Buchautor und Karriere-Coach Martin Wehrle zu Gast - "Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch"

In vielen Firmen herrscht das Diktat der Unvernunft. Mitarbeiter müssen tun, was der Abteilungsleiter sagt, und sei es noch so unsinnig, Fristen eingehalten werden, auch wenn sie völlig unrealistisch sind. Ganz zu schweigen von der Erreichbarkeit nach Feierabend, die zunehmend gefordert wird, und Überstunden ohne Ende.

In seinem neuen Buch "Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch!" zeigt Autor und Karrierecoach Martin Wehrle, womit Firmen ihre Mitarbeiter heute drangsalieren – trotz Mindestlohn und Fitnessstudio im Betrieb.

Mitdenkende Mitarbeiter sind nicht mehr gefragt.

Laut einer Studie der TU München haben acht von zehn Mitarbeiter den Eindruck, ihre Chefs blockieren Ideen generell (39 Prozent) oder lassen sie einfach abprallen (38 Prozent). Wer auf ein Problem hinweist, wird selbst zum Problem gemacht.

zunehmende Arbeitsverdichtung

Immer mehr Aufgaben sollen in immer kürzerer Zeit erledigt werden. Viele Chefs setzen völlig unrealistische Deadlines für Projekte an. Dies dient als Druckmittel und scheint zu funktionieren, denn jeder dritte Arbeitnehmer lässt angeblich aufgrund von Deadlines oder zu viel Arbeit sogar Urlaubstage verfallen, aus Angst vor der Kündigung.

Immer mehr Überstunden

Weil das Arbeitspensum in der normalen Zeit ohnehin nicht zu schaffen ist und auch noch ständig Meetings hinzukommen, die von der eigentlichen Arbeit abhalten, leisten die Deutschen pro Jahr 1,8 Milliarden Überstunden.

Psychoterror Arbeit

Mittlerweile leiden laut einer DAK-Studie 80 Prozent der deutschen Arbeitnehmer unter Schlafstörungen. Viele denken selbst nachts an den Job und können bei der permanenten Erreichbarkeit auch über den Feierabend hinaus nicht mehr abschalten. Jeder fünfte Angestellte unter 25 Jahren nimmt keine Pause mehr, weil es die Arbeit nicht zulässt. Sieben von zehn  Mitarbeiter sind laut einer Bitkom-Studie sogar im Urlaub erreichbar. Entspannende Momente gibt es viel zu wenige. In den vergangenen zehn Jahren stieg daher die Anzahl der psychisch bedingten Erkrankungen um 86 Prozent.

Was sollte sich ändern – Forderungen von Martin Wehrle

Arbeitnehmer sollten beim Ausscheiden aus einer Firma ein Zeugnis ausstellen dürfen, damit künftige Bewerber dies einsehen können. Das wäre ein Anreiz für Firmen, Mitarbeiter besser zu behandeln.

Mitarbeiter sollten ihre Chefs selbst bestimmen dürfen.

Mitarbeiter sollten häufiger die Initiative ergreifen und bei unhaltbaren Arbeitsbedingungen schneller kündigen.

Vorgesetzte sollten kritische Anregungen von Mitarbeitern wieder mehr berücksichtigen.

Beitrag von Gela Braun