Neues Jahr 2020 - Holzperlen mit Zahlen
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Service - 2020: Was sich im neuen Jahr alles ändert

Auch im neuen Jahr gibt es wieder viele Änderungen in den Bereichen Steuern, Versicherungen, Recht und Gesundheit. Mit Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sprechen wir über die wichtigsten Neuerungen und klären, wer von den Änderungen profitiert und wer draufzahlen muss. Im ersten Teil geht es um die Bereiche Geld, Steuern, Mindestlohn und Unterhalt. Am Freitag geht es um die Neuerungen in den Bereichen Rente, Gesundheit, Pflege und Krankenkasse.

2020 ändert sich für die Deutschen einiges: Das beginnt natürlich beim Geld und reicht bis hin zum Dienstfahrrad. Wir haben den Wirtschaftsjournalisten und Chefredakteur des online Ratgeber-Portals „Finanztip“, Hermann-Josef Tenhagen eingeladen, damit wir Näheres erfahren.

Zunächst: Weniger Steuern für den Lohn. Für dieses Jahr ist ein neuer Grundfreibetrag festgesetzt worden, also die Spanne, bis zu der das erzielte Einkommen nicht versteuert wird.  2019 lag der noch bei 9 168 Euro. Jetzt wurde der um 240 Euro auf 9408 Euro erhöht. Damit profitieren alle, weil die weniger Einkommensteuer fällig wird.  Die Spanne liegt je nach Verdienst zwischen 37 Euro und 183 Euro.  Bei zusammenveranlagten Eheleuten beutet das einen Freibetrag von 18816 Euro.

Eine Änderung gibt es auch beim Kinderfreibetrag. Der steigt bei einem Kind, das in diesem Jahr nicht älter als 25. Jahre alt ist und sich noch in der Ausbildung befindet. Und zwar von 4980 Euro auf 5172 Euro.
Auch beim Unterhalt kann es einige Euro mehr geben. Das betrifft Menschen, die einen bedürftigen Lebenspartner haben oder Kinder, die kein Kindergeld mehr bekommen.  Wer die finanziell unterstützt, kann eine höhere „außergewöhnliche Belastung“ beim Finanzamt geltend machen. Insgesamt 9408 Euro, das sind 784 Euro pro Monat. Allerdings werden die Einkünfte der betreuten Person mit herangezogen. Wenn sie 624 Euro pro Jahr überschreiten.  

Solch eine Steuererklärung auszufüllen, da kann man sich leicht verzetteln, denn es gibt einige wichtige Formulare. Auch da kündigen sich Verbesserungen an.
Es werden weniger. Für das Jahr 2019 umfasst der neue Hauptvordruck nur noch zwei, statt wie bisher vier Seiten.  Eigene Formulare gibt es jetzt für spezielle Sonderausgaben, wie außergewöhnliche Belastungen und haushaltsnahe Aufwendungen. Alle dem Finanzamt bereits auf elektronischem Wege übermittelten Daten braucht der Steuerzahler nicht mehr anzugeben.

Weniger froh werden Immobilienbesitzer sein, denn bei der Grundsteuer gibt es auch Veränderungen.
Die wird sich ändern und höchstwahrscheinlich nicht zum Besseren. Denn ab diesem Jahr werden die Grundsteuern neu berechnet und das liegt in der Hoheit der Bundesländer.

Der gesetzliche Mindestlohn steht immer in der Kritik, weil er zu niedrig ist.
Ab jetzt müssen Unternehmen 16 Cent mehr gesetzlichen Mindestlohn die Stunde zahlen.  Also 9,35 statt 9.19 Euro. In der Pflegebranche steigt er ebenfalls nur um einige Cent von 11.05 Euro auf 11.35 Euro im Westen und 10,55 Euro auf 10.85 Euro im Osten.  Lehrlinge, Praktikanten und Ehrenamtliche haben auch weiterhin keinen Anspruch auf diese Mindestvergütung.

