Neue Kartoffeln in einem Weidenkorb. (Bild: Colourbox)

RADIKAL REGIONAL - Alte Nutzpflanzen-Sorten

Einige unserer Kartoffelsorten sind über 100 Jahre alt. Doch diese alten Sorten landen selten im Supermarkt. Deshalb geben der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN e.V.) und der BUND Tipps fürs Selber-Anpflanzen. Wir lassen uns zeigen, wie es funktioniert.

Aromen, Arten, Abwechslung - die Vielfalt bewahren möchte der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg. In Greiffenberg bei Angermünde baut der Verein 2000 Sorten Obst und Gemüse, Kräuter, Getreide und Blumen an - und verkauft das Saatgut an Garten- und Genussfreunde.

Wie erhalten die Gärtner keimfähiges Saatgut, warum lohnt es sich, alte Sorten zu bewahren, und welches sollte jetzt in die Erde? Alles über gutes Saatgut mit einem Experten bei zibb: Herbert Lohner war lange im Vorstand des VERN e.V. und ist hauptberuflich Referent beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Der Hintergrund
Im Supermarkt gibt es oft nur wenige, robuste und neu gezüchtete Sorten von Obst oder Gemüse. Denn moderne Anbaubetriebe achten natürlich auf praktische Bedingungen und ertragreichen Anbau - sie mögen gerade, gut stapelbare Gurken und gleichmäßige Äpfel von Bäumen, die auch jedes Jahr viel tragen. Und das Produkt soll lange haltbar sein: Ein Salat, der am besten vom Feld sofort auf den Teller müsste, lässt sich schlecht im Supermarkt verkaufen.

Beim VERN dagegen kümmern sich die Gärtner auch um weniger ergiebige Sorten. Sie lagern und bewahren das Saatgut von etwa 2000 meist alten Nutzpflanz-Sorten. Und die müssen sie regelmäßig anpflanzen, denn auch Saatgut kann schlecht werden und verliert vor allem jährlich an Keimfähigkeit. Daher arbeiten mehrere Gärtner fest im Schaugarten des Vereins.

Katrin Rust und Ralf Akus säen jedes Jahr einige Sorten aus, um frisches Saatgut zu erhalten: Etwa sechs Jahre hält Salat-Saat. Die Gärtner hier bauen mit ganz anderen Zielen an als Gemüsegärtner sonst: Die möchten normalerweise möglichst große Salate und Kohlköpfe ernten. Die VERN-Gärtner sind aufs Saatgut aus und machen ihren Pflanzen manchmal bewusst Stress, gießen sie zum Beispiel nicht, damit sie mehr Blüten treiben und so viel Samen entwickeln.

Im April naht die Zeit für den Kartoffelanbau
Rund 5000 Sorten Kartoffeln gibt es weltweit, 13 davon hegt und sät der VERN e.V. Für je 35 Cent verkauft er die Saatkartoffeln auch an Hobbygärtner.

Die Kartoffeln legen die Gärtner mit etwa 50 cm Abstand voneinander vorsichtig in den Boden, so bleiben die Keimansätze dran. Der Boden sollte am besten schon acht bis zehn Grad Celsius warm sein, sonst können die nachwachsenden Kartoffeln glasig werden. Also ruhig noch ein paar Tage abgedeckt vorkeimen lassen und erst dann in die Erde bringen. Kartoffeln sind pflegeleicht und brauchen recht wenig Wasser, Gießen ist erst nötig, wenn die Pflanze anfängt zu blühen.

Jedes Jahr gibt der VERN e.V. ein Compendium heraus mit den verkäuflichen Sorten: Wenn der Verein viel Samen einer Nutzpflanze ernten konnte, verkauft er das überschüssige Saatgut an Privatgärtner. Dieses Jahr sind etwa 13 Sorten Kartoffeln und fast 70 Sorten Tomaten im Angebot.

Der Schaugarten des Vereins ist regelmäßig geöffnet, hier bieten die Gärtner auch Workshops und Führungen an. Das Saatgut kann jeder Hobbygärtner für 2,50 Euro pro Tütchen bestellen.

In bisher drei Läden sind einige Sorten auch in Berlin erhältlich:

 

Bio Company, Oranienburger Chaussee 21, 16548 Glienicke
Bio Company, Hauptstraße 31/32, 10827 Berlin
Bio Company, Chausseestraße 19, 10115 Berlin

Beitrag von Corinna Meyer