Mann und Frau sitzen an einem Tisch, Foto: imago/Patrick Mac Sean
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Bild: imago/Patrick Mac Sean

Wie wir achtsam miteinander umgehen, wenn die Liebe endet - Glücklich getrennt

Helene Fischer und Florian Silbereisen haben es offenbar geschafft: die glückliche und respektvolle Trennung. Viele Paare scheitern aber gerade daran. Wie das, was einmal liebevoll begann, auch respektvoll beendet werden kann, wollen wir in unserem Service klären.

Etwa 38% aller Ehen in Deutschland werden geschieden. Wie viele Langzeitbeziehungen ohne Trauschein jedes Jahr in die Brüche gehen, darüber gibt es keine Erhebungen.

Kein Wunder, denn das Leben in einer langen festen Beziehung ist ein fortwährendes Paradoxon, obwohl sich fast alle Menschen danach sehen. Das Paradoxon, so Nadja von Saldern, besteht aus widersprüchlichen Bedürfnissen, die wir haben:

Einerseits suchen wir den Menschen, mit dem wir unser Leben teilen und gestalten. Wir suchen einen Menschen, dem wir vertrauen, zu dem wir uneingeschränkte Nähe empfinden und aufbauen. Andererseits wollen wir autonom, frei und unabhängig und auch offen für andere Menschen sein. Meist überwiegt der Wunsch nach Zweisamkeit und der Sehnsucht nach einer Familie, und dennoch fühlen sich Partner eingeengt, was dann negativ, mit Schuldzuweisungen auf den Partner projiziert wird.

Problemlage

Oft sind es Kommunikationsprobleme zwischen den Partnern, die für Missverständnisse und daher Streit sorgen. Zudem entwickeln sich mitunter Partner in unterschiedliche Richtungen weiter, zumindest dann, wenn sie keine nach außen "abgeschottete" Beziehung führen. Das birgt Konfliktstoff. Oft sind Beziehungen auch emotional aufgeladen, durch frühere Verletzungen oder empfundenen Liebes- oder Aufrmerksamkeitsmangel, was die sachliche Kommunikation erschwert.

Ein weiterer Faktor für das Scheitern von Beziehungen und Ehen sind hohe oder unrealistische Erwartungen, wie etwa, dass der andere den Partner glücklich machen soll. Oder dass die anfängliche Aufmerksamkeit, der häufige leidenschaftliche Sex über viele Jahre unverändert blieben.

Defizite in einer Partnerschaft werden dann oft dem anderen als Unzulänglichkeit untergeschoben. Dennoch fällt den meisten Menschen eine Trennung sehr schwer. Schließlich stellt sie das gesamte Lebenskonzept auf den Kopf. Hinzu kommen gemeinsame Kinder, finanzielle, ökonomische Verbindungen, die aufgelöst werden müssen, gemeinsame Freundes-und Bekanntenkreise.

Oft wird die Trennung ausgelöst durch eine dritte Person: eine Person hat eine Affäre oder die andere hat sich verliebt. Problematisch ist dies immer für die Person, die dann unfreiwillig "getrennt wird". Oft kommt es aus dem Gefühl von Verletzung zu negativen Reaktionen, Streit, Hass, Ohnmacht aber auch zum Rosenkrieg.

Rat

Für eine Scheidung bedarf es keiner Anwälte, wenn die Parteien miteinander reden können und wollen. Hierzu können auch Mediatoren hinzu gezogen werden. Das Einschalten von Anwälten führt häufig zur Eskalation der Eheparteien. Schließlich verdienen Anwälte an langen Scheidungsverfahren und schießen manchmal über das Ziel hinaus. Im Sinne aller Beteiligten, insbesondere, wenn Kinder im Spiel sind, sollten finanzielle und Sorgerechtsangelegenheiten gütlich, mit einem gemeinsamen Anwalt oder Notar geklärt werden. Das erspart beiden Geld und viel böses Blut, welches durch gerichtliche Verfahren entsteht.

Buchautorin Nadja von Saldern rät zu einem solchen Weg. Sie hat als Rechtsanwältin gearbeitet, bevor sie sich als Paartherapeutin und Mediatorin ausbilden ließ. Seit 2011 betreibt sie mit ihrem Ehemann eine Praxis für Paartherapie und Scheidungsmediation in Berlin und Potsdam. Heute ist sie eine gefragte Expertin zum Thema Trennung. Sie lebt mit ihrer Familie in Potsdam.

Beitrag von Ute Müller-Schlomka