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Service - Haben auch Sie ein Recht auf Wohngeld?

Wer wenig Geld zur Verfügung hat, dem steht seit Januar 2020 ein größerer Zuschuss beim Wohngeld zu. Durch die neue Regelung können zudem mehr Menschen von den Zahlungen profitieren als zuvor. Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Seit dem 1.1.2020 bekommen Geringverdiener mehr Wohngeld vom Staat. Der Zuschuss zur Miete ist nicht wenig:  Im Schnitt bekommt ein Zwei-Personenhaushalt jetzt 190 Euro monatlich. Auch Menschen mit etwas höherem Einkommen haben dank der Neuregelung nun Anspruch darauf. Doch nur etwa jeder Dritte Berechtigte beantragt Wohngeld. Alle anderen verschenken jeden Monat bares Geld. Alles was Sie zum Thema Wohngeld wissen sollten  erfahren Sie heute in unserem Service.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie eigentlich Wohngeld beantragen dürften. Anspruch darauf haben alle Mieter, aber auch Bewohner eines Pflegeheims, mit geringem Einkommen, die keine sonstigen staatlichen Förderungen wie Hartz IV oder die Grundsicherung beziehen. Aber auch Haus- und Wohnungsbesitzer dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Wohngeld beantragen. Wer zum Beispiel ein geringes Einkommen hat, weil er oder sie arbeitslos geworden ist oder durch andere Umstände die Belastung des Kredites und der Bewirtschaftungskosten nicht mehr tragen kann, darf einen staatlichen Zuschuss beantragen. Der heißt dann nicht Wohngeld, sondern Lastenzuschuss. Zuschussfähig sind neben den Ausgaben für Zins und Tilgung bei Krediten auch die sogenannten Bewirtschaftungskosten, also Instandhaltungskosten.

Wie viel man höchstens verdienen darf, um Anspruch auf Wohngeld oder Lastenzuschuss zu haben, hängt davon ab, in welcher Region man wohnt und von der Miethöhe. Da die Kosten für den Wohnraum je nach Stadt oder Gemeinde zum Teil deutlich abweichen, gibt es Höchstbeträge für das monatliche Gesamteinkommen, die nach den Mietstufen I (günstigste Mietstufe) bis VI (teuerste Mietstufe) aufgebaut sind. Die Mietenstufe des eigenen Wohnortes kann man beim örtlichen Mieterverein oder bei der Wohngeldsstelle erfragen. Berlin hat die Mietenstufe IV. In Brandenburg gibt es je nach Region unterschiedliche Mietstufen.

Ein Single in Berlin darf z.B. nicht mehr als ca. 1000 Euro netto verdienen. Bei einer Familie mit einem Schulkind lag die Einkommensgrenze in Berlin bisher bei 2500 Euro brutto.

Wie hoch ist das Wohngeld?

Wie viel Wohngeld genau es gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, nämlich:
•             Anzahl der Haushaltsmitglieder
•             Gesamtes Haushaltseinkommen
•             Höhe der Miete beziehungsweise der Wohnkosten
•             In welcher Region die Wohnung liegt

Beispiel: Für eine dreiköpfige Familie in Berlin mit einer Kaltmiete von 700 Euro sieht das folgendermaßen aus (Quelle: smart-rechner.de/wohngeld)

Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 1900 Euro bekäme sie bislang 188 € Wohngeld. Seit diesem Jahr erhöht sich der Zuschuss auf 279 €.
Mit einem Einkommen von 2100 € waren es im alten Jahr noch 111 Euro, in diesem Jahr verdoppelt sich der Satz nahezu.
Mit einem Einkommen von 2500 € bekam sie nach der alten Regelung kein Wohngeld, seit diesem Jahr aber immerhin 51 Euro monatlich.

Das heißt es lohnt sich jetzt auch für Geringverdiener, die bislang keinen Anspruch auf Wohngeld hatten, zu prüfen, ob jetzt vielleicht doch ein Anspruch auf Wohngeld vorhanden ist. Im Internet gibt es mehrere Wohngeldrechner, zum Beispiel smart-rechner.de. Dort kann man die Höhe seines Einkommens oder seiner Rente eintragen und kriegt dann sofort kostenlos angezeigt, ob und in welcher Höhe man Wohngeld bekommen kann.

Anders als bei Hartz IV gibt es für Wohngeld keine Bedürftigkeitsprüfung. Nur wenn sich Miete oder Einkommen um mehr als 15 % ändern oder die Zahl der Mitbewohner, dann müssen sich die Betroffenen beim Wohngeldamt melden.

Wo und wie beantragt man Wohngeld?

Den Kontakt zur Wohngeldbehörde vermittelt das Bürgeramt Ihrer Stadt oder Ihres Bezirks. Die Sachbearbeiter dort helfen Ihnen beim Ausfüllen der Anträge. Meistens reicht der Gehaltsnachweis und der Mietvertrag. Das Wohngeld wird für ein Jahr bewilligt, danach muss ein Folgeantrag gestellt werden.

Beitrag von Sina Krambeck