Frau löscht Feuer am Herd, Foto: imago images/Andrey Popov
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Was tun, wenn es brennt? - Feuer löschen im Haushalt

Etwa 600 Brände soll es in Deutschland täglich in Haushalten geben. Dabei kommt es dann auf jede Sekunde an, um ein sich ausbreitendes Feuer möglichst im Keim sofort zu ersticken um Schlimmeres zu verhindern. Doch wie macht man das – und womit? Unser Experte weiß Rat.

Ein defektes Elektrogerät, eine unbeaufsichtigte Kerze – schnell ist es passiert, und Flammen schlagen hoch. Schätzungsweise alle 2-3 Minuten entzündet sich irgendwo in Deutschland ein Wohnungsbrand. Frühzeitiger und richtiger Einsatz von Feuerlöschern kann dann Leben retten und Sachschäden verringern. Aber wie und womit löscht man am besten? Christian Schulz, Bereichsleiter für Gefahrenvorbeugung und Katastrophenschutz bei der Feuerwache Potsdam erklärt es.

Wann kann man überhaupt selbst löschen?
Die Feuerwehr spricht von sogenannten Entstehungsbränden, also Brände, die noch klein und ganz am Anfang sind, noch keine starke Rauchentwicklung haben. Solche kann man versuchen, selbst zu löschen. Ist das Feuer größer und mit starker Rauchentwicklung verbunden, sollte man die Feuerwehr rufen. Denn die Rauchentwicklung kann für den Menschen schnell gefährlicher als das eigentliche Feuer werden (Rauchgasvergiftung). Auch wenn man sich unsicher ist, sollte man lieber die Feuerwehr rufen.

Womit kann man löschen?
Das kommt ganz auf das Brandgut an: handelt es sich um feste Stoffe, um brennbare Flüssigkeiten oder um Gase? Danach entscheidet sich, zu welchem Löschmittel man greift. Die Löschmittel/Feuerlöscher sind gekennzeichnet mit Brandklassen.

Was bedeuten die Brandklassen?
A steht z.B. für feste Stoffe, B für brennbare Flüssigkeiten, wie Benzin, C für Gase, wie Propangas. Wichtig ist auch noch die Brandklasse F für Fettbrände. Einige Löscher sind für mehrere Brandklassen geeignet (z.B. ABC oder ABF).

Wo bekommt man Feuerlöscher und wie viel kosten sie?
Beispielsweise in Baumärkten aber auch im Fachhandel. Es gibt wartungsfreie, wiederbefüllbare aber auch Sprays für den einmaligen Gebrauch. Außerdem gibt es sie mit unterschiedlich großem Volumen und Füllungen (z.B. Wasser, Schaum oder Pulver).

Das Volumen geht von 600ml bis zu 12 Kilo. Einige Experten raten zu einem Sechs-Kilo-Löscher, da er eine genügend große Löschreserve hat, auch für den Fall von Rückentzündungen.

Sechs-Kilo-Löscher sind allerdings nicht mehr ganz handlich, und manchmal ist es auch sinnvoll, ein Feuer von zwei Seiten bzw. mit zwei Löschern gleichzeitig anzugreifen.

Günstige kleine Löscher für zu Hause gibt es schon ab etwa 20,00 EUR. Größere wiedernachfüllbare Modelle können auch 100,00 EUR kosten. Die Löscher sollten von einer anerkannten Prüfstelle zertifiziert sein.

Dauerdrucklöscher und Aufladelöscher
Bei den sogenannten Dauerdrucklöschern ist das Löschmittel zusammen mit dem Druckmittel in einem Behälter untergebracht. Diese Löscher sind sofort einsatzbereit, stehen ständig unter Druck. Sie sind in der Regel preiswerter, handlicher und einfacher in der Anwendung. Dafür ist ihre Haltbarkeit oft begrenzt.

Am Gerät ist ein Manometer zur Überprüfung des Drucks, hier kann man sehen, ob der Druck ausreichend, zu niedrig oder gar zu hoch ist. Bei den Aufladelöschern wird das Druckmittel hingegen in einem gesonderten Behältnis am Löscher gespeichert und erst beim Einsatz mit dem Löschmittel vermischt. Diese Löscher sind oft haltbarer.

Schaumlöscher
Schaumlöscher der Brandklasse A und B sind gut zum Löschen von Bränden mit festen Stoffen und brennbaren Flüssigkeiten geeignet. Der Schaum deckt das Brandgut schnell und zuverlässig zu, so dass es kein erneutes Entzünden mehr gibt.

Pulverlöscher
Unser Experte meint: Sie haben das breiteste Einsatzspektrum (A,B,C). Diese Löscher sind also für Brände mit festen Stoffen, mit Flüssigkeiten und Gasen zu verwenden. Und trotzdem sind sie für die Wohnung nur bedingt zu empfehlen. Die Sicht ist durch das Pulver in geschlossenen Räumen schnell eingeschränkt und auch das Atmen kann beeinträchtigt sein, so der Experte.

