Nathalie Soethe, Gründerin der Freiwilligeninitiative Wikiwolves (Quelle: Annika Klügel/rbb)
Bild: Annika Klügel

Freiwilligen-Initiative hilft beim Herdenschutz - "Ich möchte verhärtete Fronten aufweichen"

Ihre Schafe und Rinder besser gegen den Wolf zu sichern: Dafür fehlt vielen Tierhaltern das Geld und die Zeit. Denn kilometerlange Zäune aufzurüsten, macht jede Menge Arbeit. Nathalie Soethe aus Greifswald möchte den Tierhaltern helfen. Doch deren Jubel bleibt manchmal aus.  

Dass Nathalie Soethe in ihrer Freizeit Wolfszäune baut, verdankt sie einem Zufall. Für ein EU-Projekt zu Motivation im Naturschutz hatte sie eine Fallstudie zum Wolfsmanagement zu bearbeiten. "Als Agraringenieurin habe ich schnell die Konflikte mit den Tierhaltern gesehen. Da kam mir die Idee, nach dem Berliner Vorbild Wikiwoods (eine Freiwilligen-Initiative, die hilft, Bäume zu pflanzen) eine Freiwilligengruppe zu gründen: Wikiwolves."

Seit 2015 bringt Soethe Tierhalter, die ihre Zäune gegen den Wolf aufrüsten wollen, und freiwillige Helfer bei gemeinsamen Arbeitseinsätzen zur Verbesserung des Herdenschutzes zusammen. Die Webseite wikiwolves.org informiert über die Ziele der Initiative.

Helfer spenden Zeit und Arbeitskraft

Die meisten Tierhalter beklagen, dass sie, selbst wenn das Geld da ist, gar keine Zeit hätten, ihre Zäune aufzurüsten. Wie aufwendig es ist, einen neuen Zaun zu setzen, das erfahren die Wikiwolves-Helfer bei ihren Einsätzen am eigenen Leib. "Wir wollen bei den Menschen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie lange es dauert, so einen Zaun aufzubauen, indem sie einfach mal mitmachen", sagt Soethe.

Beim Hilfseinsatz im Wildpark Johannismühle in Baruth Anfang März 2017 helfen zeitweise fast dreißig Menschen, neue Zaunpfeiler zu setzen, das Drahtgeflecht von alten Stämmen abzuschlagen, um es anschließend an neu gesetzten Pfeilern wieder einzusetzen. Ein einzelner Tierhalter würde das niemals schaffen. Und müsste er so viele Helfer bezahlen, wäre er schnell sehr viel Geld los.

Die Skepsis ist riesig

Obwohl die freiwilligen Helfer ehrenamtlich arbeiten und den Tierhalter die Arbeitseinsätze außer der Verpflegung der Helfer nichts kosten, werden Soethe und ihre Mitstreiter nicht mit offenen Armen empfangen: "Die Skepsis uns 'Wolfsfreunden' gegenüber ist sehr groß, und viele Tierhalter sind erstmal reserviert uns gegenüber." Doch bisher seien alle Tierhalter nach einem Einsatz begeistert gewesen, sagt Soethe: "Wenn die Tierhalter, die uns kennengelernt haben, das dann ihren Kollegen erzählen, dann kann sich die Idee weiter verbreiten", so Soethes Kalkül.

Soethes Wunsch: Dass es mit dem Wolf klappt

In Brandenburg sind die Wikiwolves noch nicht so bekannt. Erst zwei Mal haben sie beim Aufbau eines neuen Herdenschutzzauns geholfen. Der Grund: Mehr Anfragen von Tierhaltern gab es bisher nicht. Doch Soethe hofft, dass auch hier das Prinzip der positiven Mund-zu-Mund-Propaganda in Zukunft funktioniert: "Wir brauchen einfach ein paar Fürsprecher unter den Tierhaltern - so ging das in Mecklenburg-Vorpommern auch los."

Soethes Anspruch ist es nicht, aus Tierhaltern Wolfsfreunde zu machen. Sie möchte einfach nur, dass "das mit dem Wolf klappt in Deutschland." Ihre Hoffnung: Durch die Wikiwolves-Hilfseinsätze merken die Tierhalter, dass nicht alle Wolfsfreunde automatisch ihre Feinde sind. Im Gegenzug bekommen die  Wolfsfreunde ein pragmatischeres Bild von den Problemen der Landwirte. 

Unbezahlter Halbtagsjob

Für Soethe ist aus ihrem Engagement inzwischen fast ein Halbtagsjob geworden. Auf beiden Seiten, bei den Tierhaltern und bei potentiellen Helfern, Interessierte zu finden, und diese dann auch noch für einen gemeinsamen Einsatz zusammenzubringen, braucht Zeit. Und einen langen Atem. Um das dauerhaft zu schaffen, arbeitet Soethe mit regionalen Ansprechpartnern zusammen, die in ihrem jeweiligen Bundesland bei den Tierhaltern für die Initiative werben und die Freiwilligen-Einsätze organisieren. Damit die Helfer auch wissen, wie sie die Tierhalter wirklich unterstützen können, können sie sich sogar schulen lassen. Vom 17. – 19. März 2017 findet in Mecklenburg-Vorpommern die nächste Schulung für zukünftige Wikiwolves-Betreuer statt.  

Ihr ehrenamtliches Unterstützungsangebot sieht Soethe auf keinen Fall als Ersatz für staatliche Hilfeleistungen: "Unsere Hilfe ist nur ein ganz kleines Puzzlestück im großen Ganzen. Wir können die Schäfer und andere Tierhalter damit nur minimal entlasten. Bei mobilen Stellnetzen, die viele Schäfer zum Einzäunen ihrer Herde verwenden, bringt unsere Hilfe als Gruppeneinsatz zum Beispiel gar nichts, weil die Schäfer diese Zäune sowieso ständig selbst kontrollieren müssen."

 

Beitrag von Annika Klügel