Fasten, Fastenbrechen, Foto: Colourbox
Colourbox
Fasten, Fastenbrechen | Bild: Colourbox

Service - So heilsam kann Fasten sein

In Deutschland und anderen westlichen Ländern steigt die Zahl der Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck und Krebs.  Doch statt immer mehr Pillen zu schlucken, gibt es noch eine andere, vielversprechende Heilmethode: Das Fasten. In vielen Kulturen seit Jahrhunderten angewandt, erreichen Ärzte durch Fasten in letzter Zeit erstaunliche Therapieerfolge.

Professor Andreas Michalsen vom Immanuel Krankenhaus Berlin forscht seit Jahren auf diesem Gebiet. Er sagt: Fasten stärkt unsere Selbstheilungskräfte und ist daher hochwirksam zur Vorbeugung und Behandlung von schweren Krankheiten. Seiner Meinung nach tut Fasten fast jedem von uns gut. Denn siebzig Prozent aller chronischen Krankheiten haben ihre Ursache auch in einer falschen Ernährung. Es ist das Überangebot an Nahrung, das permanente Essen, das uns krank macht. Dabei ist unser Körper eigentlich auf lange Phasen des Nicht-Essens angelegt. Mit unserer modernen Ernährungsweise ist uns Körper schlicht überfordert. Die Forschung zeigt, dass alle Organismen, die regelmäßig fasten, ihre Lebensdauer um 20 bis 30 Prozent verlängern können.

Was passiert beim Fasten im Körper?
Beim Fasten hat der Körper Zeit für die Zellreparatur. Diesen Vorgang nennt man Autophagie. Dabei bauen unsere Körperzellen eigene unbrauchbare Bestandteile, wie z. B. fehlerhafte Proteine und beschädigte Zellbestandteile ab. Ohne Autophagie lagert sich dieser zelluläre Müll in der Zelle ab und behindert über kurz oder lang die reibungslose Funktionsweise der Zelle. Dieser Selbstheilungsvorgang wird durch nichts so sehr angeregt wir durch das Fasten.

Fasten spart Medikamente
Fasten ist in vielen Fällen wirksamer als Medikamente. Gut belegt ist das bei Bluthochdruck (dabei erzielt man Resultate, die sich mit Medikamenten nur sehr schwer erreichen lassen und wenn dann nur mit vielen Nebenwirkungen); Rheuma; Diabetes Typ 2 (fast immer sinkt bei Patienten danach der Bedarf an Insulin). Zu einer erfolgreichen Therapie gehört natürlich auch eine gesunde, vor allem pflanzenbasierte Ernährung. Prof. Michalsen empfiehlt, auf tierisches Eiweiß (Protein)  wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte möglichst  zu verzichten. „Eine sehr proteinreiche und noch dazu hochkalorische Nahrung ist ein guter Nährboden für Krebswachstum. Aber auch Gefäßverkalkungen und Entzündungen wie Arteriosklerose werden durch zu viel tierisches Protein angefeuert.“, schreibt er in seinem aktuellen Buch „Mit Ernährung heilen“.

Fasten bei Krebs
Eine Fülle von Daten aus Tierversuchen weist auf eine schützende, aber auch heilende Wirkung von Kurzzeitfasten bei Krebserkrankungen hin. Klinisch am besten belegt ist derzeit das Fasten begleitend zur Chemotherapie. In einer ersten Pilotstudie konnte sein Team signifikante Wirkungen bei Krebspatienten feststellen, die während der Chemotherapie unter starker Müdigkeit litten. Das besserte sich durch das Fasten. Forscher haben zudem herausgefunden, dass gesunde Zellen bei Nahrungsentzug in eine Art Winterschlafmodus schalten. Das Gegenteil ist bei Krebszellen der Fall. Sie bleiben hungrig und nehmen jede Nahrung (und damit auch das Zellgift der Chemotherapie) auf. Das heißt, während gesunde Zellen sich beim Fasten „einigeln“ und damit weniger anfällig für das Gift der Chemotherapie sind, werden Tumorzellen davon dezimiert. Doch die Forschung ist in diesem Punkt noch nicht am Ende. In einer eigenen Studie von 2014 konnte eine Arbeitsgruppe am Immanuel-Krankenhaus zeigen, dass die Brustkrebs-Patientinnen, die während der Chemo gefastet hatten, diese viel besser vertrugen und in ihrer Lebensqualität weniger beeinträchtigt waren. Es handelt sich dabei nur um kurze Fasten-Phasen von 36 Stunden vor der Therapie und 24 Stunden danach. Natürlich sollten Krebspatienten nicht wochenlang fasten. Man muss gerade bei ihnen besonders aufpassen, dass sie nicht zu viel Gewicht verlieren.

Auch bei anderen Krankheiten wie Migräne, Depressionen, Multipler Sklerose oder Demenz deuten Laborversuche darauf hin, dass Fasten eine schützende Wirkung erzielt.

Chronisch Kranke sollten nur unter ärztlicher Aufsicht fasten, zumindest wenn sie zum ersten Mal fasten. Sie müssen auch aufpassen, wenn sie regelmäßig Medikamente einnehmen. Diese müssen in der Dosis angepasst werden. Z.B. müssen Diabetiker während des Fastens oft mit dem Insulin pausieren.

Intervallfasten
Neben dem klassischen Heilfasten, bei dem man mehrere Tage hintereinander nur Brühe, Tee und Wasser zu sich nimmt, gibt es auch noch das so genannte Intervallfasten. Davon wiederum gibt es verschiedene Formen. Zum Beispiel „5 zu 2“. An fünf Tagen die Woche darf man normal essen, an zwei Tagen jeweils nur 500 Kilokalorien. Bei einer anderen Form pausiert man mit dem Essen 14-16 Stunden täglich. Man isst z.B. ab 17 Uhr nichts mehr und erst am nächsten Tag um 9 Uhr wieder. „Nachtmenschen“ können das Intervall auch verschieben und z.B. zwischen 21 Uhr und 13 Uhr am nächsten Tag fasten. Kaffee am Morgen mit einem Schuss Milch oder Sojamilch ist aber erlaubt, Zucker jedoch nicht. Intervallfasten lässt sich gut in den Alltag integrieren und eignet sich daher auch für Berufstätige. Die Wirkungen sind ähnlich gut wie beim Heilfasten.

Beitrag von Sina Krambeck