"Kinder lachen ein weinendes Mädchen aus"; © Colourbox
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Service - Wird mein Kind gemobbt?

Der Fall schockierte die Berliner und Brandenburger: Ein 11-jähriges Mädchen soll sich nach jahrelangem Mobbing das Leben genommen haben. Ob wirklich ein Zusammenhang besteht, ist noch nicht geklärt. Die Polizei ermittelt. Doch eins ist klar: Jeder sechste Schüler ist von Mobbing betroffen. Viele Eltern fühlen sich hilflos. Denn: Viele Schüler machen ihre Nöte mit sich selbst aus.

Julius, Kai und Jan – drei Schüler der 12.Klasse des Berliner Canisius-Kollegs haben dem Mobbing an Schulen den Kampf angesagt. Sie haben eine Anti-Mobbing-App entwickelt und sie Exclamo genannt, was so viel heißt wie Aufschrei. Gerade läuft das Crowdfunding dafür. 15.000 Euro brauchen die Jungs. Den Social-Entrepreneur-Preis des Wettbewerbs Business@School haben sie bereits gewonnen, im März beginnt dann die Testphase, nach den Sommerferien soll sie für die Schulen verfügbar sein. Exclamo gibt Schülern die Möglichkeit, einen Lehrer ihres Vertrauens zunächst anonym über eine Chatfunktion anzuschreiben. Ziel ist es, dass die Schüler sich trauen, überhaupt etwas zu sagen – das kann durch Anonymität gewährleistet werden. Denn: Nur jeder dritte Fall von Mobbing wird überhaupt öffentlich.

Kinder trauen sich nicht

Anti-Mobbing-Trainer Walter Taglieber kennt das. Er arbeitet regelmäßig mit Schülern, Eltern und Schulen. Das Problem: Die Kinder wollen ihren Eltern keine Sorgen bereiten. Sie haben Schuldgefühle, dass sie in diese Lage gekommen sind. Sie schämen sich und sie haben Angst als Petze dazustehen. Außerdem können sie nicht glauben, dass man überhaupt was machen kann. Und genau hier setzt die App an. Der Lehrer, der sich der gemeldeten Fälle annimmt, zeigt Wege aus dem Mobbing auf und weckt Vertrauen.

Schule kann helfen

Denn man kann etwas tun gegen Mobbing – vor allem die Schule kann etwas tun. Eltern selbst sollten nicht direkt tätig werden, etwa den Täter oder die Eltern des Täters zur Rede stellen. Das verschlimmert die Situation für den Betroffenen oft nur. Wer wirklich etwas gegen das Mobbing unternehmen kann, ist die Schule. Und die sollten Eltern einschalten. Denn: Mobbing ist immer ein Prozess. Und immer ist die ganze Gruppe (z.B. eine Klasse beteiligt). Es gibt den Täter, die Helfer und die Möglichmacher. Gewöhnliche Konflikte entstehen und vergehen. Bei Mobbing wiederholt sich eine Feindseligkeit, meistens gegenüber einem einzelnen Kind, es entsteht ein Dauerkonflikt. Einmalige, auch mehrmalige Unverschämtheiten sind noch kein Mobbing. Es muss das Systematische dazu kommen und die Dauer.

Eltern sollten ihr Kind allerdings im Blick behalten. Wirkt es unglücklich, zeigt unerwartete Stimmungswechsel, kommt mit kaputten Sachen oder Arbeitsmaterialien nach Hause, lädt keine Klassenkameraden ein und verbringt auch keine Zeit mit ihnen, geht widerwillig zur Schule, hat oft Kopf- und/oder Magenschmerzen (v.a. morgens) – dann sollten Eltern stutzig werden und das Kind darauf ansprechen.