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Service - Wenn man das alte Familienhaus aufgeben muss

Was passiert mit dem Elternhaus, wenn die Eltern nicht mehr allein zurechtkommen? Wann ist es Zeit für sie, das geliebte Zuhause zu verlassen und im hohen Alter umzuziehen? In ihrem Buch „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ hat die Journalistin und Autorin Ursula Ott ihre Erfahrungen verarbeitet.

Ein Häuschen auf dem Land, weit ab vom nächsten Laden und der nächsten Arztpraxis. Treppenstufen, die den Alltag erschweren. Ein großes Grundstück, das der Pflege bedarf. Wenn die erwachsenen Kinder längst ausgezogen sind und sich weitab vom Elternhaus ein eigenes Leben aufgebaut haben, stellt sich die Frage: Was passiert mit den Eltern – und was mit dem Haus?

Behutsam miteinander umgehen
Die Zukunft der alt gewordenen Eltern und der Umgang mit dem Elternhaus ist ein heikles Thema, an dem schon so manche Familie zerbrochen ist. Umso wichtiger ist es, sich behutsam im gemeinsamen Gespräch einander zu nähern, offen zu sein für Vorschläge des Gegenübers und Kompromisse zu akzeptieren.

Im Fall der Autorin Ursula Ott kann sich die Mutter mit ihren beiden Töchtern auf einen Umzug auf Probe einigen: Während die Mutter es mit dem neuen Apartment für betreutes Wohnen versucht, halten ihr die Kinder die Möglichkeit offen, ins Haus zurückzukehren.

In der Vergangenheit aufräumen
Wenn feststeht, dass die Eltern ihr Haus verlassen und keines der Kinder das Elternhaus übernehmen wird, geht es ans große Aufräumen. Wohin mit der Schrankwand, der Nähmaschine, dem Puppenhaus, das Opa liebevoll schon für seine Kinder gebaut hatte? Wie reagieren auf Fundstücke aus vergangenen Zeiten, die Eltern oder Großeltern plötzlich in einem ganz anderen Licht dastehen lassen?

Ursula Ott zitiert in ihrem Buch die Empfehlung einer Psychologin. Deren Rat: „Bewusst durch das Elternhaus zu gehen und zu akzeptieren, was war.“ Zusätzlich sei es sinnvoll, die einzelnen Gegenstände einzusortieren: Woran hängt das eigene Herz? Und wobei schmerzt der Verlust am wenigsten? „Alles, was warm ist, nehmen Sie mit. Alles, was kalt ist, schauen Sie noch mal an. Dann kann es weg“, so der Rat der Expertin.

Einen neuen Platz für Dinge finden
Es muss nicht gleich alles in die Tonne, was man selbst nicht behalten möchte. Ursula Ott gibt in ihrem Buch auch ganz praktische Tipps, was man mit dem Angelzeug, der Briefmarkensammlung oder dem Diaprojektor machen kann. Oft freuen sich andere Menschen über die Möglichkeit, sich im Haus umzusehen und mitzunehmen, was gefällt. Kirchen und andere soziale Einrichtungen können manche Kleidung und Möbelstücke vermitteln, dazu gibt es Second-Hand-Läden, soziale Kaufhäuser und den Trödel um die Ecke.

Manches Stück hat vielleicht sogar das Zeug dazu, Teil zu werden in der Sammlung eines Archivs, etwa im Museum der Dinge in Berlin-Kreuzberg. Hier lagern etwa 40.000 Gegenstände des täglichen Bedarfs aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Immer wieder haben besondere Teile hier die Möglichkeit ein neues Zuhause zu finden – und geben dem ehemaligen Besitzer das gute Gefühl, nicht selbst alles aufbewahren zu müssen.

Im Gespräch:
Ursula Ott, Autorin und Journalistin, Chefredakteurin des Magazins "chrismon"


Beitrag von Alena Hecker