Themenbild: Geld, Foto: colourbox
www.colourbox.de
Bild: www.colourbox.de

Service - Geld anlegen in Zeiten von Corona

Die Aktienmärkte spielen verrückt, die Wirtschaft steht vor einer großen Herausforderung, denn der Schaden ist noch lange nicht absehbar. Ist privat angelegtes Geld sicher? Worauf sollte man jetzt achten? Unser zibb-Finanzexperte Hermann-Josef Tennhagen gibt Tipps.

Die Corona-Ausbreitung hat alle Wachstumsprognosen in wenigen Tagen über den Haufen geworfen. Von Konjunktur ist keine Rede mehr. Die Börsen beben, die Staaten schnüren Hilfspakete.
Die nächste Krise scheint im Anmarsch.
Davon gehen Wirtschaftsfachleute und Finanzexperten aus. Einige sind sogar der Meinung, sie falle schwerer aus, als die letzte von 2007/2008. Vermutet wird hierzulande ein Rückgang des Wirtschaftswachstums um bis zu 5 Prozent. Noch kann niemand genau sagen, was das für Auswirkungen nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt hat, denn der Staat muss erneut mit gigantischen Summen einspringen, um ganze Branchen zu retten. Und das bei einer hohen Staatsverschuldung. Man sollte sich schon auf einige Turbulenzen einstellen. Was bedeutet das für unsere Spargroschen? Ist Gold jetzt eine sichere Bank und sollte man seine Aktien besser schnell verkaufen? Auf diese und andere Fragen antwortet Hermann-Josef Tenhagen vom online Verbrachermagazin "Finanztip".
Sparguthaben sind im Krisenfall geschützt. Die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung reicht bis 100 000 Euro. Die Konten, egal ob Tages- oder Festgeld, werfen aber nur äußerst geringe Zinserträge ab. Die Folge der letzten Finanzkrise. Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, im Ernstfall erneut an der Zinsschraube zu drehen, um ihn noch weiter in den Negativbereich zu drücken. Dadurch können dann auch die Jahreszinsen auf Sparkonten sinken. Aber viele Banken oder Kreditinstitute sind ohnehin schon im Nullbereich angekommen. Man wird sehen, ob Negativzinsen dann auch auf Sparer zukommen, wie es ja schon oft angekündigt worden ist.
Die Börsen haben in den letzten Tagen gewaltige Erschütterungen erlebt. Auch der Deutsche Aktienindex.
Jetzt sind starke Nerven gefragt. Wer spekuliert, muss mit Verlusten rechnen. Die sind in diesem Fall besonders stark. Von Verkauf kann zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine Rede mehr sein. Besser abwarten, denn die Zeiten ändern sich wieder und das schneller, als man derzeit glaubt. Da muss man nur an die letzte Finanzkrise denken. Danach erlebten die Börsen ein regelrechtes Finanz-Feuerwerk. Die meisten haben ja sowieso in Aktienfonds investiert, also nicht nur auf ein Wertpapier gesetzt. Da fangen starke Papiere schwache schneller ab, die Verluste bleiben überschaubar.
Die Aktienpreise sind derzeit günstig.
Keiner weiß, wie schnell sich die Wirtschaft erholt. Da kann man eben nur spekulieren. Das ist das Spiel an der Börse. Wir von Finanztip gehen davon aus, dass der Aktienmarkt schon noch mehrere Monate schwächeln wird. Klar ist aber auch: Man kann in einer Krise sehr viel Geld verdienen. Wenn man die Nerven dafür hat.
Die Staaten brauchen Geld und vergeben Anleihen.  Wäre das eine sichere Anlage?
Mit steigendem Wert sinkt deren Zinsertrag. Als sichere Geldanlage dienen sie dennoch, weil man davon ausgehen kann, dass Staaten nicht pleitegehen, die Papiere also ihren Wert behalten. Wer Staatsanleihen in einem Rentenfonds hat, kann damit finanzielle Schwankungen auffangen.
Gold klingt immer verlockend, doch auch dieses Edelmetall ist nicht immer eine Empfehlung.
Jetzt, in unsicheren Zeiten, ist es nicht gerade preiswert. Wer kauft, kann also in einigen Monaten Verluste einfahren, denn auch der Goldpreis schwankt. Geht es mit der Wirtschaft wieder bergauf, kann sein Wert abrutschen, da es andere lukrative Anlagemöglichkeiten gibt. Außerdem sind die Preisschwankungen beim Gold hektischer als bei Aktien. Wer Gold besitzt und jetzt Geld braucht, der sollte die Gunst der Stunde nutzen.
