Service - Girokonto, Dispozinsen und Kontowechsel

Eine Bankverbindung braucht jeder. Aber seit die Kreditzinsen niedrig sind, versuchen die Banken durch die verschiedensten Gebühren, Geld zu verdienen. Gibt es überhaupt noch gebührenfreie Konten und wenn ja, zu welchen Bedingungen? Wo sind Dispozinsen noch halbwegs bezahlbar? Wie lässt sich leicht ein Kreditinstitut wechseln?

Stiftung Warentest hat diese Fragen untersucht und die Ergebnisse in Finanztest 9/18  veröffentlicht. Im zibb-Studio zu Gast: Stephanie Pallasch, Stiftung Warentest

"Ein Konto für mich“, so ist die Auswertung im aktuellen Test-Heft überschrieben. Das richtige Konto zu finden, ist bei diesem riesigen Angebot gar nicht so einfach.

Stiftung Warentest hat 119 Banken unter die Lupe genommen und dabei 270 Kontomodelle geprüft, um herauszufinden, was Gehalts- oder Rentenkonten heute kosten bzw. welche wirklich noch kostenlos sind. Dabei haben sich die Prüfer an einen selbst kreierten Kunden orientiert, der in etwa den Durchschnitt markiert.  Also jemand, der mehrmals die Woche die Girokarte benutzt, einiges per Lastschrift abbuchen lässt, ein Online-Konto besitzt, usw. Anhand dieses Modellkunden können so die Preise verglichen werden.

Für diesen erdachten Durchschnitts-Bankkunden wurden nun 23 Gratis-Konten gefunden und 70 günstige bis 60 Euro Jahrespreis. Das kann man nun als Orientierung für seine eigene Suche verwenden, denn jeder hat bei einem Konto seine ganz speziellen Vorstellungen. Manche möchten mit ihrer Kreditkarte weltweit Geld abheben können, anderen reicht es im Euro-Raum, einigen ist der Kontakt zu einem Bankangestellten wichtig, anderen reicht die Online-Variante. Zusätzlicher Service verursacht oft auch zusätzliche Kosten. Fest steht: Wer eine Filialbank bevorzugt, wird bis auf wenige Ausnahmen auf ein kostenloses Girokonto verzichten müssen.

Kostenlose Giro-Konten sind sehr rar geworden. Und zum Teil auch an Bedingungen geknüpft.

Viele verlangen einen monatlichen Mindestgeldeingang. Einige, wie die Targobank, legen dabei Wert auf regelmäßige Gehaltszahlungen in einer bestimmten Höhe, anderen, wie der Postbank oder der Commerzbank, ist es egal, woher die monatlichen Eingänge kommen, solange sie in der festgelegten Höhe kommen. Das geht bei 600 Euro los und kann 5.000 Euro erreichen. Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, muss dann auch hier einen Grundpreis für das Konto berappen. Banken, die auf regelmäßige Eingänge verzichten, gibt es auch, doch die erheben dafür andere Kosten. Darunter Genossenschaftsanteile oder Kreditkartenpreise. Auch beleghafte Überweisungen oder der Telefonservice muss zum Teil bezahlt werden.

Das passende Konto zu finden, ist gar nicht so einfach.

Ist mir eine persönliche Beratung oder Betreuung in Geldangelegenheiten wichtig, dann kommt nur eine Filialbank in Frage. Wo kann ich günstig oder besser noch gebührenfrei Bargeld abheben? Nicht an jedem Automaten ist das möglich. Einige schlagen für diesen Service bis zu 5,95 Euro drauf. Reicht ein online-Konto? Aber auch hier entstehen Kosten. Welche Online-Banking-Verfahren kann ich nutzen? Wie wichtig ist eine Kreditkarte und wie hoch sind meine monatlichen Kontoeingänge?

Welche jährlichen Kosten sind für ein Konto  angemessen?

Bis zu 60 Euro. Wenn es darüber geht, sollte man die Bank oder das Konto bei der gleichen Bank wechseln, denn viele bieten ja verschiedene Giro-Kontenmodelle an. Zur Orientierung gibt es auf der Onlineseite von Stiftung Warentest einen Produktfinder. Unter "test.de/girokonten" sind nicht nur die aktuellen Testergebnisse zu finden, dort kann man sich auch schnell informieren, welches Konto mehr als 60 Euro im Jahr kostet. Dieser Service ist allerdings nicht kostenlos. Für die Freischaltung werden 1,50 Euro verlangt.

