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Service - Lebensversicherungen - halten oder kündigen?

Die Lebens- oder Rentenversicherung ist eines der beliebtesten Finanzprodukte in Deutschland. Worauf sollte man bei Neuabschluss achten, was macht man mit seinem laufenden Vertrag? Halten, verkaufen oder kündigen? Studiogast: Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip

Jahrzehntelang verkauften sich Lebensversicherungen glänzend, weil hohe Garantie-Zinsen lockten. Angeblich besitzt jeder zweite Deutsche eine Lebensversicherung und sorgt damit privat für die Rente vor. Doch dank Niedrigzinsphase werden die Auszahlungen immer mickriger. Lohnt sich jetzt noch ein Neuabschluss, oder sollte man eine bestehende Lebensversicherung gar kündigen?

Auslaufmodell Lebensversicherung – Neuabschluss lohnt nicht
Die klassische Lebensversicherung hat ausgedient. Schuld daran ist die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase. Die Versicherungsgesellschaften können einst versprochene Zinsen am Kapitalmarkt nicht mehr erwirtschaften. Die Kunden bekommen von Jahr zu Jahr immer weniger ausgezahlt. In den 1990ziger Jahren gab es noch einen Garantiezins von 4 Prozent. Inzwischen liegt dieser für Neuverträge nur noch bei mickrigen 0,9 Prozent. Das ist weniger als die Inflationsrate. Und davon gehen auch noch Provisions- und Verwaltungskosten ab. Neuabschlüsse lohnen sich daher nicht mehr.

Altverträge mit hohem Garantiezins lieber behalten
Wer bereits vor etlichen Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, die noch zwischen 2,5 und 4 Prozent Garantiezinsen ausschütten wird, der sollte an dieser privaten Altersvorsorge besser festhalten, denn außer dem spekulativen Aktienmarkt gibt es zurzeit keine lukrativere Alternative.

Verträge mit geringem Garantiezins besser verkaufen oder widerrufen als kündigen
Wer kündigt, zahlt immer drauf. Denn er verzichtet auf die weitere garantierte Verzinsung des Sparguthabens, auf Überschüsse und auf den Schlussbonus, der erst zum Ende der Laufzeit gutgeschrieben wird. Außerdem zieht die Versicherung bei einer vorzeitigen Kündigung von den eingezahlten Beiträgen noch Provisionen, Verwaltungskosten und eine Stornogebühr ab. Wie hoch der Rückkaufswert im Fall einer Kündigung genau ist, lässt sich aus der jährlichen Mitteilung der Versicherung ersehen.

Verkauf einer Lebensversicherung
Es gibt diverse Gesellschaften, die Lebensversicherungen aufkaufen. In der Regel zahlen solche Aufkäufer 2-4 Prozent mehr, als die eigene Versicherung als Rückkaufswert anbietet. Am besten vergleicht man im Vorfeld mehrere Angebote.
Riester-, Rürup- und Betriebsrentenverträge sowie reine Risikolebensversicherungen kann man nicht verkaufen, nur klassische Kapitallebensversicherungen. Und auch bei diesen ist Voraussetzung, dass der Vertrag einen ausreichend hohen Rückkaufswert hat - manchmal 5.000 Euro, häufig sogar 10.000 Euro - , das er von einer Versicherung ist, die unter der deutschen Finanzaufsicht steht, und noch gute Garantiezinsen beinhaltet.

Nicht alle Policen-Aufkäufer sind gleichermaßen seriös.  Weniger seriöse zahlen den Kaufpreis unter Umständen nur in Raten, fordern für das Angebot eine Gebühr oder wollen Sie davon überzeugen, das ausgezahlte Guthaben in geschlossene Fonds zu investieren, die sie selbst vertreiben.

Widerruf einer Lebensversicherung
Bei zwischen 1994 und 2007 abgeschlossenen Verträgen war oft die Widerrufsbelehrung fehlerhaft oder wurde erst nach Vertragsabschluss überreicht, und deshalb begann die 14-tägige Widerrufsfrist gar nicht zu laufen, so dass man den Vertrag auch heute noch widerrufen kann. Dies entschied der BGH in 2014. Der Vorteil: Bei einem Widerruf bekommt man sein eingezahltes Geld komplett zurück und sogar noch Zinsen obendrauf.

Besteuerung bei Verkauf , Kündigung, Widerruf der Versicherung
Bei neuen Verträgen ab 2005 muss der Verkaufsgewinn versteuert werden. Die Versicherung meldet dem zuständigen Finanzamt die Verkaufssumme sowie die Höhe der entrichteten Beträge. Auf einen eventuellen Gewinn muss man 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer entrichten.

Beitrag von Gela Braun