Quelle: Colourbox/Alfred Hofer
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Service - Fahrradträger am Auto im Test

Der ADAC hat elf Fahrradträger für die Anhängerkupplung, ausgelegt für drei Fahrräder, getestet. Unter den Fahrradträgersystemen – auf der Hängerkupplung, auf dem Dach, an der Hecktür – ist die Variante auf der Kupplung die teuerste.

Das Test Gesamtergebnis ergab sich aus folgenden Bewertungskriterien: Die Handhabung bei Montage der Träger selbst wie beim Aufsetzen der Fahrräder zu 50 Prozent; Die Sicherheit der Trägersysteme auch bei Crash und in extremen Fahrsituationen zu 30 Prozent und die Gestaltung der Träger zu 20 Prozent.

In die Bewertung der Handhabung flossen ein: Bedienungsanleitung und Hinweise am Fahrradträger; Erstmontage, Montage und Demontage am Auto; Auf- und Abladen verschiedener Fahrräder, Sicherungssysteme für die Räder am Träger, Zugang zum Kofferraum und Reparaturfreundlichkeit des Trägers, z.B. der elektrischen Anschlüsse.

In Sachen Sicherheit wurden bewertet: Sicherheitshinweise auf dem Träger, wie über maximale Zuladung und Eigengewicht; die Ergebnisse des City Crash, ein Auffahrunfall mit 30 km/h; Verhalten der Träger bei Vollbremsungen aus 20 und 100 km/h, beim Überfahren einer ca. 15 cm hohen Schwelle mit Tempo 20 sowie bei plötzlichen Ausweichmanövern.

Unter der Testkategorie Gestaltung wurde dies bewertet: Lieferumfang, Ausstattung, Befestigungen, Erweiterungen und Abklappmechanismus; die Verarbeitungsqualiät,  die Minimierung der Verletzungsgefahr bei Trägermontage sowie Auf- und Abladen der Räder und wie viele und welche Fahrradarten transportiert werden können.

Das Gesamtergebnis: 5 Mal wurde GUT attestiert, 4 Mal BEFRIEDIGEND sowie 2 Mal AUSREICHEND. Dabei auffällig:  Der teuerste Träger im Test – Uebler i31, 700 € - ist der Testsieger, der günstigste – Bullwing SR3 plus, 215 € - der Testverlierer.

Neben dem Testsieger von Uebler - GUT in allen Testkategorien, das leichteste Produkt, was mehr Gewicht für die Fahrräder lässt, klappbar, leicht zu handhaben - schnitten mit GUT ab: Thule Velo Space XT 3 (517 €) mit der besten Teilnote in Sachen Sicherheit; Eufab Premium 3 (330 €); Bosal Treveller III und Yakima FoldClick 3 (600 € ).

4x BEFRIEDIGEND: Atera Strada Sport M3 (345 €) rutschte nur hauchdünn an GUT vorbei; Westfalia Bikelander  (662 €); Norauto ATU (350 € und Mft Backpower  (485 €).

2x AUSREICHEND: Menabo Alphard Plus (281 €) und Bullwing SR 3 plus (215 €).

Bei diesen beiden Produkten war die Erstmontage der Trägersysteme selbst alles andere als leicht und langwierig. Dazu kam: Keine vernünftige Kabelführung, baumelnd kann das Kabel leicht beschädigt werden. Und das recht geringe Beladungsgewicht der einzelnen Schienen.

Der Bullwing Träger enttäuschte zudem massiv beim Crashtest, mit einem Einschlag im Aufbau und zwei gebrochenen Haltearmen.

Tipps:

Generell sollte auch darauf geachtet werden, dass der Schienenabstand auf dem Träger mindestens 19 cm beträgt. Ist er kleiner, scheuern die Räder aneinander. Was gerade bei teuren Fahrrädern und E-Bikes auch ohne Crash zu teuren Schäden führt. Generell empfiehlt sich, eine wirksame Diebstahlssicherung für das Trägersystem wie die Räder zu haben. Eine abklappbare Variante des Systems lässt die Reisenden  unterwegs problemlos an den Kofferraum kommen.