Doch die Bank wechseln, das sagt sich so leicht. Immerhin hängt doch viel Papierkram mit dran. Aber das war einmal. Dank eines ganz speziellen Gesetzes.

Das von der Europäischen Union verabschiedete Zahlungskontengesetz vereinfacht den Wechsel einer Bank erheblich. Der Ablauf gestaltet sich  folgendermaßen: Wenn der Kunde bei einer neuen Bank ein Konto eröffnet, muss diese auch den gesamten Datenverkehr mit der alten Bank erledigen. Das heißt: Sie besorgt alle Konto-Daten, wie Lastschriftverfahren oder Daueraufträge.         

Die alte Bank  muss das Kontoguthaben schnell überweisen und das nicht mehr benötigte Konto schließen. Gut zwei Wochen sind dafür vorgesehen.       

Geht bei diesem Datentransfer etwas schief, werden beispielsweise Zahlungen versäumt, müssen die  Banken dafür haften.           

Die gesetzliche Kontenwechselhilfe darf nur dann etwas kosten, wenn das vorher mit dem Kunden vereinbart wurde. Und auch dann dürfen nur angemessene Kosten in Rechnung gestellt werden.  Darüber hinaus bieten viele Banken einen Kontowechselservice an. Der kann online in Anspruch genommen werden, bietet mehr Möglichkeiten und kann etwas kosten. Das muss aber über das Preisverzeichnis ausgewiesen werden.

Was angemessen ist, erfährt man unter anderem bei den Verbraucherzentralen.

Vorgegeben ist eine Frist von insgesamt 14 Tagen für den Bankenwechsel. Doch es kann beim besten Willen und ohne Absicht auch zu einigen Verzögerungen kommen. Deshalb der Rat, das alte Konto nicht sofort zu kündigen. Rund 3 Monate mehr sollte man noch warten, um eventuelle Unstimmigkeiten problemlos ausweichen zu können, bis wirklich alles geregelt ist.

Bei einer Filialbank kann ich mich beraten lassen. Der Bankwechsel geht aber auch online. Hier jedoch nicht ganz unkompliziert.

Probleme bereiten hier vor allem die Antragsformulare. Besonders bei der gesetzlichen Kontenwechselhilfe, deren Fomulare nicht immer verständlich sind. Auch können hier einige Felder bereits ausgefüllt sein, was man dringend überprüfen sollte. Viele Banken bieten einen einfacheren Kontowechsel an.

Wenn Ebbe herrscht im Portemonnaie, hilft immer noch der Dispokredit. Ein zweifelhafter Service, denn die Preise dafür sind gepfeffert.

Selbst in Zeiten niedriger Zinsen ist der Dispokredit richtig teuer. Wie Stiftung Warentest jetzt ermittelt hat, lagen die Überziehungszinsen im Durschnitt bei 9,72 Prozent!    

Trotzdem nutzen das viele, weil sie darauf angewiesen sind. Eine zusätzliche Geldquelle im Notfall, die man automatisch in Anspruch nehmen kann, ohne irgendwelche Antragsformalitäten oder aufwendigen Bürgschaften.            

Für die Banken ein lukratives Geschäft, denn die Deutschen zahlen bis zu 31 Milliarden Euro für diesen teuren Service. Dabei gibt es Alternativen.

Für viele Anschaffungen gibt es andere, günstigere Finanzierungen, die auch keinen bürokratischen Hürdenlauf bedeuten. Viele Händler bieten unkompliziert günstige Konditionen bei einem Ratenkauf. Außerdem lassen sich Ratenkredite auch bei einigen Banken finden, die es zum Teil schon ab 2 Prozent Zinsen gibt. Auch hier gibt es eine Übersicht von Stiftung Warentest unter "test.de/ratenkredite". Dieser Service kostet nur 2 Euro.

1306 Kreditinstitute hat sich Stiftung Warentest in Sachen Dispo angeschaut: Für den, der öfter mal in die Miesen rutscht, könnte das wichtig sein. Achtung! Konten mit niedrigeren Dispo-Zinsen können an höheren Gebühren gekoppelt sein. Wer Banken mit günstigen Dispokrediten sucht, wird auch auf der Internetseite von Stiftung Warentest gut beraten: Unter "test.de/dispo" kann man kostenlos die Dispo-Zinsen vergleichen. Der wichtigste Rat ist allerdings, nur im Notfall diesen Kredit in Anspruch zu nehmen.

Finanztest 9/18          

Beitrag von Boris Roemer