zibb-Minitour - Mini-Hoftour durch Berlin-Mitte

Wer durch Berlins Mitte schlendert, entdeckt natürlich erst mal das Offensichtliche, über das man quasi im Vorbeigehen stolpert. Es gibt hier aber auch ein Leben in der zweiten Reihe: zauberhafte Hinterhöfe.

Der Kunsthof in der Oranienburger Straße 27 gehört zu den wenigen noch erhaltenen Wohn- und Gewerbehofanlagen aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Künstlerin Katja Wiedemann hat hier Laden, Galerie und Atelier – alles unter einem Dach. Neugierige Besucher sind ausdrücklich erwünscht!

Geigenbauer

Ein paar Meter weiter – eine Geigenbauerwerkstatt. Steigt man die Stufen ins Souterrain hinab, spürt man sofort die Magie, die von den Instrumenten ausgeht. Selbst wenn man weder Geige noch Cello oder Bass spielt.

Geigenbauer Jakob Motter hat gerade Hochsaison. Jetzt im Sommer, in den Orchesterferien, gibt es für ihn jede Menge zu tun. Musiker zum Beispiel der Berliner Philharmoniker und der Opernhäuser lassen hier ihre kostbaren Instrumente reparieren und restaurieren. Natürlich baut Jakob Motter auch neu. Vorbeischauen lohnt sich.

Hof Schwarzenberg mit dem Kino Central

Gleich um die Ecke liegen die Hackeschen Höfe, die wunderschön sind, die wir heute aber mal links liegen lassen. Wir gehen in den Hof Schwarzenberg.

Verrückt bunt und anarchisch – hier kriegt man eine Ahnung davon, wie das Berlin der Nachwendezeit mal ausgesehen hat.

Das Kino Central gibt es bereits seit 1996 und das wandelt mit seinem Programm erfolgreich zwischen Kunst und Kommerz. Schräges Independent-Kino und aktuelle Hollywoodblockbuster schließen sich hier jedenfalls nicht aus. Vielleicht ist es diese Offenheit, die den gesamten Hof Schwarzenberg am Leben hält.

Neben Kino, Künstlerateliers und Bars sind auf dem Hof auch zwei Museen. Eines davon erzählt die Geschichte der Blindenwerkstadt Otto Weidt. Während des Zweiten Weltkrieges stellten hier hauptsächlich blinde und gehörlose Juden Besen und Bürsten für die Wehrmacht her. Otto Weidt bemühte sich, seine jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter vor Verfolgung und Deportation zu schützen. Unter Lebensgefahr versteckte er damals eine ganze Familie in dem Raum hinter diesem Schrank. Der Eintritt für dieses besondere Museum ist frei.

Beitrag von Beate Bossdorf