Service - Die Tricks der Kfz-Versicherungen bei Autounfällen

Wer als Unschuldiger in einen Autounfall verwickelt wird, sollte nicht blindlings den Angeboten der gegnerischen Versicherung vertrauen. Wenn diese verspricht sich um Gutachten, Reparatur und Mietwagen zu kümmern, hat sie oftmals das Interesse, die eigenen Ausgaben zu senken – zu Lasten des Geschädigten.

Auch nach einem Unfall ohne Personenschäden und ohne eigene Schuld ist man verunsichert und  gestresst. Oft ist man dann dankbar, wenn die Autoversicherung des Schuldigen verspricht alles zu regeln: Gutachten, Reparatur in der Werkstatt, Mietwagen etc. Doch Vorsicht: Das Ziel der Versicherungen ist nicht die uneigennützige Hilfe für den Geschädigten, sondern dessen Entschädigungen so niedrig wie möglich zu halten - und für das Versicherungsunternehmen selbst die maximale Ersparnis herauszuholen. Das funktioniert allzu oft, weil Versicherte sich im Dschungel der Versicherungsbestimmungen nicht auskennen und ihre Rechte nicht wahrnehmen. So kann eben auch die teurere Markenwerkstatt gewählt werden, wenn das Auto nicht älter als 3 Jahre ist oder es über seinen gesamten Lebenszyklus in der Markenwerkstatt vorgestellt wurde.

Ein konkretes Beispiel für die Tricks der Versicherungen:
Nachdem die Versicherung eine Reparatur des Unfallautos des Geschädigten zugesagt hatte, ließ sie anschließend feststellen, dass der Wagen dann doch plötzlich ein Totalschaden war.  Begründung: Während die Reparaturkosten mit 4 350 € angesetzt wurden, lag der Zeitwert des Wagens bei nur noch 3 900 € und damit viel geringer als die Reparaturaufwendungen. Das schlechte Angebot der Versicherung: Sie wollte dem Geschädigten nur 2 350 € zahlen und hätte so kräftig gespart, die restlichen 1 550 € des Zeitwertes  sollten von einem Schrotthändler kommen. Mit einem Anwalt an seiner Seite konnte der Geschädigte doch noch die Reparatur durchsetzen.

Denn: Die Reparaturkosten lagen nicht über 130 % des Fahrzeugzeitwertes. Erst darüber gilt eine Reparatur als unwirtschaftlich und das Auto als Totalschaden. Zudem gilt das Auto dann als „Unfallwagen“, was rd. 10% Abzug vom aktuellen Zeitwert bedeutet.  Den hat die gegnerische Versicherung natürlich auch ausgleichen müssen. Statt 4 340 € Reparaturkosten plus 390 € Wertverlustausgleich wollte sie aber mit ganzen  2 350 € Entschädigung davon kommen.

Auch beim Mietersatzwagen lassen Versicherungen schon mal den Laien nicht allzu tief in die ihm zustehenden Rechte blicken. Denn: Auch wenn der Geschädigte verletzt ist und deshalb nicht selbst fahren kann, steht ihm ein Ersatzwagen zu. So dass ihn eine andere Person befördern kann. Und: Der Versicherer muss den Zuschlag für eine Vollkaskoversicherung des Mietautos übernehmen. Nimmt man keinen Mietwagen, steht einem eine Nutzungsausfallentschädigung zu. Je nach Typ zwischen 25 bis 170 €/Tag.  

Diese Trickserei durch Versicherungen hat derart zugenommen, dass Verkehrs- und Versicherungsexperten wie auch jene bei der Stiftung Warentest raten:  Gegnerische Versicherung bei Schadenregulierung mit ihren vollmundigen Versprechungen keine freie Hand lassen. Auf freie Gutachter und freie Werkstattwahl bestehen. Liegt doch der Verdacht nahe, dass versicherungsgebundene Gutachter und Werkstätten nicht selten auch im Interesse ihrer Auftraggeber begutachten und reparieren. Der Verdacht wird dadurch bestärkt, dass Versicherungen bei Gutachter- und Werkstattbindung im Kaskobereich Beitragsrabatte gewähren.  Inzwischen raten die Experten sogar, sich einen Anwalt für das gesamte Prozedere zu nehmen, zumal die kompletten Kosten für diesen von der gegnerischen Versicherung übernommen werden müssen, ist der Geschädigte am Unfall 100% unschuldig.

Liegt eine Teilschuld vor, gilt generell die Quotenregelung. Das heißt: In Höhe des  prozentualen Schuldanteiles des Unfallgegners muss dessen Versicherung anteilig die Kosten der Schadenregulierung übernehmen: Reparatur, Mietwagen, Nutzungsausfallentschädigung, auch Anwaltskosten. Auf dem Restschaden durch eigene Schuld  bleibt man sitzen. Oder nutzt die eigene Vollkasko für die Reparatur, wird dann aber auch hier beim Beitrag hochgestuft. Die freie Gutachter- und Werkstattwahl ist natürlich auch bei einer Teilschuld gegeben.  

Beitrag von Reinhard Rychlik, zibb Verkehrsexperte