Hammersache - Wände mal ganz anders

Deutschlands beste Heimwerkerin, Nadine Ilgner, zeigt uns diesmal, wie wir typische Materialien aus dem Baumarkt ein klein wenig zweckentfremden können, um damit den heimischen vier Wänden ganz neue Strukturen zu verleihen. Dazu gibt's jede Menge nützliches Wissen rund Farbe und Co.

So langsam kommt die dunklere und graue Jahreszeit, eine gute Gelegenheit, um ein wenig Farbe in die eigenen vier Wände zu bringen. Kreative Wandgestaltung ist das Thema unserer zibb-Heimwerkerin Nadine Ilgner. Mit jeder Menge Tipps, worauf man schon beim Einkauf achten sollte und wie man mit Hilfe eines Plastiklöffels ein Rosenmeer erschafft.

Vorbereitung
Gute Vorbereitung ist alles. Die Wand sollte trocken, staubfrei und glatt sein. Alle Unebenheiten mit Malerspachtel beseitigen und gegebenenfalls noch einmal glattschleifen. Sind die Wände aus stark saugbarem Untergrund wie roher Putz oder Rigips, sollte man sie mit Tiefengrund behandeln. Auch wichtig: den Fußboden abdecken und schützen und eventuelle Farbkanten mit Malerband abkleben.

Tipp: die Seite des Malerbandes, die mit der zu streichenden Fläche abschließt, noch einmal mit der Farbe, die man schützen will, einstreichen. Durch das Einstreichen wird die Kante versiegelt. Und es kann nachher keine andere Farbe mehr in die zu schützende Farbe laufen. Wichtig hierbei: nach dem Streichen das Malerband im noch feuchten Zustand entfernen. So wird es eine perfekte Kante.

Farben Einkaufen
Beim Einkauf der Farbe kommt es nicht nur auf den Ton an, sondern auch auf die Qualität, wie z.B. auf die Nassabriebsbeständigkeit. Hier ist es empfehlenswert, eine Farbe der Klasse 1 oder 2 zu kaufen. Falls später ein Schmutzfleck drauf sein sollte, lässt sich solche Farbe ganz einfach mit Wasser und einem milden Reinigungsmittel saubermachen.

Außerdem beim Einkauf darauf achten, dass die Farbe eine hohe Deckkraft (Deckkraftklasse 1) hat, dann reicht häufig ein Anstrich aus.

Wand Variante 1 (Rosen-Wand)
Für die erste Wand benötigt man:
- Malerspachtel
- Wandfarben
- Eimer
- Glättekelle
- Spachtel
- Bohrmaschine mit Quirl
- Plastiklöffel
- einen kleinen Pinsel

Als Basis für diese Struktur-Wandgestaltung nimmt man Malerspachtel. Der wird auf Gipsbasis hergestellt und lässt sich - anders als Kalkzementputz - später problemlos wieder von der Wand schleifen, wenn die Gestaltung nicht mehr gefällt. Malerspachtel hat je nach Raumtemperatur eine Verarbeitungszeit von nur 30 Minuten. Er wird schnell fest. Deshalb am besten immer nur kleine Mengen anrühren.

Nadine mischt den Malerspachtel mit rosa Farbe, denn es soll eine Rosenwand entstehen. Diese Masse hat die richtige Konsistenz, wenn nichts mehr von der Kelle tropft.

Als erstes wird einmal die komplette Wand mit dieser Masse gespachtelt. Damit man später, wenn man eine Struktur hineinkratzt und die Struktur wirklich tief ist, nicht die weiße Wand durch sieht. Das geht am besten mit einer Glättekelle. Ist die komplette Wand bedeckt, gut trocknen lassen.

Dann kommt die zweite Schicht rosa Malerspachtel drauf, die wird gleich strukturiert, die Schicht muss etwa einen halben Zentimeter dick sein, damit sie sich gut bearbeiten läßt. Nadine nimmt einen (Plastik-)Löffel und ritzt damit ein Blumenmuster in die Wand. Aus mehreren Halbkreisen entsteht jeweils eine Blüte. Mit einem Nagel ritzt sie in die Mitte die Blütenstempel.

Für Gestaltungsalternativen kann man auch andere "Ritz-Werkzeuge" verwenden, wie z.B. eine Bürste, einen Pinsel oder einen Spachtel und damit verschiedene Muster in die Wand bringen.

Den überschüssigen, rausgekratzten Putz, der am Löffel klebt, in einem Tuch abstreifen.

So entsteht nach und nach ein ganzes Blütenmeer. Diese Strukturwand sollte 24 Stunden gut durchtrocknen. Wer mag, kann zusätzlich mit einem kleinen Pinsel zarte silberne oder farbige Akzente setzen. Fertig ist die erste Wandgestaltung.

Für zehn Quadratmeter benötigt man drei Stunden und sie kosten 27,00 Euro. Der Schwierigkeitsgrad beträgt drei von fünf Hämmern.

Wand-Variante 2 (blau-beige Streifenmuster)
Dafür benötigt man:
- einen Eimer
- Wandfarben
- Farbroller
- Abstreichgitter
- Tapetenleim
- Glättekelle
- Spachtel
- Plastikdeckel
- Cuttermesser
- Malerband

Und weil hier nur ein Teil der Wand farblich gestaltet wird, muss man sorgfältig abkleben, um die andere Wandfläche zu schützen (siehe oben unter Vorbereitung).

Diese Wand bekommt zunächst einen blauen Anstrich. Farben müssen vor dem Streichen immer gründlich durchgerührt werden, damit sich Bindemittel und Pigmente gleichmäßig vermengen. Auch wichtig: Die Rolle immer schön abstreichen.

Für eine perfekte, streifenfrei gestrichene Wand, streicht man die ganze Fläche erst senkrecht und dann noch einmal waagerecht. So verteilt sich die Farbe gleichmäßig auf der Wand.

Während die Wand trocknet, kann man die selbstgemachte Strukturmischung herstellen, die später auf die blaue Wand kommt. Dazu Kleister viel dicker als üblich anrühren. Den Kleister immer nach und nach in den Eimer geben, sonst gibt es Klümpchen. Und dann quellen lassen.

In den aufgequollenen Kleister kommt schließlich noch Farbe (in diesem Beispiel ist es ein Beigeton), alles noch einmal gut durchrühren. Dieses Kleister-Farbgemisch läßt sich jetzt gut mit einer Glättekelle schön gleichmäßig auf die gesamte Wand auftragen.

Dann geht’s ans Gestalten, das kann man mit einem gekauften Zahnspachtel aus der Fliessenabteilung machen oder man nimmt einen alten Deckel von einem Farbeimer und baut sich daraus selber ein Kratzwerkzeug. Damit kratzt man jetzt Streifenmuster in die noch feuchte Masse an der Wand. Je öfter man kratzt, desto mehr erscheint von der darunterliegenden Farbe (in diesem Fall Blau).

Für diese Art der Wandgestaltung benötigt man zweieinhalb Stunden für zehn Quadratmeter, sie kostet 29,00 Euro und bekommt 2 von 5 Hämmern.

Beitrag von Susanne Stein