Außerdem ist das feine Löschpulver zwar effektiv, es legt sich aber über alles und ist nur schwer zu entfernen, so dass es zu Löschfolgeschäden kommen kann, gerade bei empfindlichen elektronischen Geräten. Pulverlöscher sind also eher etwas für Garagen, Kellerräume oder Außenbereich.

CO2-Löscher
Überall, wo es viel Elektronik gibt, also z.B. an Bühnen, in Serverräumen usw. kann ein CO2-Löscher zum Einsatz kommen. Er löscht, ohne die Geräte zu beschädigen. Für die Wohnung ist er nicht die erste Wahl. Zu beachten ist, dass CO2 schwerer ist als Luft, dadurch kann es gerade in kleinen, engen unbelüfteten Räumen zum Ersticken der löschenden Person kommen.

Löschsprays
Seit einiger Zeit sind Löschsprays auf dem Markt. Meist sind sie für die Brandklassen A,B und F geeignet. Ihre Vorteile: Sie sind klein, handlich, sehr einfach in der Anwendung, effektiv bei kleinen Bränden und preisgünstig. Sie sind allerdings nur begrenzt haltbar und müssen nach Ablauf ordnungsgemäß entsorgt werden. Außerdem haben sie nur ein geringes Löschvolumen, eignen sich also nur für kleine Entstehungsbrände. Gerade in der Küche können sie aber aufgrund der Fettbrandklasse nützlich sein.

Löschdecken
Sie sind aus einem besonderen Material, es gibt sie in verschiedenen Größen, sie sind für kleine Entstehungsbrände gedacht und löschen, indem sie das Feuer zum Ersticken bringen. Dafür muss sich die Löschperson aber dem Feuer sehr nähern und das Brandgut tatsächlich gut umschließen. Unser Experte empfiehlt Löschdecken nicht: zu schwierig sei die richtige Anwendung für Ungeübte. Bei Fettbränden kann es durch Decken u.U. zum "Dochteffekt" kommen. Und auch das Löschen mit der Decke von brennenden Personen sei nicht einfach: Macht man es falsch, kommt es zum "Kamineffekt" und führt zu noch größeren Schäden. Personen besser mit Feuerlöschern löschen, dabei möglichst nicht ins Gesicht.

Wie Feuer löschen?
Den Feuerlöscher nehmen, prüfen, ob er für den Brand geeignet ist (Brandklasse). Auf den Boden stellen, entsichern (oft muss ein Splint gezogen werden), fest greifen, sich dem Feuer nähern, immer mit dem Wind/Luftzug. Das Feuer löschen, den Strahl immer direkt auf das Brandgut richten, nicht in die Flammen. Dabei einen Sicherheitsabstand halten, etwa einen Meter.

Das gelöschte Feuer beobachten wegen evtl. Wiederentzündung. Gegebenenfalls wegen der Rauchentwicklung nach dem Löschen lüften. Falls man sicher gehen will, ob alles gelöscht ist oder wegen der Rauchentwicklung: die Feuerwehr rufen. Das ist in Ordnung, darauf macht unser Experte noch einmal aufmerksam. Die Feuerwehr kommt auch zur Kontrolle. Das benutzte Gerät zur Seite stellen und nicht wieder in die Halterung, sondern aufladen oder entsorgen.

Brand elektrischer Geräte
Wenn möglich, vor dem Löschen den Stecker ziehen, ansonsten unbedingt Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten, um Stromschlag durch das Löschmittel zu verhindern.

Fettbrände
Fett und Öl kann sich selbst entzünden, wenn es heiß genug ist. Es benötigt keine Feuerquelle. Also niemals Pfanne unbeaufsichtigt und ohne Bratgut länger erhitzen. Falls das Öl in der Pfanne anfängt zu rauchen, Pfanne sofort von der Herdplatte nehmen und abkühlen lassen. Falls sich das Fett schon selbst entzündet hat: auf keinen Fall mit Wasser löschen. Sonst gibt es eine gefährliche Fettbrandexplosion. Weil das Wasser explosionsartig verdampft und dabei das brennende Öl mit sich reißt.

Unser Experte meint: Das effektivste ist, die Flammen mit einem passenden Deckel zu ersticken, den Topf dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Deckel lange drauflassen, um ein Wiederentzünden zu verhindern.

Fettbrände nicht mit Decken oder Löschdecken löschen, das sei zu gefährlich, meint er. Spezielle Fettbrandlöscher der Brandklasse F eigenen sich auch gut. In unserem Fall hat das Löschen auch mit einem kleinen Löschspray Klasse A,B, F funktioniert.

Geräte Überprüfung
Hat man einen Feuerlöscher zu Hause, ist es wichtig, sich vor dem Einsatz in Ruhe mit dem Gerät vertraut zu machen und eine gut zugängliche Stelle für die Aufbewahrung des Geräts zu finden. Außerdem sollten die Löscher regelmäßig überprüft werden, auch, ob noch genügend Druck vorhanden ist. Die Wartung und das Ersetzen benutzter oder abgelaufener Geräte sind äußerst wichtig. Denn der beste Feuerlöscher nützt nichts, wenn er im Ernstfall nicht funktioniert.

Beitrag von Susanne Stein