Service - Was tun bei Ärger mit Inkasso-Diensten?

Sie fühlen sich bedroht, sie haben Angst: Inkasso-Opfer. 5,8 Millionen Menschen in Deutschland haben schon einmal eine Inkassoforderung erhalten – doch jeder dritte Betroffene hält sie für unberechtigt. Mit dem Inkasso-Check der Verbraucherzentralen kann man nun online prüfen, ob man damit richtig liegt.

Jeder Dritte, der eine Inkasso-Forderung bekommt, hält sie für nicht gerechtfertigt. Mit dem Inkasso-Check der Verbraucherzentrale können die Forderung kostenlos online überprüfen lassen. Sie erfahren, ob sie überhaupt bezahlen müssen, und wenn ja, ob wirklich die volle Höhe der Kosten fällig ist. Ein Fragebogen zu den Unterlagen führt zu einer rechtlichen Ersteinschätzung. Bei Bedarf erhalten Nutzer einen Musterbrief an das Inkasso-Unternehmen, mit dem sie der Forderung widersprechen können. Bei jeglichen Zweifeln sowie vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung raten die Verbraucherzentralen allerdings dringend, eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Auf diese Weise kann eine individuelle Beurteilung erfolgen. Generell gilt: Beträge, von denen man weiß, dass sie zu Recht gefordert werden, sollten auch umgehend bezahlt werden. Wer sich wegen der zusätzlichen Kosten, die das Inkasso-Unternehmen erhebt, wehren will, sollte auf jeden Fall erst einmal die sogenannte Hauptforderung begleichen.

Gegen Zusatz-Gebühren wehren
Doch zuvor sollten sich Verbraucher immer fragen: Warum wird von mir Geld verlangt? Welches Geschäft steht tatsächlich hinter der Forderung? Inkassounternehmen wie auch Mahn-Anwälte sind gesetzlich verpflichtet, mit dem ersten Mahnschreiben die Anspruchsgrundlage zu erläutern. Das heißt, es muss erkennbar sein, wann ich als Kunde bei wem, was gekauft, bestellt oder beauftragt habe. Fehlen diese Informationen, sollten Betroffene den Mahn-Anwalt oder das Inkassounternehmen auffordern, genau das offenzulegen und eine Zahlung bis dahin verweigern. Ebenfalls unrechtmäßig sind viele Gebühren, die erhoben werden. Die "Gebührenfantasie" einzelner Inkassounternehmen ist nahezu unbegrenzt: Dazu zählen anlasslose Wohnsitzermittlungen, Kontoführungsgebühren, Bonitätsauskünfte und Identitätsfeststellungen. Das sind keine notwendigen Kosten der Rechtsverfolgung und somit auch kein erstattungsfähiger Verzugsschaden. Dagegen sollten Verbraucher sich wehren. Seit 2013 gilt ein Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken. Im Zuge dessen wurde auch eine Höchstgrenze für Inkassokosten eingeführt. Diese Grenze ist allerdings nicht konkret beziffert. Als Maßstab wird angelegt, was ein Rechtsanwalt nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) abrechnen könnte. Anwaltliche Gebühren errechnen sich unter anderem aus dem Streitwert (Wert des geforderten Betrages) sowie Umfang und Schwierigkeit der Aufgabe.

Drohungen meist haltlos
Der Aufbau von Drohkulissen ist ständige Praxis vieler Inkassounternehmen. Aber: Sie haben gar keine hoheitlichen Befugnisse - wie etwa die Polizei oder Gerichte. Sie können und dürfen lediglich Schuldner zur Zahlung auffordern, wenn die Forderungen prinzipiell unbestritten sind. Sie haben keine anderen Rechte als der ursprüngliche Gläubiger der Forderung. Für jede Pfändung oder auch Abgabe einer Vermögensauskunft (früher: eidesstattliche Versicherung oder Offenbarungseid) ist daher eine gerichtliche Verfügung erforderlich. Ohne rechtskräftiges Urteil oder einen Vollstreckungsbescheid darf das Unternehmen keinerlei Vollstreckungsmaßnahmen durchführen. Werden trotzdem Maßnahmen wie Lohnpfändung, ein Hausbesuch oder gar eine Verhaftung (zur Abgabe der Vermögensauskunft) angedroht, so sollte die zuständige Inkassoaufsicht eingeschaltet werden. Das Gleiche gilt, wenn mit der Drohung eines Schufa-Eintrages zweifelhafte oder strittige Forderungen mit eingetrieben werden sollen. Verweigert ein Kunde beispielsweise die Zahlung, weil ein berechtigter Einwand gegen die Forderung besteht (etwa weil ein Produkt mangelhaft ist), muss der Streit zwischen Kunde und Gläubiger ebenso gegebenenfalls im gerichtlichen Verfahren geklärt werden. Hier sind Inkassounternehmen außen vor. Bei unbestrittenen Forderungen können Inkassounternehmen gegebenenfalls eine "Titulierung" betreiben, also einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen.

Beitrag von Christine Knospe