Abgas kommt aus einem Auto im morgendlichen Berufsverkehr, Symbolbild (Quelle: dpa/Marcel Kusch)
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Service - Dieselskandal: Werden jetzt Autos stillgelegt?

Der Lack ist ab: Durch den Dieselskandal haben vor allem die Marken des VW Konzerns gelitten. In Deutschland waren mehrere Millionen Fahrzeuge von manipulierter Software betroffen. In realitätsfernen Labortest wurden so die Abgaswerte der Norm Euro 5 eingehalten, im realen Alltagsverkehr waren sie um ein Vielfaches höher.

Das Kraftfahrt-Bundesamt ordnete ein Umrüsten der Autos an. Dafür hatten die Betroffenen 18 Monate Zeit. Die Frist ist abgelaufen. Rund 15 000 Autohalter stehen jetzt im Regen, weil sie nicht umrüsten ließen. Ihnen droht das Stilllegen ihres Autos. 

Der Dieselskandal und die Marken des VW Konzern, der Lack ist ab. In Deutschland waren 2,4 Mio Fahrzeuge  mit der Motorengeneration  EA 189 betroffen. Mittels manipulierter Software wurden im realitätsfernen Labortest die Abgaswerte der Norm Euro 5 eingehalten, waren jedoch im realen Alltagsverkehr um ein Vielfaches höher.  Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnete ein Umrüsten der Autos an. Mittels Software Update und am Luftmassenmesser mit einem Strömungsgleichrichter hin zu den geforderten Abgaswerten. 

Die Betroffenen hatten nach Information 18 Monate Zeit, die Umrüstung in einer Markenwerkstatt nach freier Wahl und kostenlos vornehmen zu lassen. Die 18 Monate Frist ist abgelaufen. Rund 15 000 Autohalter stehen im Regen, weil sie nicht umrüsten ließen. Ihnen droht jetzt das Stilllegen ihres Autos, das Erlöschen der Betriebserlaubnis.   
Kfz.-Zulassungsstellen sind sogar schon aktiv geworden, haben in Hamburg, München und Sachsen-Anhalt mehrere Euro 5 Diesel ohne Software Update stillgelegt.

Erhält das Kraftfahrt - Bundesamt aus der Werkstatt nach Fristablauf nicht die Meldung, dass das Update erfolgte, wird die regional zuständige Zulassungsstelle informiert.  Diese wendet sich an den Autohalter und gewährt eine 4wöchige Karenzzeit, die Umrüstung durchführen zu lassen.

Verstreicht diese Frist ebenfalls ungenutzt, erfolgt die Stilllegung des Fahrzeugs, der Entzug der Betriebserlaubnis. Spätestens  aber bei der nächsten Hauptuntersuchung, kann die Nachrüstung nicht nachgewiesen werden. Sind doch die Prüfer verpflichtet, an einem EA 189 Motor die Umrüstung über die On Bord Diagnose abzurufen. Bei Nichtbestätigung erfolgt die Stilllegung des Fahrzeugs und eine Widerholungsprüfung, um die Nachrüstung zu belegen.

Fest steht: Man ist gesetzlich zum Update der manipulierten Software, zum Umrüsten der betroffenen Dieselmotoren verpflichtet. Sonst droht eben nach Ablauf der 18 Monatsfrist nach Erstinformation die Stilllegung des Fahrzeugs. Diese ohne Update zu verhindern, ist vor Gericht schier aussichtslos. Schließlich hat der Hersteller mit dem kostenlosen Update den Fehler, den „Schaden“ behoben. Ob seine Maßnahmen da wirklich ausreichend sind ? Das KBA hat diese als ausreichend bestätigt.

Wer trotz Stilllegung das Auto fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die von 135 € bis zu 2017 € und einem Flensburgpunkt reicht, je nach Gefährdung des Straßenverkehrs.    
Nicht wenige verweigern die Nachrüstung, weil sie Leistungsverlust, höheren Kraftstoffverbrauch und einen nicht exakt arbeitenden Rußpartikelfilter befürchten. Und: Weil sie sich doch noch eine Chance auf eine erfolgreiche Klage gegen VW erhalten wollen.

Aktuell stehen die Erfolgschancen bei Klagen gegen den VW Konzern gar nicht schlecht. Der Bundestag bringt gerade das Gesetz zur „Musterfeststellungsklage“ auf den Weg. Diese soll nun spätestens zum 1. November greifen, um Schadensersatzforderungen Betroffener trotz erfolgten Updates doch noch durch zu setzen. Voraussetzung ist aber, dass die Klage bis zum Ende des Jahres eingereicht wird. Dann ist die Frist zum Einreichen einer solchen Klage abgelaufen. 
 
Gibt es technische Probleme nach dem Update, gewährt VW im Rahmen seiner  „Vertrauensbildenden Maßnahme für Stickoxid“ eine 24 Monate Kulanz. Natürlich nur für Reparaturen in Vertragswerkstätten und nach einer Einzelprüfung , die nachweist, dass die Probleme auf das Update zurück zu führen sind. Massenhaften Problemen, dass nach der Umrüstung die Leistung sinkt oder der Verbrauch steigt, sind nicht bekannt. Dagegen gibt es einige Fälle, in denen der Rußpartikelfilter recht schnell zu war, sich nicht mehr selbst kontinuierlich freibrennt.

Nicht mit der VW Software Umrüstung in direkter Verbindung, aber gibt es denn praktikable Hardware-Nachrüstungen ? Nicht so richtig. Einiges, wurde bereits entwickelt, aber noch nicht genehmigt. Das KBA soll inzwischen in Aussicht gestellt haben, eine Nachrüstset für Euro 5 Diesel zu genehmigen. Fraglich bleibt aber, ob der zweite oder gar dritte Fahrzeughalter eines 8 Jahre alten Autos mit rund 180 000 km auf dem Tacho diese Investition tätigt oder es doch beim kostenlosen VW Update bleibt.  

Aktuell hat am 13.06.2018 die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen der Dieselkrise gegen VW einen Bußgeldbescheid in Höhe von 1 Mrd. € verhängt.

Beitrag von Reinhard Rychlik