Kleingartenparzelle in Brandenburg, Foto: Jörg Pitschmann
Jörg Pitschmann
Bild: Jörg Pitschmann

Service - Geteiltes Gartenglück, doppelte Freude

Der Kampf um die Flächen wird besonders in Ballungsgebieten erbittert geführt. Wohnraum versus Erholungsraum. Im Moment gibt es in Berlin rund 70.000 Kleingärten, in ganz Brandenburg um die 60.000. Und es werden immer weniger. Wer eine eigene Parzelle will, der muss also bis zu 5 Jahre warten, vor allem in beliebten Bezirken. Die Alternative: den Garten teilen.

Immer älter werden sie, die Kleingärtner. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei 60 Jahren. Ein Problem für viele Kolonien, denn manch eine Parzelle kann nicht mehr so gut in Schuss gehalten werden. Gartenarbeit ist schließlich körperliche Arbeit. Gleichzeitig suchen gerade junge Familien händeringend nach mehr Grün in ihrem Leben – müssen aber teils Jahre auf einen eigenen Kleingarten warten. Die Internet-Plattform Datschlandia kann die Lösung sein: Sie ist ein kostenloses Angebot für Kleingärtner und Gartenlose, die für eine Saison zusammen kommen möchten. Jeder füllt ein Formular aus, gibt an, was er zu bieten hat, wie viel Zeit er hat und welcher Gartentyp er ist. Wenn zwei Profile gut zusammen passen, erhalten beide die Kontaktdaten des anderen – und das gegenseitige Beschnuppern kann beginnen.

Gärtner auf Probe
Und noch einen Vorteil hat das Kleingarten-Sharing: Garten-Neulinge können so austesten, ob ihre Garten-Liebe wirklich so groß ist, dass sie viel Zeit und Mühe investieren möchten. Wenn ja, kann aus dem Saisongärtner irgendwann ein richtiger Kleingärtner werden. Interessenten sollten sich zuerst direkt an die Bezirksverbände und Kleingartenvereine wenden. Es kann sich außerdem lohnen, verschiedene Kleinanzeigen-Portale zu checken, zum Beispiel Ebay-Kleinanzeigen. Schneller fündig wird, wer auch außerhalb des Zentrums sucht. Gerade Kolonien in Innenstadt-Nähe sind begehrt. In Brandenburg sieht es ebenfalls etwas besser aus. Abgesehen von Potsdam, müssen hier sogar manche Anlagen mangels Interesses geschlossen werden.

Kleingärtnern kostet
Das Gartenglück kann allerdings ganz schön ins Geld gehen, vor allem im ersten Jahr. Wer eine Parzelle übernehmen will, muss eine Ablösesumme zahlen, zum Beispiel für die Bäume und das Gartenhäuschen. Unter 3-4.000 Euro geht dabei meist nichts, je nach Zustand kann es weit mehr sein. Pro Jahr werden neben der Pacht noch Gebühren für die Infrastruktur, zum Beispiel für Wasser und Müll sowie die Gemeinschaftsanlagen fällig. Dann noch die Kosten für Anschaffungen, Renovierung und Pflanzen. So können im ersten Jahr schnell um die 7.000 Euro und mehr zusammen kommen.

Regeln beachten
Die Alternative auch für Sparfüchse: einfach beim Garten eines anderen mithelfen. Grundsätzlich ist es erlaubt, seinen Garten mit Freunden und Verwandten zu teilen. Sollte es sich um eine längerfristige Gartenfreundschaft handeln, sollte aber trotzdem der Kleingartenverein möglichst früh einbezogen werden, um keine Konflikte zu provozieren. Wichtig ist auch, dass kein Geld untereinander fließt. Pächter und verantwortlich für seinen Garten bleibt der Kleingärtner alleine. Generell ist das Bundeskleingartengesetz, die Bibel für Laubenpieper, allerdings weit weniger streng als viele denken. Die wichtigsten Regeln: Eine Parzelle darf maximal 400 Quadratmeter groß sein, die Gartenlaube max. 24 Quadratmeter. Dauerhaft wohnen darf man darin nicht. Ein Drittel der Fläche muss für sogenannte Gartenbauerzeugnisse, zum Beispiel für den Anbau von Gemüse und Obst, genutzt werden, ein Drittel als Ziergarten, zum Beispiel für Rosen und andere Blumen, und nur ein Drittel darf der puren Erholung dienen, zum Beispiel Rasen.

Beitrag von Christine Knospe