Service - Wie gut ist die Gesundheits-App "Vivy"?

Mehrere Krankenkassen bieten über 13 Millionen Versicherten seit Mitte September eine kostenlose App an, in der Gesundheitsdaten gespeichert werden können. Die App soll im Praxisalltag vieles leichter machen und mehr Transparenz für den Patienten schaffen. Doch sie erntet auch Kritik, vor allem von Datenschützern.

Experte im Studio: Marcel Weigand, Aktionsbündnis Patientensicherheit

Am 17.9.2018 ging Vivy an den Start. Vivy ist eine App, mit ihr können  Versicherte all ihre Gesundheitsdaten bündeln  und immer  mit dabei haben. Befunde, Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen, alles soll hier zusammengefasst  sein. Der Patient kann selbstbestimmt seine Daten verwalten und entscheiden, mit wem er sie teilt.  

Wer steckt hinter Vivy?
Vivy ist ein Unternehmen mit Sitz in Berlin. Außerdem stehen mehrere Krankenkassen hinter Vivy.  Momentan  machen  14 gesetzliche, darunter die DAK, einige Innungskassen und zwei private mit. Für Versicherte dieser Kassen ist Vivy kostenlos.

Welchen Hintergrund hat Vivy, welche Rolle spielt die elektronische Gesundheitskarte?
Das sogenannte eHealth Gesetz schreibt bestimmte Maßnahmen zur  Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Der erste Schritt war die elektronische Gesundheitskarte (eGK), sie sollte der Schlüssel sein, mit dem jeder Patient auf seine Daten zugreifen kann. Die sogenannte Telematikinfrastruktur wird dafür ausgebaut. Darauf sollten bestimmte Anwendungen aufgesetzt werden, wie Notfalldaten, die Patientenakte, ein Patientenfach, Medikamentenplan usw. Außerdem sollte die elektronische Karte der Zugangsschlüssel sein, zu allen Befunden über mich. Die Umsetzung kommt leider bisher nicht richtig voran.  Deshalb haben sich private Anbieter, Krankenkassen, Kliniken auf den Weg gemacht. Ein Anbieter davon ist Vivy.  

Vivy richtet sich potentiell an wie viele Patienten?
Vivy selber spricht von etwa 13 Millionen Patienten.

Und was ist mit den anderen Patienten, deren Kassen sich nicht beteiligen?
Es gibt zahlreiche andere Anbieter. So bieten andere Krankenkassen, wie die TK auch elektronische Patientenakten an. Auch die AOK und die MGS für Privatversicherte.

Bei vivy gibt es die Möglichkeit mitzumachen, wenn die eigene Kasse nicht dabei ist. Man kann sich auf eine Warteliste setzen lassen. Fürs erste Jahr soll die Nutzung kostenlos sein, danach kostet es 4,90 EUR pro Monat.

Was kann Vivy?
Vivy ist eine elektronische Gesundheitsakte mit persönlicher „Assistentin“. Es gibt viele unterschiedliche Bereiche. Da ist zum einen die persönliche Gesundheitsakte, was hier reinkommt, bestimmt allein der Patient: also z.B. Befunde, Laboruntersuchungen usw. Dann gibt es den digitalen Impfpass, dort stehen alle Impfungen  drin. Es gibt Notfalldaten. Einen Gesundheitscheck und eine Arztsuche ist möglich. Es gibt die Rubrik  Medikationsplan, hier steht, welche Medikamente man einnimmt. Man kann auch die Medikamente über den Barcode einscannen. Sollten Wechselwirkungen auftreten, dann bekommt man einen Hinweis. Wenn man möchte, kann Vivy erinnern, z.B. an Impftermine, Arztbesuche. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der personalisierten Empfehlungen für Fitness und Wellness Management. Und der Patient kann allein darüber bestimmen, an wen er welche Daten über mich weiterleite.

Wie kommen die Daten  auf die App?
Dafür ist allein der Patient selber zuständig, er muss sich darum kümmern. Er muss z.B. selber seine Impfungen oder Medikamente eintragen, dafür hat er  sie dann aber immer parat und griffbereit. Man kann verschiedene Dinge auch einscannen oder Vivy beauftragen, beim Arzt bestimmte Dokumente anzufordern, etwa Befunde, Laborergebnisse, Röntgenaufnahmen oder CTs. Hier hängt es natürlich davon ab, dass Ärzte mit vivy und anderen Akten arbeiten.

Was ist die Patientenakte?
Immer wieder fällt im Zusammenhang mit der Digitalisierung auch der  Begriff der Patientenakte. Noch gibt es nicht eine einzige, sondern alle Ärzte, bei denen der Patient war oder ist, führen eine über ihn, oft noch in Papierform. Ab 2021 ist aber geplant, dass es für jeden eine elektronische Patientenakte gibt. Wichtig schon jetzt zu wissen: Jeder hat ein Recht darauf, Einsicht in oder Kopien von seiner Patientenakte zu bekommen (u.U. muss man die Kopien bezahlen). Inhalte sind u.a. die Personalien und alle medizinisch relevanten Informationen über  Krankheitsverläufe. Dazu zählen alle Behandlungen und  alle Diagnosen. Sowie die darauf folgenden Therapieformen und Operationen. Außerdem werden alle verordneten Medikamente vermerkt und Befunde wie Röntgenbilder oder Laborergebnisse archiviert.

Wie steht das Aktionsbündnis Patientensicherheit  zu Vivy?
Grundsätzlich ist das Aktionsbündnis  davon überzeugt, dass allgemein eine elektronische Patientenakte sowohl für den Patienten als auch für die Behandler viele Vorteile mit sich bringt. So können z.B. Doppeluntersuchungen verhindert werden. Das Aktionsbündnis promotet aber nicht Einzellösungen oder Anbieter. Und meint: Letztendlich muss jeder selbst die Risiken und Vorteile abwägen und für sich eine Entscheidung treffen.

Welche Initiativen gibt es vom Aktionsbündnis Patientensicherheit zur Digitalisierung im Gesundheitswesen?
Es gibt eine Checkliste zum Thema Gesundheits-Apps, darin sind einige Tipps enthalten, auf die man achten sollte. Z.B. dass Angaben gemacht werden, wie und wo meine Daten gespeichert werden oder, dass ein Impressum sowie eine Datenschutzerklärung vorhanden sind.  Eine App  sollte auch nie einen Therapeuten ersetzen oder eine Diagnose erstellen. Insgesamt gibt es jeweils über 1 Mio. Apps mit Gesundheitsbezug in den Stores von Apple und Google. Da ist wichtig, als Nutzer etwas an die Hand zu bekommen, um sich besser orientieren zu können. Hier geht’s zur Checkliste: https://www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-Checkliste_GesundheitsApps.pdf

Wie sicher sind die Daten auf Vivy?
Vivy selber schreibt:  die App stellt durch den Einsatz modernster Verschlüsselungstechnologie und die Erfüllung strengster Datenschutzbestimmungen sicher, dass nur der Nutzer Zugriff auf seine Daten hat. Gespeichert wird die digitale Akte ausschließlich auf nach ISO 27001 und ISO 9001 zertifizierten Servern in Deutschland, die den hohen europäischen Datenschutzbestimmungen entsprechen. Vivy hält die geltenden datenschutzrechlichen Anforderungen ein, was z.B. vom TÜV Rheinland überprüft wurde. Es gab allerdings bereits Kritik an der Anwendung,  Vivy hat aber nachgebessert und informiert die Nutzer  darüber in der Datenschutzerklärung

Beitrag von Susanne Stein