Zwei Frauen schauen aus dem Winkefenster, Quelle: rbb
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Service - Allein im Heim - das muss nicht sein

Seit Ende März sind Besuche in Altenpflegeheimen in der Regel verboten. Denn Pflegeheime gehören zu den gefährdetsten Einrichtungen in der Corona-Krise. Besuchsmöglichkeiten gibt es nur noch in absoluten Ausnahmefällen, etwa bei Sterbebegleitung. Wie halte ich Kontakt, ohne direkten Kontakt? 

Der Geschäftsführer der Seniorenresidenz Heilig Geist in Potsdam, Hendrik Bössenrodt, ist sich sicher: das geht. Seit der Verordnung arbeitet er an Möglichkeiten und hat nun in seiner Pflegeeinrichtung die Videotelefonie via Skype eingeführt. Nach einigen Probedurchläufen lautet sein Fazit: "Das klappt sehr gut und es ist schön die Freude auf beiden Seiten des Tablets zu sehen."

In der Pflegeeinrichtung stehen für diese Art von Gespräche ein Tablet zur Verfügung und die PflegerInnen unterstützen die BewohnerInnen während des Anrufs. Einmal die Woche werden Videotelefonie-Termine vereinbart, die Angehörigen können sich in Listen eintragen, so können die Anrufe besser organisiert werden. Nun ist die Videotelefonie nicht jedermanns Sache. 

Persönliche Post

Ein Brief zu erhalten ist immer schön und löst bei den Bewohner*Innen im Heim ganz besondere Gefühle aus. Der Geschäftsführer der Heilig Geist Residenz in Potsdam erklärt das so: 

„Also für die Bewohner ist natürlich ein Brief das, was sie aus ihrer Jugend kennen. Das weckt bei den Bewohnern Erinnerungen, weil sie wie in eine alte Zeit versetzt werden und sie sich wirklich sehr, sehr freuen.“

Wenn der Bewohner nicht mehr in der Lage ist den Brief selber zu lesen, unterstützen die PflegerInnen indem sie die Zeilen laut vorlesen.

Das Risiko, dass sie mit ihrem Brief oder ihrer Karte das Virus übertragen ist sehr gering. Zur Sicherheit sollten sie sich aber vor dem Anfertigen der Briefe und Päckchen gründlich die Hände waschen. Wer gerne schreibt kann ruhig ausführlich schreiben. Lassen sie ihre Angehörigen an ihrem Alltag teilhaben. Berichten sie über etwas das sie die Tage erlebt haben. Wie sieht ihr Garten aus? Gibt es Pläne für das Wochenende? Teilen sie positive Gedanken und nutzen sie die Gelegenheit, um liebe Worte zu verschicken: Schön, dass es dich gibt. 

Persönlicher Gegenstand

Es muss nicht immer ein ausführlicher Brief sein. Auch ein selbstgemaltes Bild der Enkel kann viel Freude auslösen. Oder wie wäre es mit einer CD mit Musik vom Lieblingssänger? Auch Fotos, ein Blumenstrauß oder Blumensamen können an der Rezeption abgegeben werden. Wenn der Angehörige im Heim einen Balkon hat, kann er die Blumensamen einpflanzen und sich jeden Tag daran erfreuen. Vielleicht wollen sie ihrem Angehörigen den Lieblingskuchen vorbeibringen, auch das ist möglich, sollte aber vorab mit den Pflegekräften besprochen werden. 

 

Besuch mit Abstand

Viele Pflegeheime ermöglichen Besuche ohne direkten Kontakt. Etwa über den Balkon, oder ein Fenster. So können Angehörige und BewohnerInnen den nötigen Abstand einhalten und haben trotzdem die Chance sich zu sehen. 

Unternehmen sie doch einen Spaziergang zum Heim. Manche Einrichtungen haben inzwischen sogar eine Art Winkefenster eingerichtet. Wenn Sie in Sichtweite sind, schicken sie doch einfach mal ein Lächeln und vielleicht nehmen sie sogar das Enkelkind und den Hund mit.

Wenn möglich, kündigen sie ihren Besuch vorab an. Ihre Angehörigen können durch das Gefühl der Vorfreude viel Energie schöpfen.

Elektronische Post

Ist ihr Angehöriger im Internet unterwegs? Dann könnten sie hin und wieder eine E-Mail senden. Diese ist schnell geschrieben und kommt sofort an.

Beteiligen sie ihre Angehörigen am Alltag. Fragen sie sie nach der Meinung und den Wünschen. Wie findest du das? Hast du einen Vorschlag? So entsteht schnell eine Art Gespräch und der Angehörige nimmt am Geschehen mit teil. Wer Zeit hat, kann auch einen Anhang mit Foto oder Video einfügen und so wird aus einer E-Mail ganz schnell ein lebendiger Gruß. 

Ein Telefongespräch

Vereinbaren Sie feste Zeiten für das Gespräch. Das strukturiert den Tag des Heimbewohners, er kann sich auf etwas Schönes freuen. Hat Ihr Angehöriger kein Telefon auf dem Zimmer, hinterlassen Sie Ihre Telefonnummer an der Rezeption mit der Bitte um Rückruf.

Gemeinsame Aktion

Es gibt zahlreiche, ehrenamtliche Aktionen die draußen vor den Toren, im Innenhof, oder vor den Balkonen der Pflegeeinrichtungen stattfinden. Diese reichen von komödiantischen bis hin zu musikalischen Vorstellungen. Vielleicht haben sie Lust selber so etwas auf die Beine zu stellen? Dabei lohnt es sich mit ehrenamtlichen Helfern in Kontakt zu treten. Fragen sie bei Ihrer Gemeinde nach, ob es solche Angebote gibt.

Wichtig bei alledem ist, dass sie mit den Zuständigen des Pflegeheims sprechen. Nur mit einer offenen Kommunikation kann diese schwierige Zeit überwunden werden. 

Hendrik Bössenrodt, Geschäftsführer der Seniorenresidenz Heilig Geist in Potsdam, setzt auf diesen wertvollen Austausch: „Transparenz ist ganz wichtig, weil es Vertrauen auf beiden Seiten schafft. Es ist wichtig, dass unsere Angehörigen wissen was wir machen und wie es den Bewohnern geht.“

Immerhin wollen wir doch alle das Gleiche: unsere Liebsten im Heim schützen und diejenigen die sich tagtäglich um sie kümmern.