Ein älterer Herr trinkt einen Schnaps im Bett (Quelle: Imago)
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Service - Alkoholsucht im Alter: Wege aus der Abhängigkeit

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt, dass bis zu 400.000 Senioren ein Alkoholproblem haben. 2015 kamen 14.000 Patienten über 64 Jahre wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Denn ältere Menschenvertragen Alkohol schlechter als Jüngere und bauen ihn auch langsamer ab.

Mehr als jeder vierte Mann über 60 zeigt einen riskanten Alkoholkonsum, während gleichaltrige Frauen eher zu Medikamentenmissbrauch neigen. Insgesamt pflegt die gesamte Generation der heute 65-75jährigen jedoch einen eher unkritischen Umgang mit Alkohol.

Warum wird so wenig über Sucht im Alter berichtet?
Ältere Menschen mit einem Suchtproblem sind oft sozial isoliert und trinken alleine zuhause, während jüngere Menschen vermehrt in Gesellschaft Alkohol konsumieren. Genau aus diesem Grunde bleibt die Alkoholabhängigkeit von Senioren viel länger unentdeckt als bei jüngeren Menschen.

Gründe für die Alkoholabhängigkeit im Alter
Jüngere Menschen trinken Alkohol, um gesellig zu sein, Spaß zu haben oder zu feiern. Ältere Menschen greifen eher zu Alkohol, um gegen die Leere, Einsamkeit, Depressionen, Schlafstörungen oder Angstzustände anzutrinken oder auch um Schmerzen zu betäuben.

Ab welchen Mengen ist der Alkoholkonsum riskant?
Um Gesundheitsschäden zu vermeiden, sollten Männer nicht mehr als zwei Gläser Bier oder zwei Gläser Wein trinken. Für Frauen liegt die Grenze bei einem Glas Bier bzw. einem Glas Wein.

Selbstcheck zur Einschätzung des eigenen Alkoholkonsums
Zur Einschätzung des eigenen Alkoholkonsums sollte man sich folgende vier Fragen stellen:
1.    Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?
2.    Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass Sie von anderen wegen Ihres Alkoholkonsums kritisiert wurden?
3.    Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinken schuldig gefühlt?
4.    Haben Sie jemals morgens als erstes Alkohol getrunken, um sich zu beruhigen oder einen Kater loszuwerden?
Wer zwei oder mehr Fragen davon mit Ja beantwortet, könnte ein Alkoholproblem haben.

Wenn mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sind, spricht man von einer Alkoholabhängigkeit:
1.    starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
2.    verminderte Kontrollfähigkeit bezogen auf Beginn,  Beendigung oder Menge des Konsums
3.    ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
4.    die Menge wird gesteigert, um den gleichen Effekt zu erreichen
5.    Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
6.    anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen

Weitere Alarmsignale:  Schwindel, Gangstörungen, Stürze, Koordinationsstörungen, Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder Depressivität.

Wo findet man Hilfe?
Man sollte sich entweder an seine Hausärztin/ seinen Hausarzt  wenden oder an eine Suchtberatungsstelle.
Liegt eine Alkoholabhängigkeit vor, empfiehlt sich ein stationärer Entzug in einer Suchtklinik. Dieser dauert in der Regel drei bis vier Wochen.
In der anschließenden Entwöhnungstherapie wird nach den Ursachen der Suchterkrankung gesucht, damit man möglichst nicht wieder in die alten Muster zurück fällt. Dazu gehören regelmäßige Gespräche mit Psychotherapeuten und Sitzungen mit Ergotherapeuten. Das Gehirn soll lernen, ohne den Problemlöser Alkohol klar zu kommen, Gefühle wie Trauer, Freude, Ärger und Wut künftig ohne Alkohol zu verarbeiten. In der Therapie geht es außerdem darum, Beschäftigungen zu finden, um Leere und Einsamkeit auszufüllen und beim nächsten Mal nicht wieder zur Flasche zu greifen.

Therapiekonzept „kontrolliertes Trinken“
Lange Zeit galt: Wer alkoholsüchtig ist, darf nie wieder trinken, sonst droht ein Rückfall. Doch die vollständige Abstinenz schaffen viele Alkoholabhängige nicht. Für sie wäre das "kontrollierte Trinken" eine Alternative. Die Betroffenen versuchen, ihren Alkoholkonsum auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, beispielsweise nur zwei statt sechs Bier am Tag zu trinken.

Das Therapiekonzept „kontrolliertes Trinken“ ist nicht für jeden Betroffenen geeignet und unter Experten nach wie vor umstritten. Aber kann es eine Hilfe für diejenigen sein, die sonst gar keine Therapie machen würden.

Beitrag von Gela Braun