Service - Privathaftpflichtversicherungen im Test

Die private Haftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Sie versichert Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die man bei anderen verursacht – auch fahrlässig. Finanztest hat jetzt 220 Tarife untersucht. Die Ergebnisse stellen wir in zibb vor.

Sie wird immer noch allzu oft unterschätzt, doch sie die wichtigste Versicherung für jedermann: Die Privathaftpflichtversicherung. Denn wird ein Sach- oder Personenschaden verursacht, für den der Verursacher zu haften hat, übernimmt diese die Kosten und das zu Jahresbeiträgen zwischen knapp unter 100 bis knapp unter 200 €.
Zudem gilt eine Police für die ganze Familie, einschließlich der volljährigen Kinder, in der Regel bis zu einem Jahr nach Ausbildungsende und wohnend bei den Eltern. Auch für zusammenwohnende Paare ist eine Privathaftpflichtversicherung ausreichend.

„Finanztest“ bei der Stiftung Warentest hat über 218 Familientarife von 68 Anbietern einer Privathaftpflichtversicherung unter die Lupe genommen. Diese mußten mindestens eine Deckungssumme von 10 Millionen € bieten. Ein sehr gut oder gut konnten zudem nur jene erreichen, die schon einen umfangreichen Grundschutz gegen Sach- wie Personenschäden bieten.

Nicht nur gegen die zerschellte Vase, den verbrannten Lampenschirm oder die Sach- wie Personenschäden beim Unfall Radfahrer gegen Fußgänger. Abgedeckt sollten u.a. auch diese Bereiche sein:
Computer, sollten z.B. Fremdcomputer den eigenen durch Viren verseucht haben,  Häusliche Abwässer, Hüten fremder Hunde und Pferde, Grundwasser gefährdende Substanzen in haushaltsüblichen Mengen, Schäden in Ferienwohnungen, Ferienhäusern oder Schrebergärten, Versicherungsschutz auch im Ausland und Schutz gegen sogenannte Allmählichkeitsschäden. Dahinter stecken Schäden, die in Wohnungen und Häusern durch Feuchtigkeit, Ruß oder Staub im Laufe der Zeit, also nicht spontan, entstehen.

Interessant bei der Versicherungswahl sind nun besonders jene Versicherungen , die über diesen Grundschutz hinaus weiteren Versicherungsschutz im Paket haben, z.B. die Haftpflicht für Drohnenbetrieb, die Forderungsfalldeckung, die Gefälligkeitshandlung und die Schadensdeckung für deliktunfähigen Kindern.

Schadensdeckung bei deliktunfähigen Kindern: Bis zum Alter von 7 Jahren sind Kinder nicht deliktfähig, richten sie einen Schaden an, haften sie nicht, sondern die Eltern. Aber nur dann, wenn diese ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Wenn nicht bliebe der Geschädigte auf seinem Schaden sitzen. Es sei denn, im Versicherungsvertrag ist die Schadensdeckung für deliktunfähige Kinder enthalten.

Forderungsfalldeckung:  Erleidet der Versicherte einen Sach- oder Personenschaden und der Schädiger ist nicht in der Lage , den Schaden zu bezahlen, weil nicht versichert  oder mittellos, springt die eigene Versicherung ein. Meist aber erst ab 2 500 € Schaden und in jedem Fall erst dann, hat der Geschädigte alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dieser Weg kann lang und teuer sein.
 
Gefälligkeitshandlung: Eine klassische Gefälligkeitshandlung ist die Umzugshilfe unter Freunden. Kommt es hierbei zu Schäden, gilt ein stillschweigender Haftungsausschluß  und die Versicherung zahlt normalerweise nicht. Es sei denn die Police enthält eine Deckungserweiterung für Gefälligkeitshandlungen.  
 
Schutz bei Schäden durch Drohnen: Sie sind im wahrsten Sinne im Aufwind: Foto- bzw. Filmdrohen. Manche meinen sogar, sie lösen die Tauben als Flugratten ab. Gegen Sach- wie Personenschäden durch Drohnen, ist eine Extra - Drohnenhaftpflicht gefordert. Es sei denn, die Privathaftpflichtversicherung hat auch schon auf diesen Schadensbereich reagiert. Ist das geschehen bieten die so erweiterten Policen in der Regel bis zu einem Gesamtdrohnengewicht von 5 kg Haftpflichtschutz. Allerdings nur im Rahmen nichtgewerblicher Nutzung.

Durch „Finanztest“ wurden jene Privathaftpflichtversicherungen mit sehr gut bewertet, die neben einer Deckungssumme von mindestens 10 Millionen €  einen umfangreichen Grundschutz bieten und über darüber hinausgehende Schadensbereiche absichern.

Von den 218 getesteten Privathaftpflichtfamilientarifen schnitten immerhin 87 mit sehr gut ab, 88 mit gut, 31 mit befriedigend, 11 mit ausreichend und einer mit mangelhaft ab, also nicht empfehlenswert.  

Würzburger mit dem Tarif „Basis“, 89 €/Jahr. Obwohl dieser Tarif 10 Millionen € Deckungssumme bietet und auch gerade noch den Standardschutz bietet, aber eben gerade noch und bei aktuellen, zusätzlichen Tarifmerkmalen sehr schwächelt. Schlicht: Dieser Tarif ist völlig überaltert. Doch selbst hier gilt letztlich: Besser eine Privathaftpflichtversicherung als keine.

Zu den besten unter sehr gut zählen:
Baseler Versicherung „Ambiente Top, 82 €/Jahr   
VHV „Klassik-Garant Exklusiv“,  92 €/Jahr“
HDI „ Rundum Sorglos“ , 144 €/Jahr
Schwarzwälder „Exclusive Fair Play“, 80 €/Jahr
Nürnberger „Komfort“, 120 €/Jahr

„Finanztest“ empfiehlt dringend, ältere Verträge, ca. ab 8 Jahren Laufzeit, durch neue zu ersetzen, da aktuelle Tarifen oft nicht nur im Grundschutz verbessert sind, aber auch aktuelle Tarifmerkmale wie Schadensdeckung bei deliktunfähigen Kindern, Forderungsausfalldeckung oder Schutz bei Drohnenunfall. Dies oft für kaum höhere Beitragssätze und durchaus bei der gleichen Versicherung.

Beitrag von Reinhard Rychlik