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Service - Privatinsolvenz - was tun?

Jeder zehnte Brandenburger ist überschuldet, in Berlin kann sogar jeder Achte seine Kreditraten nicht mehr zahlen - und das, obwohl die Wirtschaft wächst. Für viele bleibt am Ende nur noch die Privatinsolvenz als Ausweg aus der Schuldenfalle.

Privatinsolvenz als Ausweg aus der Schuldenfalle?

Eine Privatinsolvenz können nur Privatpersonen beantragen, Selbstständige können davon keinen Gebrauch machen.

Vor Antragsstellung muss zunächst über eine öffentliche Schuldnerberatungsstelle oder einen Rechtsanwalt versucht werden, eine Lösung mit den Gläubigern zu finden, z.B. durch einen Schuldenbereinigungsplan. Erst wenn dies gescheitert ist, kann beim Amtsgericht ein Antrag auf Privatinsolvenz gestellt werden.

Ablauf einer Privatinsolvenz

Wenn man eine Privatinsolvenz beantragt, teilt einem das Gericht einen Insolvenzverwalter zu. Sechs Jahre lang muss man dann als Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an den Verwalter abführen, der das Geld nach Kostenabzug anteilig an die Gläubiger weiterleitet.

Nach sechs Jahren erteilt das Gericht dann die Restschuldbefreiung, sofern Gläubiger oder Insolvenzverwalter sich nicht dagegen aussprechen. Dies kann passieren, wenn ein Schuldner seinen Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen ist oder z.B. seinen Job gekündigt hat und deswegen kein pfändbares Einkommen mehr vorhanden war.

Im Juni 2014 gab es eine Gesetzesänderung. Seitdem besteht die Möglichkeit einer verkürzten Privatinsolvenz nach drei Jahren, wenn bis dahin 35 Prozent der Schulden abbezahlt sowie alle Verfahrenskosten (Insolvenzverwalterhonorar und Gerichtskosten) beglichen worden sind.

Pfändungsfreibeträge

Diese sind abhängig von der Anzahl der Kinder bzw. der unterhaltspflichtigen Personen und lassen sich im Internet in der Pfändungstabelle nachlesen. Die Tabelle wird alle zwei Jahre aktualisiert. Momentan haben Alleinstehende einen Pfändungsfreibetrag von 1.140 Euro vom Nettoeinkommen. Wer zwei Kinder hat, darf 1.800 Euro monatlich behalten. Bei vier Kindern darf man 2.280 vom Nettolohn behalten.

Auswirkungen einer Privatinsolvenz

Alle Vermögenswerte, die man zum Leben oder zur Arbeit braucht,  und die nicht als „Luxus“ gelten, darf man behalten. Ein  Fernseher wird in der Regel nicht angetastet, ein neueres Auto hingegen schon, wenn man es nicht zur Ausführung der Arbeit benötigt. Nur wenn der Arbeitgeber bescheinigt, dass der Schuldner den Pkw braucht, darf er ihn behalten.

Wer zur Miete wohnt und die Miete vom Pfändungsfreibetrag nicht mehr begleichen kann, kann nicht auf Wohngeld hoffen. Er muss zunächst seine Lebensumstände anpassen, also in eine günstigere Wohnung umziehen, und kann erst danach einen Insolvenzantrag stellen.

Der Arbeitgeber erfährt in der Regel vom Insolvenzverwalter, dass der Arbeitnehmer insolvent ist, denn er muss dem Verwalter den pfändbaren Teil des Lohns abführen. Aus nachvollziehbaren Gründen (Probezeit, sensibler Beruf) lassen sich Verwalter auch davon überzeugen, dem Arbeitgeber nichts mitzuteilen. Dann will der Verwalter jedoch jede Lohnabrechnung nach Erhalt sofort sehen und den pfändbaren Teil sofort vom Schuldner überwiesen bekommen.

Nicht alle Schulden sind nach Ablauf der Privatinsolvenz weg

Schulden aus Straftaten bleiben bestehen, z.B. Schulden durch Steuerhinterziehung, aus einem Kreditbetrug oder aus Bußgeldern und seit 2014 auch Unterhaltsschulden, wenn diese "pflichtwidrig" nicht gezahlt wurden.

Nach der Privatinsolvenz

Wer die drei oder auch sechs Jahre geschafft hat, kann wieder ein ganz normales Leben führen. Abgesehen vielleicht davon, dass die Banken, bei denen man vorher Schulden hatte, einem kein Geld mehr leihen werden, wird alles wieder wie vorher und noch besser, wenn man keine Schulden mehr macht.

Beitrag von Gela Braun