Schulterlenk eines Mannes (Quelle: rbb)
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Service - Hilfe bei Schulterschmerz

Sie können schleichend oder plötzlich kommen - schmerzhaft sind sie allemal: Schulterprobleme. Die Ursache für die Schmerzen zu finden, ist selbst mit MRT-Untersuchung schwer. Denn das Schultergelenk ist sehr komplex und die Ursachen können vielfältig sein.

Schulterschmerzen finden sich fast in allen Altersgruppen und bei beiden Geschlechtern. Manchmal treten die Schmerzen in der Schulter akut auf, zum Beispiel beim Sport oder nach dem Heben einer schweren Last. Andere Menschen leiden unter chronischen Schulterschmerzen, etwa aufgrund von Gelenkverschleiß. Unabhängig von ihrer Ursache können Schulterschmerzen das Alltagsleben deutlich beeinträchtigen.

Beschreibung

Schulterschmerzen sind Beschwerden in der Schulterregion, die manchmal in den Oberarm oder Hals ausstrahlen. Mediziner unterscheiden zwischen akuten und chronischen Schulterschmerzen:

Akute Schulterschmerzen treten plötzlich auf, etwa nach einem Unfall oder Sturz auf die Schulter oder den Arm. Grund ist zum Beispiel ein Bizepssehnenriss, eine ausgekugelte Schulter oder ein Oberarmbruch.

Chronische Schulterschmerzen entwickeln sich schleichend und können sehr hartnäckig sein. Sie werden zum Beispiel durch Gelenkverschleiß (Arthrose), Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule oder Schultersteife verursacht.

Wann sollten Sie zum Arzt?

In folgenden Fällen von Schulterschmerzen ist ein Arztbesuch ratsam:

• sehr starke Schulterschmerzen

• anhaltende Schulterschmerzen

• immer wiederkehrende Schulterschmerzen

• Schulterschmerzen nach einem Sturz auf die Schulter oder den Arm oder nach einem Unfall

• deutliche Bewegungseinschränkung von Schulter und Arm

• Ausstrahlen der Schmerzen in andere Körperregionen wie Nacken oder Arm

• Begleitsymptome wie Taubheitsgefühl oder Kribbeln

In folgenden Situationen sollte schnellstens ein Arzt alarmiert werden:

• sehr starke, wellenförmig auftretende Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Oberbauch, oft begleitet von Übelkeit und Erbrechen (Verdacht auf Gallenkolik)

• starke Schmerzen in der rechten Schulter und im rechten Oberbauch mit Fieber und Schüttelfrost (Verdacht auf Gallenblasenentzündung)

• plötzlich auftretende linksseitige Schulterschmerzen sowie Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl in der Brust, Atemnot, Todesangst, oft auch Schwindel und/oder Übelkeit (Verdacht auf Herzinfarkt oder Angina pectoris)

• plötzlich auftretende Brustschmerzen mit Ausstrahlung in die Schulter, eventuell begleitet von Symptomen wie Atemnot oder beschleunigte Atmung, Herzrasen, Schweißausbruch, Husten oder Bluthusten, Schwindel, Ohnmacht (Verdacht auf Lungenembolie)

Das können Sie selbst tun:

Kälte/Wärme

Bei akut auftretenden oder sich plötzlich verschlechternden Schulterschmerzen (etwa aufgrund von Schleimbeutelentzündung, Bizepssehnenriss, Rotatorensehnenriss oder Kalkschulter), ist im Allgemeinen Kälte wohltuend – zum Beispiel in Form von Eis, Kühlpackungen oder feuchtkühlen Umschlägen. Bei chronischen Schulterschmerzen wird dagegen meist Wärme als angenehmer empfunden.

Ergonomischer Arbeitsplatz

Wichtig, wenn die Schulterschmerzen auf Muskelverspannungen durch häufige Schreibtischarbeit zurückzuführen sind. Denn ein ergonomischer Arbeitsplatz beugt einer ungleichmäßigen Belastung der Muskeln in Schulter, Nacken und Rücken und damit schmerzhaften Muskelverspannungen vor. Achten Sie etwa auf die richtige Höhe von Tisch und Stuhl, den richtigen Abstand zur Tastatur sowie Handballenauflagen vor der Tastatur.

Gezieltes Training

Um einer schmerzhaften "Sportlerschulter", einer komplexen chronischen Überlastung, vorzubeugen, sollte man die Schultermuskulatur gezielt und gleichmäßig aufbauen und die Muskeln und Bänder im hinteren Schulterbereich regelmäßig dehnen. Ein Sportarzt oder erfahrener Trainer zeigt Ihnen geeignete Übungen. Die Dehnungsübungen für den hinteren Schulterbereich sind in Kombination mit Krankengymnastik auch dann ratsam, wenn jemand bereits an einer "Sportlerschulter" leidet: Mäßig ausgeprägte Schulterschmerzen lassen sie sich damit oft lindern.

Bei chronischen Schulterschmerzen

(etwa aufgrund von Arthrose oder Kalkschulter) gewöhnen sich Betroffene oft eine Schonhaltung an, wodurch sich die Schultermuskeln mit der Zeit verkürzen. Um dem entgegenzuwirken, sollten die Muskeln regelmäßig gedehnt werden.

Lassen Sie sich von einem Sportarzt oder Physiotherapeuten geeignete Dehnungsübungen für den Schulterbereich zeigen. Generell empfehlen sich bei chronischen Schulterschmerzen regelmäßige Maßnahmen, um die Schulterbeweglichkeit zu verbessern und die Muskulatur im Schulterbereich zu kräftigen – gerade auch an den schmerzenden Stellen.

