Service - So werden Geschwister zum Team

Bis zu sechsmal in der Stunde fliegen bei Geschwistern die Fetzen. In solchen Momenten ruhig zu bleiben, ist für Eltern alles andere als leicht. Im zibb-Service klären wir, wie man es schafft, aus Rivalen Teamplayer zu machen und was das Geheimnis für ein friedliches, harmonisches Familienleben ist.

Dass sich Geschwister streiten, scheint ein Naturgesetz zu sein und tatsächlich sind Geschwister aus Sicht der Evolution Rivalen, die um Nahrung und Sicherheit konkurrieren. Heutzutage ist es eher die Anerkennung und Liebe der Eltern, um die Geschwister rangeln. Das sollten Eltern immer im Hinterkopf haben: Sehr oft geht es bei Streits nur vordergründig um die blaue Lieblingstasse oder das Stofftier, erklärt Nicola Schmidt in ihrem Buch „Geschwister als Team – Ideen für eine starke Familie.“

Wann muss man als Eltern eingreifen?
Nicht jedes kleine Wortgefecht erfordert Eingreifen. Bei echten Interessenkonflikten (Streit um Spielzeug oder Fairness und Gerechtigkeit) sollten Eltern schon eingreifen, denn auch im Schulalter sind die Kinder noch zu klein, Streitereien allein zu lösen. Wenn die Eltern nicht eingreifen, hat das kleinere Kind das Nachsehen. Es begreift sehr schnell, dass es keine Chance gegen das große Kind hat. Damit wird in der Familie das Recht des Stärkeren zementiert, so Schmidt.

Viele Eltern versuchen erstmal, wie ein Detektiv herauszufinden, was passiert ist, wer angefangen hat und „Schuld“ hat und spielen dann den Richter. Das befeuert aber nur die Rivalität zwischen den Kindern und führt zu Frust, Wut und Rachegefühlen. Eltern sollten stattdessen lieber als Coach auftreten, der den Kindern dabei hilft, selbständig eine Lösung des Konfliktes zu finden. Nach dem Motto: „Mir ist egal, wer angefangen hat, wir sind hier nicht vor Gericht. Mich interessiert, wie wir diesen Nachmittag weiter friedlich verbringen können, damit es uns allen gut geht. Habt ihr eine Idee?“

Bei älteren Kindern (ab 6 Jahren) kann man schon versuchen, dass die Kinder  verstärkt selbst Lösungen finden. Dann verlässt man das Zimmer  mit den Worten „Ich gehe davon aus, dass ihr das hinkriegt…“ Wenn es gar nicht funktioniert, kann man die Lösung des Problems auch verschieben („Das kriegen wir heute Abend offensichtlich nicht mehr gelöst. Lasst es uns aufschreiben und morgen weiter drüber reden.“)

Der Entthronungsschock
Gerade für das Erstgeborene ist es oft sehr schwer, wenn ein kleines Geschwisterchen dazu kommt. Je nach Alter des Kindes sollte man es schon vor dem großen Ereignis schonend und altersgerecht darauf vorbereiten und neben der Mutter noch andere Bezugspersonen (Vater, Oma, Onkel) mit ins Boot holen, die sich dann in der ersten Zeit besonders intensiv um das Kind kümmern. Viel Exklusiv-Zeit mit dem Kind verbringen und ihm sagen „Du bist unser erstes Kind. Du bist zuerst zu uns gekommen  und das wird auch immer so bleiben.“

Schwierig wird es oft auch, wenn das jüngere Kind anfängt zu krabbeln und die sorgfältig aufgebauten Spielwelten des Älteren zerstört. Da können dann vom älteren Kind durchaus mal Hassgefühle aufkommen wie „Am liebsten würde ich …zum Fenster rausschmeißen“. Eltern sollten dann die Gefühle des Kindes spiegeln („Du bist wütend, weil Anna deinen schönen Turm zerstört hat.  Das verstehe ich, das ist wirklich ärgerlich. Weißt du, Anna ist noch sehr klein und beim Laufen unsicher. Im Moment ist es wirklich schwierig für dich, was?“ Wichtig: Das ältere Kind darf diese Gefühle haben, es sollte sie nicht verdrängen. Es darf sie zulassen und dann auch wieder loslassen. Exklusivzeit anbieten: „Weißt du was, heute Abend lese ich dir was vor, da sind nur du und ich“

Wie bleibt man ruhig?
Bei einem Streit etwa alle 10 Minuten, wie kann man da als Mutter (oder Vater) noch ruhig bleiben? Sich vor Augen halten: Evolutionär betrachtet ist es gar nicht vorgesehen, sich alleine um die Kinder zu kümmern. Bis vor einigen Generationen war es üblich, dass sich der ganze „Clan“ gemeinsam um die Erziehung gekümmert hat. Jetzt müssen viele Mütter und einige Väter das alleine schaffen und das geht natürlich an die Substanz. Deshalb ganz wichtig: Nachsichtig mit sich selbst sein; an sich denken, bewusst atmen, ein Glas Wasser trinken, kurz aus dem Zimmer gehen; genug essen…

Beitrag von Sina Krambeck