Service - Hinterbliebene nach Suizid

Jedes Jahr bringen sich in Deutschland etwa 10.000 Menschen um. Die Dunkelziffer liegt vermutlich weitaus höher. Am kommenden Sonntag (10.9.) ist der Welt-Suizid-Präventionstag, mit dem auf dieses Thema aufmerksam gemacht werden soll.

Für die Hinterbliebenen ist der Verlust eines geliebten Menschen durch Suizid besonders schlimm. Oft fühlen sie sich in ihrer Trauer alleingelassen und wissen nicht, an wen sie sich wenden können.

Neben die Trauer und den Schmerz über den Verlust treten noch andere Gefühle wie zum Beispiel Wut und Schuldgefühle. Viele Hinterbliebene fragen sich, ob sie den Suizid hätten erahnen oder verhindern können. Und oft steht über allem die große Frage nach dem "Warum?"

Hinzu kommt, dass das Thema in unserer Gesellschaft noch immer weitgehend tabuisiert wird. Obwohl Suizid in Deutschland die dritthäufigste Todesart ist, wird kaum darüber berichtet oder gesprochen. Zu groß ist offenbar die Sorge vor Nachahmungstaten. Doch das ist fatal. Viele Betroffene schämen sich für ihre Lebensmüdigkeit. Es fällt ihnen schwer, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Die Trauerbegleiterin Eva Terhorst aus Berlin unterstützt viele Hinterbliebene. Sie zeigt ihnen Wege, wie sie diese schwere Zeit bewältigen können und zum Beispiel mit ihren quälenden Selbstvorwürfen ("Warum habe ich nicht gemerkt, wie schlecht es meinem Angehörigen ging?") zurecht kommen können. In ihrem Buch "Ich konnte nichts für dich tun" schreibt Terhorst, dass Schuldgefühle zunächst durchaus Sinn haben. Denn nach dem plötzlichen Tod eines nahen Menschen durch Suizid stehe die Welt für die Angehörigen Kopf. Sie hätten das Gefühl, völlig die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren, der Boden werde ihnen unter den Füßen weggezogen. Deshalb sei es für das eigene innere Sicherheitsgefühl ganz wichtig, sich vorzumachen, man hätte dieses schlimme Ereignis verhindern können, wenn man nur genug aufgepasst hätte. Das helfe dabei, sich nach dieser Erschütterung wieder etwas zu stabilisieren. Insofern hätten Schuldgefühle eine wichtige Funktion im Trauerprozess.

Wer ist suizidgefährdet?

Viele Betroffene fragen sich  im Nachhinein: "Hätte ich es nicht voraussehen können?" Meist ist es schwierig bis unmöglich, einem Menschen, der sich zum Suizid entschlossen hat, etwas anzumerken. Häufig ist dieser Mensch sogar besonders gut drauf, sobald er seinen Entschluss gefasst hat. Das Umfeld denkt dann, der Person gehe es wieder besser. Dennoch kann es manchmal Warnhinweise geben. Zum Beispiel sollte man Äußerungen wie "So möchte ich nicht mehr weiterleben" immer ernst nehmen. Etwa 80 Prozent aller Suizide wird vorher angekündigt. Weitere Warnhinweise: Persönliche Dinge werden geordnet, Sachen verschenkt, Abos gekündigt; der Betroffene sieht sich nur noch als Belastung für andere; merkwürdige Entspanntheit oder Getriebensein; übertriebene Fröhlichkeit während einer Krise; auffallend schnelles und riskantes Autofahren.

Wo finden Hinterbliebene Hilfe?

Neben Trauerbegleitern und Therapeuten zum Beispiel in Selbsthilfegruppen, die man über das Internet (z.B. über die Seite AGUS e.V. "Angehörige um Suizid") oder auch über Kirchengemeinden findet. Auch die örtlichen Sozialpsychiatrischen Dienste, die meist beim Gesundheitsamt einer Stadt angesiedelt sind, bieten Betroffenen Hilfe in einer Krisensituation.

Die Krankenkassen verfügen über Listen mit Therapeuten in der Nähe. Trauer ist zwar keine psychische Erkrankung, dennoch befinden sich Betroffene in einer Ausnahmesituation, durch die sie selbst eine Depression oder Anpassungsstörung entwickeln können. Die Therapiekosten werden im Fall von Suizid in der Regel von allen Krankenkassen getragen.