Geeignet sind zum Beispiel gezielte Übungen für den Schultergürtel, Massagen, Feldenkrais oder Krankengymnastik. Besonders bei Arthrose sollte die Schulter trotz Schmerzen regelmäßig bewegt werden. Sonst wird sie mit der Zeit zunehmend steifer.

Entspannungstechniken

Stress, Anspannung und Alltagssorgen sind oft (mit-)verantwortlich für Schulterschmerzen. Hier können Entspannungsverfahren für die notwendige Entlastung der Muskeln, Sehnen, Bänder und der Seele sorgen. Geeignet sind zum Beispiel Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training und Yoga. Solche Entspannungsverfahren werden oft auch in Kombination mit alternativen Heilverfahren wie Akupunktur, Magnettherapie oder Biofeedback zur Behandlung chronischer Schulterschmerzen eingesetzt.

Häufige Ursachen für Schulterprobleme

Chronische Muskelverspannungen

Eine chronische Verspannung der Nacken-Schulter-Muskulatur ist oft schuld an Schulterschmerzen. Betroffen sind meist Menschen in sitzenden Berufen, die viel mit nach vorn gebeugtem Kopf und Oberkörper arbeiten (etwa am Computer). Auch Menschen, die generell zu Verkrampfungen, Spannungskopfschmerz oder Depressionen neigen, entwickeln oft verspannungsbedingte Nacken- und Schulterschmerzen.

Gelenkabnutzung

Bei einer Schultergelenksarthrose (Omarthrose) nutzt sich die Knorpelschicht an den Gelenkflächen, die für eine reibungslose Beweglichkeit des Schultergelenks sorgt, immer mehr ab. Die Folgen sind über Jahre zunehmende Schulterschmerzen beim Bewegen der Schulter sowie Bewegungseinschränkungen.

Die Beschwerden machen sich vor allem bemerkbar, wenn der Arm nach außen gedreht oder auf Schulterhöhe (oder höher) angehoben wird. Mögliche Ursachen der Omarthrose sind etwa altersbedingter Verschleiß, Durchblutungsstörungen am Oberarmkopf, Rotatorenmanschettenriss, häufiges Auskugeln der Schulter oder Rheumatoide Arthritis.

Lässt sich keine Ursache für den schmerzhaften Gelenkverschleiß finden, sprechen Mediziner von idiopathischer (= ohne erkennbare Ursache) Schultergelenksarthrose.

Engpass-Syndrom (Impingement-Syndrom)

Unter Engpass- oder Impingement-Syndrom der Schulter versteht man Funktionsstörungen der Schulter aufgrund einer Einengung zwischen Schulterdach- und Oberarmknochen: Durch Reizung, Verkalkung oder Verschleiß der Sehnen und Schleimbeutel wird der Raum im Schultergelenk zu eng, sodass der Kopf des Oberarmknochens an das Schulterdach stößt und die Sehne im Gelenk regelrecht eingeklemmt wird. Die Folge sind Schulterschmerzen, besonders bei Belastung.

Entzündung des Schulterschleimbeutels (Bursitis subacromialis)

Eine Entzündung des Schulterschleimbeutels kann ebenfalls zu Schulterschmerzen und einer Bewegungseinschränkung des Schultergelenks führen. Sie entwickelt sich meist im Rahmen des Impingement-Syndroms.

Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)

Die Rotatorenmanschette ist ein kräftiger „Mantel“ aus Muskeln und Sehnen, der den Oberarmkopf in der Schultergelenkpfanne hält und zugleich Armbewegungen in alle Richtungen (Rotation) ermöglicht. Eine oder mehrere Sehnen der Rotatorenmanschette können teilweise oder vollständig reißen, was sich in plötzlichen Schulterschmerzen äußert.

Der Rotatorenmanschettenriss ist in der Regel das Endstadium des Impingement-Syndroms. Die Sehnen sind also bereits durch die Einengung im Gelenk vorgeschädigt, bevor sie reißen. Ein akuter Riss der Rotatorenmanschette ohne Vorschädigung der Sehnen ist dagegen selten, kann aber zum Beispiel bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm passieren.

Ausgekugeltes Schultergelenk (Schulterluxation)

Nach einem Sturz auf den (ausgestreckten) Arm oder einem Schlag auf die Schulter kann der Oberarmknochen aus der Gelenkpfanne „springen“. Solch eine ausgerenkte Schulter kann ebenfalls für die Schulterschmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit von Schulter und Arm verantwortlich sein.

Schultersteife („frozen shoulder“)

Hier ist durch eine geschrumpfte Schultergelenkkapsel die Beweglichkeit der Schulter schmerzhaft eingeschränkt - die Schulter ist gewissermaßen "eingefroren". Das Ganze entwickelt sich schleichend über mehrere Phasen.

In den meisten Fällen tritt die Schultersteife im Schlepptau einer anderen Schultererkrankung oder -verletzung (wie Schultergelenksarthrose, Kalkschulter, Rotatorenmanschettenriss oder Auskugeln der Schulter) auf.

Seltener als diese sekundäre Schultersteife ist die primäre Schultersteife, deren Ursache unbekannt bleibt. Die Erkrankung kommt vor allem bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren vor. Auch Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Schultersteife.

Kalkschulter (Tendinosis calcarea)

Hierbei haben sich Kalkkristalle an den Sehnenansätzen der Rotatorenmanschette abgelagert (vermutlich aufgrund einer Minderdurchblutung). Die Kalkdepots verursachen Schulterschmerzen bei Armbewegungen, vor allem bei Überkopfbewegungen. Wenn sich auch im Schleimbeutel des Schultergelenks Kalkkristalle ablagern, werden die Schulterschmerzen noch stärker und die Armbewegungen weiter eingeschränkt. Eine Kalkschulter entwickelt sich bevorzugt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Beitrag von Christine Wiedergrün