Gerade beim Beladen von Trägern auf der Hängerkupplung ist es hilfreich, wenn sich die Haltearme nachträglich einfädeln lassen. Zum Befestigen der Räder am Rahmen sind Klemmsysteme mit Drehspanner leichter zu handhaben als mit Ratschensystemen. Mit einer Drehbewegung sind die Haltearme gespannt.

Um sich die mühevolle Erstmontage eines Kupplungsträgersystems zu sparen, bieten sich bereits montierte System an: Auspacken, anstecken; losfahren. Und für eine einfache Lagerung eignen sich besonders zusammenklappbare Systeme.   

Für die Sicherheit ganz wichtig: Die dem jeweiligen Auto zugestandene Stützlast darf nicht  überschritten werden – und das in der Summe von Trägergewicht und Gewicht der Fahrräder.

Beträgt die Stützlast 75 kg sind ein 25 kg Trägersystem und 3 Räder a 18 kg bereits zu viel. Besonders beim Transport schwerer E-Bikes ist zudem die Nutzlast der einzelnen Aufnahmeschienen zu beachten. Es sollten 30 kg sein, das Standardaufnahmegewicht von maximal 20 kg reicht hier nicht. Elektroautos und Plug-in Hybride dürfen auch mit einer Anhängerkupplung versehen werden, aber Achtung - einige nicht.

Eine Gewichtsregelung gilt auch für Dachträgersysteme, hier ist die Dachlast des Autos das Maß. Basisträger, Fahrradträger und Fahrräder dürfen diese zusammen nicht überschreiten, zum Beispiel die meistverbreitete Dachlast von 75 kg. Vom Transport schwerer E-Bikes auf dem Dach ist strikt abzuraten. Die bei einem Unfall dort wirkenden Fliehkräfte beschleunigen das Gewicht des ohnehin schweren Rades um ein Vielfaches. Es wird höchstwahrscheinlich selbst aus der sicheren Befestigung reißen und zusätzlich für schwere Schäden sorgen. E-Bikes gehören auf den Kupplungsträger, dort tun sie bei einem Crash am wenigsten weh.

Werden Dach- oder Stützlast überschritten, was im Unfallfalle die Gefahren und Schäden deutlich erhöht, bewerten dies die Versicherungen als fahrlässiges oder gar grobfahrlässiges Verhalten und die Versicherungsleistungen können minimiert werden oder völlig wegfallen bzw. in Haftpflicht droht Regressnahme.

Fahrradträger sind nur für den Fahrradtransport ausgelegt. Jedes andere Transportgut ist ausgeschlossen. Werden – wie schon geschehen – statt Fahrräder am Heck, dort ein zusammengefaltetes 50 kg Schlauchboot und der dazu gehörige  Motor transportiert, ist das artfremd, verstößt gegen die StVO/StVZO in Sachen Ladungssicherung und ist ein grob fahrlässiges Handeln mit bereits genannten Konsequenzen.

Wer mit einem Trägersystem auf der Hängerkupplung unterwegs ist, bietet weniger Luftwiderstand als auf dem Autodach. Der Kraftstoffmehrverbrauch liegt dort im Schnitt bei mindestens einem Liter/100 km, auf der Hängerkupplung ist es maximal die Hälfte. Egal, ob auf dem Dach, an der Hecktür oder auf der Hängerkupplung, stets sollte alles vom Rad während des Transportes abgebaut werden, was den drückenden Luftwiderstand erhöht und dann nur leicht befestigt auf Extratour gehen könnte ( Kindersitze, Gepäcktaschen, Luftpumpen etc.)

Als Höchstgeschwindigkeit mit Fahrradträgern am Auto empfiehlt sich maximal die Autobahnrichtgeschwindigkeit vom 130 km/h. Sind die Räder auf dem Dach sollte maximal Tempo 120 reichen.  Und: Auch wenn die Träger als besonders sicher gelten und die Räder fest mit dem Träger verbunden sind, nichts an Unsicherheit durch extreme Fahrweise provozieren, z.B. durch rasante Kurvenfahrten, unmotiviertes Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten.

Beitrag von Reinhard Rychlik