Studie aus den USA bestätigt genau das Gegenteil, da Rudelstrukturen zerstört werden, einzige Lösung ist ein vernünftiger Herdenschutz.