Service - Vorsicht Fake-Shops: Sicher online einkaufen

Das Internet steht Kopf: Der Black Friday steht vor der Tür. Die große Schnäppchenjagd findet längst weltweit statt. Grenzen gibt es nicht im World Wide Web. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat sich mal angeschaut, ob die extrem niedrigen Preise, mit denen sogenannte Asia-Shops locken, wirklich seriös sind.

Studiogast: Dr. Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg

Immer wieder wenden sich von Asia-Shops enttäuschte Verbraucher an die Verbraucherzentralen. Die bestellte Ware kommt beschädigt oder gar nicht an, es wird die falsche Ware geliefert, die Ware ist von schlechter Qualität oder es gibt Probleme beim Widerruf. Um festzustellen, ob es sich dabei lediglich um Einzelfälle handelt, hat die Verbraucherzentrale Brandenburg Testbestellungen von Kleidung und Elektronik durchgeführt. Das Ergebnis: ernüchternd. Bei der Kleidung stimmten die Größen nicht, es gab erheblich Mängel in Verarbeitung und Schnitt, ein als Baumwolle ausgezeichnetes Kleid war aus Polyester. Und auch bei der Elektronik stellten die Testkäufer minderwertige Qualität fest, Stecker und Adapter waren nicht kompatibel in Deutschland, zum Teil bestand eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem immer noch relativ hohen Preis und der gelieferten Qualität oder der niedrige Preis entsprach auch minderer Qualität.

Stress beim Zoll
Das Fazit der Verbraucherschützer: Das Paradies für Schnäppchenjäger ist eigentlich gar keins. Verbraucher sollten dabei auch beachten, dass die Rücksendekosten bei Reklamation oft sehr hoch sind und selbst getragen werden müssen. Hinzu kommen bei einem Wert zwischen 22 und 150 Euro die Einfuhrumsatzsteuer (für gewöhnlich 7 % oder 19 %) und ab 150 Euro auch noch Zölle und Steuern. Und die sind auch dann vom Kunden zu tragen, wenn der Kauf widerrufen wird. Da die zu zahlenden Zölle und Steuern je nach Warenwert und Produktart variieren, sollten sich Verbraucher vor der Bestellung beim Zoll über die Formalitäten informieren. Tipp: die App Zoll und Post vom Bundesministerium für Finanzen. Die Verbraucherzentrale rät außerdem, sich vorab über Einfuhrverbote zu informieren. Und: Stellt der Zoll fest, dass es sich bei einem Produkt um ein Plagiat handelt, wird die Ware beschlagnahmt. Gleiches gilt bei elektronischen Artikeln, die nicht dem europäischen Standard entsprechen.

Probleme beim Kauf auf Rechnung
Online-Shopper, die auf Nummer sicher gehen wollen, kaufen meist auf Rechnung. Aber: Die Asia-Shops arbeiten häufig mit Bezahldienstleistern wie Klarna zusammen. Dabei wird die Rechnungsstellung unabhängig von der Lieferung abgewickelt. Das bedeutet: Die Rechnung flattert aufgrund langer Lieferzeiten aus dem Ausland oft schon ins Haus, bevor die Ware überhaupt da ist. Verbraucher berichten laut Verbraucherzentrale häufig in Zusammenhang mit der Shopping-Plattform Wish von diesem Problem. Klarna wird von Wish offensichtlich nicht über Lieferzeitpunkte informiert und weiß gar nicht, ob ein Verbraucher eine Ware erhalten hat oder nicht.

Aber: Zahlt der Kunde nicht fristgerecht (weil die Ware noch gar nicht angekommen ist), mahnt Klarna. Schlimmstenfalls wird ein Inkasso-Unternehmen eingeschaltet, das dann noch zusätzliche Inkasso-Gebühren verlangt. Tipp: Unbedingt bei Klarna melden, wenn eine Rechnung kommt und die Ware noch nicht da ist.

Widerruf erschwert
Verbraucher berichten zunehmend von Problemen beim Widerruf. Auch hier sind Kunden des Online-Marktplatzes Wish häufig betroffen. So berichtete eine Frau, dass sie trotz Rücksendung der Ware nicht ihr Geld zurückerhielt. Wish reagierte demnach nur mit Standardmails, Klarna verlangte eine sogenannte „Frage-Nummer“. An diese kam die Verbraucherin aber nicht, da Wish den Account gesperrt hatte. Eine Praxis, die offenbar häufiger angewandt wird. Laut Wish wurden Konten wegen „übermäßig vieler Rückerstattungen markiert“. Käufer, welche die „großzügigen Rückerstattungs- und Rückgaberichtlinien missbrauchen“, würden der Plattform und anderen Nutzern schaden. Erst wenn der „gute Ruf“ des Kontos wiederhergestellt sei, könnten sie sich wieder an den Kundenservice wenden oder eine Erstattung anfordern. Verbraucher haben somit keine Möglichkeit, ihre Widerrufs- und Gewährleistungsrechte einzufordern. Sie können Wish nicht einmal informieren, wenn ihre Ware gar nicht erst geliefert wurde. Käufe sind hingegen weiterhin möglich. Eine andere Verbraucherin berichtete, dass der Widerruf nicht gelang, da sie keine Rücksendeadresse bei Wish benannt bekam. Als sie die Forderung von Klarna nicht beglichen hatte, beauftragte Klarna ein Inkassounternehmen und forderte nachdrücklich die Zahlung. Alles Weitere solle die Verbraucherin mit Wish klären.

Tipps zum Black Friday
Die Verbraucherzentrale Brandenburg rät anlässlich des Black Fridays am 23.11. und des Cyber Mondays am 26.11. zu Vorsicht. Bei vermeintlichen Super-Schnäppchen sollte sich niemand unter Kaufdruck setzen lassen. Preisvergleiche in Suchmaschinen können sich mehr lohnen als die Sonderangebote. Vorsicht beim Shoppen auf Plattformen: Hier am besten sichere Bezahlmöglichkeiten wie Lastschrift oder Kauf auf Rechnung nutzen, wenn möglich!

Beitrag von Christine Knospe