"Auto wird mit Biomethan betankt"; © imago images /localpic
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Service - Stroh im Tank – Biomethan, alternativer Kraftstoff und guter Umweltfreund

Die Bundesregierung hat ein großes Paket für den Klimaschutz geschnürt und stellt Milliarden Euro für dessen Realisierung bereit. Ein nicht geringer Teil davon wird auf einen umweltverträglicheren Straßenverkehr entfallen. Unter den Prioritäten der Vorhaben taucht die Förderung von alternativen, nachhaltigen Kraftstoffen auf. Hier liegt das Biogas Biomethan ganz vorn – umweltneutral und flexibel einsetzbar.

Als Kraftstoff ist Biomethan nur in der gereinigten Variante (98 Prozent Reinigungsgrad) verwendbar und reduziert gegenüber Benzin den CO2 Ausstoß um rund 90 Prozent – mit Biomethan ist man quasi nahezu feinstaub-, stickoxid- und CO2-neutral unterwegs.

Biokraftstoff in der Kritik?

Aber: Ist Biokraftstoff nicht auch in der Kritik, weil zu dessen Herstellung "Lebensmittel statt auf dem Teller im Tank landen" und sie zum Anbau von Monokulturen sowie zur "Vermaisung" der Landwirtschaft führt?

Der Biomethan-Produzent Verbio AG kann überzeugend entgegenhalten: Zur Gasproduktion werden ausschließlich Pflanzenreste – hauptsächlich Stroh – verwendet, die durch Mikroorganismen zersetzt werden. Vom jährlich anfallenden Stroh wird nur ein Teil wieder in der Landwirtschaft verwendet, bzw. dort benötigt. Aber die rund 13 Millionen Tonnen Stroh, die auf den Feldern pro Jahr verrotten würden, können stattdessen zum nachhaltigen, umweltneutralen Kraftstoff Biomethan verarbeitet werden – einem Biokraftstoff, der wie Erdgas von allen Kraftstoffen den höchsten Energiegehalt hat und fast rückstandslos verbrennt.

Gut für Umwelt und Geldbeutel

Mit ca. 400 Kilogramm Biomethan, das aus nur zwei Tonnen Stroh gewonnen wird, kann ein PKW rund 11.500 Kilometer umweltneutral unterwegs sein.

Von den nur rund 900 Erdgastankstellen (CNG – Compressed Natural Gas) deutschlandweit bieten über ein Viertel bereits Biogaszumischungen an, an 146 Zapfsäulen sogar 100-prozentiges Biomethan, so in z. B. in Berlin-Spandau, Schwedt oder Neuruppin. Der fossile Kraftstoff Erdgas ist allein schon um einiges umweltverträglicher als Benzin oder Diesel und legt durch die Zugabe von Biomethan noch einmal zu.

Zudem schont das Gemisch Erdgas/Biomethan den Geldbeutel des Autofahrers, da die Tankkosten gegenüber Benzin um fast die Hälfte gesenkt werden. Und das, obwohl der Preisunterschied von einem Liter Benzin zu einem Kilogramm CNG zurzeit lediglich rund 35 Cent beträgt. Aber: Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas, Erdgas mit Biogaszumischung oder purem Biomethan ist um den eineinhalb mal höher als der eines Liters Benzin.

Das bedeutet konkret: Werden 10 Euro Tankgeld investiert, kommt man bei den aktuellen Kraftstoffpreisen mit einem PKW mit Erdgas und/oder Biomethan im Schnitt 180 Kilometer weit, mit Diesel 155 Kilometer und mit Benzin gerademal 120 Kilometer – und das auch noch mit klar höherem Schadstoffausstoß.

Beste Klimabilanz

Eine vom ADAC initiierte Analyse zeigt bei der ganzheitlichen Betrachtung der Emissionen, dass mit Erdgas/Biogas betriebene Autos derzeit die beste Klimabilanz aller gängigen Antriebstechnologien aufweisen. Sie übertreffen so Benzin-, Diesel- und sogar Elektroautos.

Alle Fahrzeuge, die auf Erdgasbetrieb ausgelegt sind, können völlig problemlos mit dem Gemisch Erdgas/Biomethan bzw. mit Biomethan pur gefahren werden – ohne Leistungsverluste. Vor allem die Autobauer Fiat, VW, Skoda, Seat, Audi und Opel bieten den Erdgas-/Biomethanantrieb an, der beide Kraftstoffarten problemlos verarbeitet. Während in älteren Modellen neben dem Erdgas-/Biomethantank oft ein vollwertiger Benzintank verbaut ist, geht die Tendenz inzwischen zu einem größeren Gas- und einem kleineren Benzintank. Der dient vor allen dazu, mögliche Gas-Durststrecken stressfrei zu überwinden.

Steuerliche Förderung

Gegenüber einem vergleichbaren Modell mit Benzinantrieb liegt der Mehrpreis von gasbetriebenen Autos für die technische Aufrüstung je nach Modell und Marke zwischen 3.500 und 4.500 Euro. Als Gegenrechnung halten her: die geringeren Kraftstoffkosten, die sehr geringe Kfz-Steuer und, dass immer noch viele lokale Gasanbieter den Kauf eines CNG-Autos mit rund 1.000 Euro fördern, bzw. Tankgutscheine ausgeben. Gerade ist die steuerliche Förderung für den alternativen Kraftstoff CNG bis 2026 verlängert worden.

Beitrag von Reinhard Rychlik