Symbolbild - Ein Fahrlehrer übergibt einer jungen Frau einen Autoschlüssel (Bild: dpa/Christin Klose)
dpa/Christin Klose
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Viel Kohle für den Alten - Stressfrei Gebrauchtwagen verkaufen

Der Grund, seinen Gebrauchtwagen privat zu verkaufen anstatt beim Gebrauchtwagenhändler: Man erhofft sich einen höheren Erlös. Zu Recht, denn der Händler will ja schließlich auch noch einen Gewinn beim Wiederverkauf erzielen. Doch wie läuft ein Autoverkauf möglichst reibungsfrei?  

Über den Daumen ist davon auszugehen, dass man beim Händler um die 80% vom maximal möglichen Preis realisiert. Dafür wird aber der nicht unerhebliche bürokratische Aufwand reduziert. Es gibt einen professionellen  Kaufvertrag, die Abmeldung übernimmt der Aufkäufer kostenlos. Und: Dass ein Händler anschließend den Gebrauchten reklamiert, ist nicht bekannt.

Dagegen kann der Gebrauchtwagenverkauf  an privat durchaus stressig sein. So sind Termine mit mehreren Interessenten zu organisieren, diese pflegen während der Probefahrt auch mal einen unkonventionellen Fahrstil. Es wird gefeilscht und man kann nie sicher sein, dass der Käufer wenig später wieder vor der Tür steht und auf „satte Mängel“  am Auto verweist, die doch nachträglich zu einem ebenso satten Preisnachlass führen müssten. Dazu kommt: Das Auto zeitnah um- und bei der Versicherung abzumelden, wird vom Käufer ab und an auch ganz vergessen.

Der Verkäufer kann diesen möglichen Stress reduzieren, indem er Vorgaben macht, die ein privater Käufer nicht ignorieren kann: Das Serviceheft weist die regelmäßig wahrgenommenen Inspektions- und Wartungsintervalle aus, die HU ist recht aktuell und man investiert vielleicht sogar um die 75 € für einen Gebrauchtwagencheck in einer Meisterwerkstatt oder bei einer Sachverständigen- und Prüforganisation.  Der ADAC Prüfdienst bietet für um die 100 € einen umfassenden Gebrauchtwagencheck inklusive Wertermittlung auf der Basis des detaillierten Zustandes des Autos vor Ort. Natürlich minimieren solche Ausgaben den erhofften Erlös beim Verkauf an privat, senken aber den Stressfaktor.

Über den aktuellen Wert seines Gebrauchten kann man sich im Internet auch kostenlos auf Autoportalen wie mobile.de, wirkaufendeinauto.de, oder autoscout24.de informieren. Die dort angegebenen Werte beziehen sich aber auf Fahrzeuge, die entsprechend Alter und Laufleistung die nur normalen Abnutzungsspuren aufweisen und regelmäßig zu den  Inspektions- und Wartungsintervallen vorfuhren, einschließlich des turnusgemäßen Austausches von Verschleißteilen, zum Beispiel der Tausch des Zahnriemens gemäß Vorschrift. Deshalb liegt der Wert nach konkretem Check vor Ort oft unter dem der Ferndiagnose. Und nicht vergessen: Ein Händler will auch noch verdienen und versucht deshalb,  den Preis zu drücken.

Bei jedem Verkauf an privat empfiehlt es sich, einen Standardkaufvertrag aus dem Internet oder dem Schreibwarenhandel zu nutzen. Der fragt quasi allen Daten des Käufers, Verkäufers und Autos ab und enthält auch die Verpflichtung des Ab- bzw. Ummeldens durch den Käufer. Die Schreibwarenladenvariante enthält zudem gleich den Durchschlag für das Abmelden bei der Versicherung.

Die Gebrauchtwagen können auf Internetportale gestellt werden, um auf diesem Wege an den privaten potentiellen Käufer zu kommen, z.B. auf autoscout24.de, mobile.de, smarter.com, searchnow.com. Die meisten Plattformen bieten Platz für ein kostenfreies Basisinserat das bereits Bilder enthält. Soll das Inserat besonders umfangreich und länger präsent sein, kostet das z.B. bei mobile.de in der Standardversion 9,90 € und in der Premiumversion 19,90 €. Die privaten Gebrauchtwagenmärkte auf Supermarktplätzen oder ähnlichen Örtlichkeiten gehören im Prinzip der Vergangenheit an. Wer nicht von privat an privat verkaufen will, sondern beim Händler, sucht einen vor Ort oder im Internet wie wirkaufendeinauto.de.

Kleine Kärtchen in den Fenstergummis mit verlockenden Kaufofferten sind allgemein bekannt: „Auto-Import-Export“, „Export für Afrika und Osteuropa“, „Kaufen Gebrauchtwagen aller Art – auch Unfallfahrzeuge und ohne TÜV“, „Bezahlen mehr als Restwert“. Wenn diese Offerten auch als „ verbotene unlautere Werbung“ gelten und beim Erwischen auf frischer Tat mit 50 € Bußgeld geahndet werden, ist die einstige Abneigung gegenüber solchen Angeboten geschwunden. Diese werden besonders von Autohaltern angenommen, die für ihr Auto kaum noch etwas oder gar nichts mehr bekommen, weil das Auto alt ist, eine uralte Abgasnorm  und/oder Macken hat. So bekommt man noch ein paar Euro auf die Hand und spart die demnächst anfallenden Verschrottungskosten.

Sieht man von der Ordnungswidrigkeit der unlauteren Werbung ab, ist gegen diesen Autohandel von privat zu privat gesetzlich nichts einzuwenden. Es bleiben aber schon Achtungszeichen. So sind die alten Umweltschädlinge woanders noch jahrelang unterwegs und deren ökologisch vertretbares Verschrotten ist dann auch fraglich. Weiterhin: Verkäufer von nicht uralten Autos werden auf diesem Wege wohl kaum den realen Zeitwert des Autos bekommen. Eine Kontrolle der Fahrzeugabmeldung ist sehr anzuraten.

Ein Beitrag von Reinhard Rychlik