Solange alles läuft, wie geschmiert, sind auch die Renten sicher. Aber was jetzt,?
Ältere Menschen sind in dieser Zeit besonders gefährdet. Aber auf ihre finanzielle Situation trifft das nicht zu. Da sich die Renten an die wirtschaftliche Entwicklung orientieren und nicht vom Börsenkursen abhängen, bleiben sie stabil und ihre Auszahlung in voller Höhe wird staatlich garantiert. Sie werden sogar im Sommer steigen, wie das Bundessozialministerium jetzt mitgeteilt hat. Im Westen um 3,45 Prozent, in den neuen
Ländern um 4,20 Prozent. Damit wachsen sie noch etwas stärker als zunächst vorhergesagt.
Wer seine Rente erst noch erarbeiten muss, braucht ebenfalls keine Abstriche zu befürchten. Weder die staatliche Förderung, noch Altersvorsorgeverträge werden größere Probleme erleiden, da sie nicht oder nur wenig an den Aktienhandel gekoppelt sind.
Auch mit der Urlaubsplanung sieht es derzeit nicht gut aus. Viele Reisen müssen abgesagt werden.
Wer selbst sein Hotel oder Ausflüge gebucht hat, muss sich dann auch selbst kümmern. Wenn die Reise ins Ausland gehen sollte, wird es nicht leicht, da für Stornierungen die Gesetze der jeweiligen Staaten gelten. Im Inland müssen sich die Betroffenen ebenfalls an die Anbieter wenden, hier ist aber klar geregelt, dass eine Unterkunft oder andere Angebote nur bezahlt werden müssen, wenn sie auch genutzt werden können. Im Falle von Ausgangssperren oder Schließungen von Hotels ist das dann ja nicht möglich.
Wie storniert man Pauschalreisen?
Hier spielen die Sicherheitshinweise des Auswertigen Amtes eine wichtige Rolle. Wer in eine Region reist, für die eine Reisewarnung herausgegeben wurde, kann seine Reise kostenlos stornieren lassen. Die Reiseveranstalter reagieren in solchen Fällen in der Regel kulant. Gebühren dafür sollten nicht anfallen. Wenn doch, helfen Verbraucherzentralen oder für das EU-Ausland das Europäische Verbraucherzentrum.
Eine Reiserücktrittsversicherung hilft nur, wenn Sie vor der Reise einen persönlichen Schaden erleiden und deshalb die Reisen nicht antreten können. Aber in diesem Fall ist das ja anders. Da liegt das Problem im Urlaubsgebiet. Sollte jedoch der Betroffene plötzlich an dem Coronavirus erkranken, müsste die Versicherung den Verlust begleichen, sofern eine ärztliche Bescheinigung das bestätigt. Übrigens sind Pandemien bei vielen Versicherungen nicht im Vertrag enthalten.  
Bahnen oder Fluggesellschaften bieten kostenlose und unproblematische Umbuchungen an. Flüge, die jetzt ausfallen, können dann in diesem Jahr zu einem späteren Zeitpunkt unternommen werden. Außerdem regelt die Fluggastrechteverordnung, das Passagiere bei Einreisebeschränkungen kostenlos umbuchen können oder ihr Geld zurückbekommen.
Auch die Deutsche Bahn hat schnell reagiert. Dürfen sie bestimmte Regionen nicht mehr aufsuchen oder finden dort geplante Veranstaltungen nicht mehr statt, bekommen sie den Ticketpreis kostenlos erstattet.
Der ausgefallene oder verschobene Urlaub ist ärgerlich. Noch problematischer ist es, wenn die Arbeit eingestellt werden muss, weil Betriebe zeitweilig schließen oder Aufträge nicht kommen.
Lohnausfälle sollte es in dieser Zeit nicht geben, dafür sorgen zahlreiche Verordnungen und Rechtsgrundlagen, wie das Infektionsschutzgesetz. Wer unter Quarantäne steht, bekommt weiter sein Gehalt, kann aber vom Chef mit Arbeit versorgt werden. Ist der Betroffene aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht in der Lage, läuft das ab, wie bei einer Krankschreibung. Die Unternehmen können sich übrigens unter bestimmten Voraussetzungen diese Ausgaben von den Bundesländern ersetzen lassen. Zahlt ein Unternehmer nicht, zahlen die entsprechenden Landesbehörden, wie Gesundheitsämter, den Ausfall. Sechs Wochen lang, danach in Höhe des Krankengeldes.
Auch Selbständige sollten sich bei Arbeitsausfall innerhalb von drei Monaten an die zuständige Behörde wenden, um einen Anspruch anzumelden, der ihnen zusteht.

Beitrag von Boris Römer