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Service - Über den Umgang mit Demenzkranken

In Deutschland leben rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Neben der eigentlichen Krankheit ist es für Angehörige oft ein Problem, sich gegenüber den Demenzkranken richtig zu verhalten. Wie kann man Menschen mit Demenz richtig fordern, wann sollte man ihnen zur Hand gehen, wann die Tätigkeit komplett übernehmen?

Wir werden immer älter. Und mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Dann sind oft die Partner oder Kinder gefragt. Die Betreuung eines an Demenz Erkrankten erfordert viel Geduld und verändert Leben und Alltag der Angehörigen  oft komplett. Dennoch lassen sich auch mit der Krankheit noch viele schöne Stunden miteinander verbringen, wenn man Einiges beachtet.

Konfliktbewältigung
Das Anziehen dauert plötzlich viel länger, genauso wie die Morgentoilette und das Essen. Statt den Tisch zu decken, wirft der demenziell Erkrankte die Teller auf den Boden. Oder er weigert sich, aus dem Haus zu gehen, obwohl ein wichtiger Arzttermin ansteht. Trotzdem die Ruhe zu bewahren, ist mitunter schwer; doch man kann dies lernen. Der Umgang mit der Krankheit erfordert ein Abschiednehmen vom Perfektionismus, vom durchstrukturierten Tag. Aggressionen und Verweigerungshaltungen des demenziell Erkrankten rühren häufig daher, dass er die Handlungen nicht mehr versteht, sich in seiner Umgebung nicht mehr zu recht findet, sich immer weniger verständigen kann, weil ihm die Worte fehlen, und auch nicht mehr versteht, was andere von ihm wollen. Er fühlt sich überfordert und wehrt sich dagegen, mitunter mit aggressivem Verhalten. Wer dies weiß, kann in solchen Situationen gelassener reagieren und Konflikte entschärfen. Manchmal kann es besser sein, Termine abzusagen und sich zurückzuziehen, bis sich der demenziell Erkrankte wieder beruhigt und sich die Situation entspannt hat.

Unterstützung und Hilfe von außen
Die Pflege eines an Demenz Erkrankten kann bei Angehörigen schnell zur Überlastung führen. Damit dies nicht passiert, ist es wichtig, sich rechtzeitig Unterstützung und Hilfe von außen zu holen, nicht nur von Freunden und Verwandten, sondern auch von professionellen Pflegekräften. Nur so schafft man sich Freiräume, um wieder Kraft zu schöpfen, und schützt sich vor Überlastung.
Auch der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Selbsthilfegruppe ist ungemein hilfreich, genauso wie, sich über Krankheit mittels Büchern oder Vorträgen umfangreich zu informieren. Je mehr man als Angehöriger über die Krankheit und den weiteren Verlauf Bescheid weiß, desto besser kommt man damit zurecht.
Informationen über finanzielle Unterstützung, z.B. durch Pflegestufen etc., Schulungen für Angehörige und Selbsthilfegruppen in der Nähe erhält man in speziellen Demenzberatungsstellen.

Unterstützung im Alltag - Hilfe zur Selbsthilfe
Je weiter die Demenz voranschreitet, desto schwerer fallen selbst einfachste Tätigkeiten, z.B. das Anziehen eines Pullovers oder das Belegen eines Brotes. Dennoch sollte man einem dementen Angehörigen nicht alles abnehmen, sondern ihn so viel wie möglich noch selbst erledigen lassen, auch wenn das Ergebnis nicht perfekt ist. Das erhält die Selbstständigkeit und stärkt das Selbstbewusstsein, denn ein demenziell Erkrankter merkt sehr wohl, wenn ihm die Angehörigen nichts mehr zutrauen. Auch das kann zu Wutausbrüchen führen.

Kommunikation
Eine normale Kommunikation ist bei weiterem Voranschreiten der Krankheit oft nicht mehr möglich, denn der demenziell Erkrankte versteht allzu lange und komplexe Sätze nicht mehr. In einfachen, wenigen, kurzen Sätzen miteinander zu kommunizieren, kann helfen, oder die Sätze noch einmal zu wiederholen, wenn die Botschaft beim ersten Mal nicht ankommt.
Ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass der Erkrankte verstummt, bedeutet das nicht, dass gar keine Kommunikation mehr möglich ist. Es gibt viele Wege, um miteinander in Kontakt zu treten und zu bleiben, zum Beispiel über das gemeinsame Musikhören, übers Tanzen oder Spielen.

Im Alltag Schönes erleben
Auch wenn die Demenz immer weiter voranschreitet, sollten sie dem Erkrankten dies nicht offensiv zeigen, sondern versuchen, ihre Traurigkeit darüber zu verbergen. Viel besser ist es, in der noch verbleibenden Zeit möglichst viel schöne Dinge miteinander zu erleben. Das können gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge, Konzertbesuche sein, genauso wie Hobbys nachzugehen, die der Erkrankte schon als Kind gemocht hat, oder in alten Fotoalben schmökern.

Beitrag von Gela Braun

 

Hilfe- und Beratungsangebote für Angehörige:

Projekt „Diakonie Haltestelle Reinickendorf“
Träger: Diakonisches Werk Berlin-Reinickendorf e.V.
Eisenhammerweg 12
13507 Berlin
Projektleiterin & Ansprechpartnerin: Helma Lechtenberg, Gerontotherapeutin
Tel: 030 – 767 333 560
Mobil: 0176 – 113 198 16
Mail: h.lechtenberg@dw-reinickendorf.de

Alzheimer Angehörigen Initiative
Persönliche Beratung in der Beratungssprechstunde oder auch im häuslichen Umfeld für Betroffene und Angehörige, Schulungen für Angehörige, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige in 10 Berliner Stadtteilen
Reinickendorfer Str. 61
13347 Berlin
Tel: 030 – 47378995
www.alzheimer-angehoerigen-initiative.de
www.alzheimer.berlin.de

Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V.
Beratung, Schulungen für Angehörige, Vorträge über Demenz, gemeinsame Museumsbesuche, Tanzcafés, Gedächtnissprechstunden
Friedrichstr. 236
10969 Berlin
Tel.: 030 – 89 09 43 57
www.alzheimer-berlin.de

Alzheimerforum
u.a. Beratung per E-Mail
www.alzheimerforum.de

Demenz Brandenburg
Informationen über Angehörigenschulungen und Selbsthilfegruppen in Brandenburg www.demenz-brandenburg.de