Raubmilben gegen Schädlinge, Foto: imago/Kai Horstmann

RADIKAL REGIONAL - Urban Farming: Nützlinge und Schädlinge

Dass sich Lebensmittel auch in Großstädten anbauen lassen, zeigt das Projekt "Stadtfarm", das wir im Rahmen von "Radikal Regional" seit einigen Monaten begleiten. In einem geschlossenen Kreislauf sollen hier jährlich 50 Tonnen Fisch und 35 Tonnen Gemüse produziert werden. Wir melden uns live von dort.  

Was bisher geschah
Anfang des Jahres zog die Stadtfarm in die Gewächshäuser in Herzberge. Auf zweieinhalbtausend Quadratmetern entsteht hier Europas größte Aquaterraponikfarm, in der, in einem geschlossenen Kreislauf, jährlich 50 Tonnen Fisch und 35 Tonnen Gemüse produziert werden sollen. Lebensmittel dort herstellen, wo sie auch verzehrt werden - das ist das große Ziel der Stadtfarm. Und diesen radikal regionalen Ansatz verfolgt auch zibb.

Den Selbstversuch wagen wir in der Außenanlage der Stadtfarm. Anfang März gings los mit dem Bau des Beets. Auf einem Hochbeet mit Sperrschicht gegen Wühlmäuse, grobem und feinem Kompost soll unsere zibb-Ernte wachsen und gedeihen. Aber erstmal wird ausgesät, mit dem richtigen Bio-Saatgut. Vier Wochen später ist das aufgegangen. Es ist Ende März und die ersten Pflanzen können ins Beet: Kohlrabi, Salat und Zwiebeln - für alles andere ist es im März noch zu kalt. Jetzt, Ende April, steht Beetpflege auf dem Programm. Der Monat war kälter als gewöhnlich. Das hemmt auch das Wachstum auf unserem zibb-Beet.

Mit Nützlingen Schädlinge bekämpfen
Zeit, sich mit einem wichtigen Thema zu befassen, mit der Schädlingsbekämpfung. Denn die kleinsten Tierchen können an Pflanzen den größten Schaden anrichten und dann ist die ganze Arbeit schnell dahin, wenn sich Schädlinge wie Spinnmilben, Blatt- oder Wollläuse und Dickmaulrüßler breit machen. Schnell greift man dann zu chemischen Mitteln, doch diese können Obst ungenießbar machen und die Umwelt belasten.

Schonender ist dagegen der Einsatz von Nützlingen. Sie stellen die natürlichen Fressfeinde der Schädlinge dar und sind für Mensch und Natur völlig unbedenklich. Für fast jeden Schädlingsbefall, lassen sich Nützlinge einsetzen. Hier einige Beispiele:

Blattläuse
Blattläuse treten in unterschiedlichen Formen auf und saugen sich an den Pflanzen fest. Sie zählen weltweit zu den bekanntesten Pflanzenschädlingen. Sie sondern klebrigen Honigtau aus, der wiederum das Wachstum von Rußtaupilzen begünstigt. Gegen Blattläuse helfen z.B. Marienkäfer und deren Larven, Florfliegenlarven und Schlupfwespen. Welcher Nützling im Einzelfall hilft, hängt von der befallenen Pflanze und den Temperaturen ab.

Spinnmilben
Sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen sind. Sie ernähren sich von dem Pflanzensaft und hinterlassen statt dem satten Grün gelbe Flecken, die sich auf den Blättern ausbreiten. Gegen Spinnmilben helfen Raubmilben. Sie vertilgen sie in jedem Wachstumsstadium, benötigen allerdings warme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit.

Weiße Fliegen
Weiße Fliegen sind auf den Pflanzen meist gut zu erkennen. Sie stammen aus tropischen Gebieten und verbreiten sich bei uns daher am schnellsten im Sommer. Wie die Spinnmilben ernähren sie sich vom Pflanzensaft. Auch sie sondern Honigtau ab, der den Befall mit Rußtau begünstigt. Die Schlupfwespe legt ihre Eier in den Larven der Weißen Fliege ab und tötet diese dabei.

Dickmaulrüßler
Die nachtaktiven Käfer gehören zu den hartnäckigsten Schädlingen im Garten. Sie fressen sich in die Blätter, und die Larven schädigen die Wurzeln. Oft befallen sie Rhododendren, Buchsbäume oder Rosen. Mit Nematoden, also Fadenwürmern, lassen sich Dickmaulrüßler besonders gut bekämpfen. Sie dringen in die Larven der Käfer ein und hinterlassen dort Bakterien, die die Larven abtöten.

Erfolg bei der Schädlingsbekämpfung
Die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung der Pflanzen ist ein frühzeitiges Erkennen des Befalls. Je früher die Nützlinge ausgesetzt werden, desto leichter können sie die Schädlinge bekämpfen. Auch die Nützlinge brauchen eine bestimmte Umgebung, um zu überleben und sich zu vermehren. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die Pflanze, auf der sie eingesetzt werden sollen. Am besten lässt man sich beim Fachmann beraten. Auf jeden Fall sollten die betroffenen Pflanzen einige Zeit vor dem Ausbringen der Nützlinge nicht mit chemischen Mitteln behandelt worden sein. Nützlinge werden extra gezüchtet, sogar nach Hause geliefert.

Beitrag von Antje Pfeiffer
Reporterin: Ulrike Finck