Rente, Foto: Colourbox
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Rente, Foto: Colourbox | Bild: Colourbox

Service - 2020: Was sich im neuen Jahr alles ändert – Teil 2

Mit Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen von finanztip.de sprechen wir über die wichtigsten Neuerungen des Jahres 2020 und klären zum Jahresbeginn, wer von den Änderungen profitiert und wer draufzahlen muss. Heute geht es um die Bereiche Rente, Gesundheit, Pflege und Krankenkasse.

Bei der Kranken- und Pflegeversicherung werden die Versicherungsgrenzen  ab  einem Bruttolohn von 5062,50 auf 5212,50 angehoben. Nur wer monatlich diese oder höhere Einkommen erhält, kann in die private Versicherung wechseln.  
Auch die Beitragsbemessungsgrenze ist angehoben worden von 4537,50 auf 4687,50 monatlich.  Das bedeutet, dass diejenigen, die 5.000 Euro oder mehr verdienen, mehr bezahlen müssen. Ist die Beitragsbemessungsgrenze aber einmal erreicht, müssen für das Einkommen darüber hinaus aber keine Beiträge mehr gezahlt werden. Die Beitragsbemessungsgrenze deckelt die Beiträge zur Sozialversicherung.

Die Beiträgesätze bei den Krankenkassen steigen aber auch. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag steigt von 0,9 auf 1,1 Prozent und zwar je zur Hälfte für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Doch wird nicht bei allen Kassen der Beitrag steigen, da einige große Finanzreserven haben, dann dürfen sie nicht erhöhen.  
Für Studenten gibt es ebenfalls eine neue Reglung. Sie erhalten die vergünstigte Krankenversicherung nur noch bis zum 30. Lebensjahr. Hier gilt also ab sofort die Altersgrenze. Bisher richtete sich diese Unterstützung nach der Anzahl der abgelegten Fachsemester.

Auch bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze. Da liegt die Bemessungsgrenze jetzt monatlich 6450 im Osten und 6900 im Westen. Durch die Erhöhungen werden vor allem Besserverdiener mehr in die Rentenkasse einzahlen müssen.
    
Sparen können Versicherte beim Zahnersatz, da steigen 2020 die Festzuschüsse.
Ab 1. Oktober von bisher 50 auf nun 60 Prozent.  Wer also Zahnersatz benötigt, erhält die Kosten dafür zu 60 Prozent. Bisher galt dies nur für eifrige Zahnarztbesucher, die regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gegangen sind und sich dies auch im Bonusheft jährlich bestätigen ließen.

Ab dem 1. Oktober wird auch eine neue Heilmittel-Richtlinie gelten.
Es soll damit Patienten geholfen werden, die Krankengymnastik, Massagen oder andere Heilmethoden brauchen.  Das zieht sich oft über einen längeren Zeitraum hin und dafür werden dann bis heute eine Menge Rezepte und Folgeverordnungen  ausgestellt. Dieser Aufwand soll ab Oktober nun durch ein einziges Rezept abgelöst werden, dass dann für alle Behandlungen ausreicht.  Wenn es nötig ist, dürfen Ärzte weitere Behandlungen verschreiben ohne zusätzliche Anträge zu stellen. Außerdem wird die Behandlungszeit von 14 auf 28 Tage verlängert und auch die Gültigkeit des Rezeptes verlängert sich  in begründeten Fällen.

Die Apotheken können ab diesem Jahr mehr Service bieten. Die Botendienste, die es bisher nur in speziellen Einzelfällen gab, können ausgeweitet werden. Wenn der Kunde einen solchen Service wünscht, wird das möglich sein, wenn die jeweilige Apotheke solch ein Angebot bereithält.  Auch wird etwas Bürokratie abgebaut, denn Rezepte von chronischen kranken Menschen werden aufgewertet.  Die Apotheken dürfen nun bis zu viermal auf ein Rezept wichtige Medikamente herausgeben. Rabatte auf rezeptpflichtige Medikamente dürfen Versandapotheken nicht mehr geben, es lohnt sich also nicht mehr, im Internet danach zu stöbern. Ganz neu ist, das in einem Modellversuch ab diesem Jahr auch Impfungen in Apotheken angeboten werden. Ärzte schulen das Verkaufspersonal. Allerdings wird das nur auf die Grippeschutzimpfung begrenzt sein.

Eine große Erleichterung für viele bringt die 100.000 Euro Regel: Kinder müssen künftig nur noch selten für Eltern im Pflegeheim zahlen. Bisher konnten die Kinder zur Finanzierung des Pflegeplatzes herangezogen werden und das war nicht immer billig. Ab diesem Jahr gibt es eine Einkommensgrenze. Sozialbehörden dürfen dann nur noch „Hilfe zur Pflege“ von unterhaltspflichtigen Kindern verlangen, wenn deren Einkommen über 100 000 Euro liegt. Dabei wird das Vermögen nicht mit einberechnet. Geschwister haften weiterhin gemeinsam nach ihren finanziellen Möglichkeiten. Allerdings muss ein Gutverdiener nicht die Kosten für den schlechter verdienenden Bruder oder die Schwester mittragen. Experten gehen davon aus, dass diese Neureglung rund 90 Prozent der unterhaltspflichtigen Kinder von Zahlungen befreit.
    
Wenn wir schon bei den älteren Menschen sind. Deren Bezüge werden auch steigen in diesem Jahr. Am 1.7. wird es wieder eine Rentenerhöhung geben für die rund 21 Millionen Rentner in unserem Land.  Sie steigt dann um 3,15 Prozent im Westen und 3,92 Prozent im Osten. 

Der Stromverbrauch steigt rapide. Das erhöht die Kosten für den Verbraucher. Mit welchen Ausgaben muss man in diesem Jahr rechnen?
Die so genannte EEG-Umlage steigt um 5 Prozent.  EEG dahinter verbirgt sich das Erneuerbare Energie Gesetz,  das den Ausbau der Erneuerbaren Energie hierzulande fördern soll. Vor allem durch Geld. 5 Prozent mehr für die Verbraucher, das heißt, der Strompreis steigt von 6,405 Cent pro kWh auf 6,756 Cent pro kWh. Auch die Gebühr für die Nutzung der Strom- und Gastnetze steigt um 6 Prozent.  Das kann für eine Familie Mehrkosten von ca. 60 Euro im Jahr bedeuten.

Wer eine Immobilie kauft, musste bisher mit satten Maklergebühren rechnen. Ab diesem Jahr könnte es eine Änderung geben.
Wie bei der Vermittlung von Mietwohnung, soll nun auch beim Immobilienkauf das Bestellerprinzip gelten:  Wer also den Makler beauftragt, kommt auch für seine Kosten auf. Auch eine Teilung der Gebühr ist möglich. Eine Hälfte trägt der Käufer, die andere der Verkäufer. Gerechnet wird mit dieser Änderung aber erst ab Jahresmitte. Solange bleibt es beim Haus- oder Grundstückskauf in vielen Fällen wohl noch bei der alten Variante: Der Käufer muss alles zahlen.

Wenn es um Kosten geht, steht die Miete ganz oben. Sie sind in den letzten Jahren derart gestiegen, dass immer mehr Mieter Wohngeld beantragen müssen.  
Es steigt ab dem 1. Januar 2020 um 30 Prozent. In teuren Regionen soll es außerdem eine zusätzliche Entlastung geben.  In Zukunft muss niemand eine Senkung der Unterstützung befürchten. Im Gegenteil:  Es soll nun aller zwei Jahre angehoben werden.

Beitrag von Boris Römer