Kinder von getrennt lebenden Eltern sollen ebenfalls mehr Geld bekommen.
Das richtet sich immer nach dem Einkommen der Eltern. Bei einem Netto-Einkommen von 1900 Euro bekommen Kinder bis 6 Jahre 15 Euro mehr,  das sind dann 369 Euro.  Kinder bis zum 12. Lebensjahr erhalten 18 Euro mehr, dann 424 Euro und die bis zum 18. Lebensjahr  21 Euro mehr, dann sind das 497. Auch für volljährige Kinder, die noch bei einem Elternteil leben, gibt es eine Erhöhung, und zwar um 3 Euro auf dann 530 Euro.  Diese Kostenwerden je nach Höhe des Einkommens angepasst. Wer mehr verdient, muss dann auch mehr bezahlen.   

Es gibt das Starke-Familie-Gesetz, das 2019 in Kraft getreten ist. Damit ändert sich in diesem Jahr für bedürftige Familien einiges.
Zum Kindergeld erhalten bedürftige Eltern seit längerem schon einen Kinderzuschlag. Der liegt aktuell bei 185 Euro pro Kind.  Bisher gab es dafür aber eine Einkommensgrenze. Lagen die Eltern darüber, wurde der Kinderzuschlag gestrichen. Ab diesem Jahr  ist das nicht mehr so, jedoch kann es zu einer Kürzung der Leistungen kommen.
Für Kinder, die den Zuschlag zum Kindergeld erhalten, brauchen auch keine Kita-Gebühren mehr bezahlt werden, das Schülerticket und das Schulessen werden kostenlos und das Paket für den Schulstart, also für Ranzen, Hefte und Bücher, steigt von 100 auf 150 Euro pro Kind.

Kurz vor Jahresende 2019 wurde dann doch noch ein Kompromiss zwischen Bund und Ländern erreicht und das so genannte Klimapaket verabschiedet.  Leute, die viel reisen, werden zum Teil entlastet.  

Denn Bahnfahren soll attraktiver werden. Das Klimapaket sieht deshalb eine Mehrwertsteuersenkung für Bahntickets von 19 auf 7 Prozent vor. Seit dem 1. Januar sparen Bahnkunden damit 10 Prozent des Fahrpreises.  Super-Sparpreis-Tickets gibt es nun bereits ab 17.90. Mit BahnCard-Rabatt liegt der neue Einstiegspreis für den Fernverkehr bei 13,40 Euro.     
Dagegen ist geplant, die Luftverkehrssteuer im Laufe des Jahres anzuheben. Die Kosten  erhöhen sich dann, je nach Länge der Flugstrecke auf bis zu 60 Euro pro Ticket.     

Apropos Reisen:
Es gibt mehr Geld für die Verpflegung Dienstreisender. 12 Euro waren es bisher pro Tag. Er steigt auf 14 Euro pro Tag. Wenn Arbeitnehmer in der Bundesrepublik berufsbedingt mehr als 8 Stunden unterwegs sind. Dann kann man sich diese Verpflegungspauschale vom Arbeitgeber auszahlen lassen oder sie als Werbungskosten bei der Steuer geltend machen.
Dann noch das Dienstfahrrad: Auch darum kümmert sich der Staat und regelt die Nutzung. Nur wenn Arbeitnehmer von ihrem Chef zusätzlich zum Gehalt ein Dienstfahrrad bekommen, können sie es länger steuerfrei privat nutzen. Nämlich bis ins Jahr 2030. Mit der Einschränkung: Das Rad darf kein KFZ-Kennzeichen besitzen.

Morgen beantwortet im zibb-Studio Hermann-Josef Tenhagen weitere Fragen zum Thema: Dann geht es unter anderem um Sozialversicherungsbeträge, um Apotheken und die Krankenversicherung.

Beitrag von Boris Roemer