Zwei Kinder streiten sich (Quelle: Colourbox)
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Service - Im Stresstest: Jugendliche und Corona

Leere Spiel- und Sportplätze, keine Kita oder Schule – zuhause bleiben ist angesagt. Für Kinder und Jugendliche keine leichte Zeit. Sie können ihre Freunde und Großeltern nicht treffen, haben kaum mehr Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Langeweile, aber auch Ängste können jetzt entstehen.

Kinder und Jugendliche sind zwar nach derzeitigem Stand weniger durch das Corona-Virus gefährdet, jedoch haben gerade sie besonders unter den Restriktionen zu leiden. Und mehr noch, Jugendlichen wurde der Vorwurf gemacht, sie würden die Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus nicht ernst genug nehmen und damit zu dessen Verbreitung beitragen. Jakob Hein, Kinder- und Jugendpsychiater aus Berlin, wirbt für Verständnis für diese Altersgruppe. Man dürfe nicht vergessen, dass Jugendliche gerade mitten in der Pubertät steckten – eine besondere Phase im Leben, in der es um Autonomie gehe.

Corona & Pubertät – eine toxische Kombination
Der Grundkonflikt, den sie in der Pubertät mit ihren Eltern austragen, wird laut Hein durch die Corona-Krise noch verstärkt. Denn die Eltern seien es ja, die die Restriktionen gegenüber ihren Kindern vertreten müssten. Dies widerspreche der Entwicklungssituation der Jugendlichen.

Und deshalb verwundert es nicht, dass sie dagegen aufbegehren – nicht selten heftig. Während der Pubertät herrscht in ihrem Gehirn Chaos. Denn: Die Zellen für Gefühle entwickeln sich schneller als die für Kontrolle. Alles ganz normal also. Erst einmal sei es wichtig, Verständnis zu haben und den Jugendlichen ernst zu nehmen, so der Experte. Am besten sollten Regeln gemeinsam besprochen und festgelegt werden. Beispielsweise könnte man Deals eingehen, wie eine nicht ganz so streng reglementierte Internet- und Bildschirm-Zeit. Oder man könnte aushandeln, dass sich der Jugendliche mit maximal einem oder zwei Freunden treffen darf – und zwar nur draußen und mit Abstand.

Kindern Alternativen zu Handy & Co anbieten
Bei jüngeren Kindern stehen andere Probleme im Fokus. Für sie ist es besonders hart, keinen Kontakt zu ihren Großeltern zu haben. Und sie spüren, dass die Eltern sich Sorgen machen. Wichtig sei es, nicht in Geheimniskrämerei zu verfallen, so Jakob Hein. Damit erreiche man eher das Gegenteil. Sein Rat: Lieber offen, aber kindgerecht mit dem Thema umgehen. Also zum Beispiel kindgerecht erklären, was es mit dieser neuartigen Krankheit auf sich hat und warum nun alle zuhause bleiben sollen. Das Thema Bildschirm-Zeit ist auch in normalen Zeiten ein häufiges Konfliktthema in Familien. Der Experte rät, nichts zu verbieten, ohne eine Alternative anzubieten. Wichtig sei es, sich gute Beschäftigungsmöglichkeiten fürs Kind zu überlegen. „Nur Nein sagen allein, reicht nicht“, so Jakob Hein. Und: Wer selbst ständig am Handy hänge, sollte von seinen Kindern nicht erwarten, es besser zu machen.

Tipps für Familien
Um als Familie gut durch diese schwierige Zeit zu kommen, dabei können ganz konkret folgende Tipps helfen:

- Wochenplan machen
- Rückzugsorte und -momente für jeden schaffen
- Häufige Telefonate mit Freunden und Großeltern führen
- Regeln für Medien-Konsum aufstellen
- Erlebnisberichte oder Tagebuch schreiben

Im Gespräch: Jakob Hein, Jugendpsychologe

Beitrag von Christine Knospe