Service - Grippeschutzimpfung: Hilft sie wirklich?

Im vergangenen Winter wütete eine Rekord-Grippewelle in Deutschland. Es erwischte auch viele Geimpfte, weil der gängige Dreifachimpfstoff vor bestimmten Influenza-B-Viren keinen Schutz bot. In diesem Herbst zahlen die Krankenkassen erstmals eine Vierfach-Spritze. Dieser Impfstoff deckt nun auch die Virentypen der vergangenen Saison ab. 

Mit Schrecken denken viele noch an den letzten Winter zurück: Die Grippe erfasste so viele Menschen, wie lange nicht mehr: 1600  starben in Deutschland an der Influenza, über 300.000 waren erkrankt. Viele hatte es trotz Impfung erwischt. Das soll dieses Jahr nicht passieren. Wie man sich am besten gegen Grippe schützen kann, erklärt unser Experte.

Experte im Studio: Dr. med. Clemens Fahrig, Facharzt für Innere Medizin, Leiter des Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg, Chefarzt Klinik für Innere Medizin und Angiologie und ärztlicher Direktor Evangelisches Krankenhaus Hubertus

Warum war die Grippewelle im letzten Winter so schlimm?
Das hatte mehrere Gründe: Der Impfschutz (für die, die nur einen Dreifachimpfstoff hatten) hatte nicht zu 100 Prozent gegriffen, das Virus war äußerst aggressiv und die klimatischen Verhältnisse waren extrem zwischen extrem kalt und warm.

Was ist dieses Jahr neu, anders am Impfstoff?
Dieses Jahr gibt es einen Vierfachimpfstoff für alle, die sich impfen lassen wollen: Neben den beiden A-Stämmen und  dem B-Stamm gibt es diese Saison zusätzlich eine B-Variante, die Yamagata Linie. Das Yamagata Virus grassierte in der letzten Saison verstärkt.

Wer sollte sich impfen lassen?
Grippeschutzimpfung wird empfohlen für:
-Menschen über 60 Jahre
-Schwangere (ab dem 4. Monat)
-Chronisch Kranke
-Medizin- und Pflegepersonal

Für Menschen über 60 Jahre  ist es wichtig, weil Ältere besonders heftig unter der Grippe leiden, es kommt oft zu Komplikationen, das Immunsystem ist nicht mehr so intakt. Sie haben die schlechtere Abwehrlage, die ist schon sehr verbraucht, oft ein schlechtes Immunsystem, wir haben hier eine Häufung von schweren Verläufen mit Komplikationen.
Chronisch Kranke haben oft von Haus aus schon ein geschwächtes Immunsystem, von daher ist eine Impfung wichtig. Und für pflegerisches Personal sowieso. .

Wer sollte sich darüber hinaus noch impfen lassen?
Alle, mit geschwächten Immunsystem, alle, die viel in der Öffentlichkeit unterwegs sind, dort, wo Menschenansammlungen vorkommen, öffentlichen Nahverkehr, Kaufhäusern, viel Kundenkontakt usw.

Was kostet die Impfung?
Für die oben genannten Risikopersonengruppen, also denen die Ständige Impfkommission eine Impfung empfiehlt, übernimmt  die Krankenkasse in der Regel die Kosten. Aber auch bei den anderen kann es sein, dass die Kasse übernimmt, nachfragen lohnt sich.

Im Vergleich zu z.B. Masern, warum hat die Grippeschutzimpfung eine relativ niedrige Schutzquote? Also, warum erkranken Menschen trotz Impfung?

Vom Masern-Virus gibt es nur eine Art, vom Grippe-Virus aber 600 verschiedene. Da muss das schon passen. Außerdem verändern sich Grippeviren ständig.

Woher wissen Experten, gegen welches Virus geimpft werden muss?
100tig wissen können sie es nicht. Die Schwierigkeit: Grippeviren haben eine  große Wandlungsfähigkeit, daher müssen Forscher den  Impfstoff  jedes Jahr an die aktuell zirkulierenden Erregertypen anpassen.  Welche Virenstämme für den Impfstoff  verwendet werden, entscheidet die Weltgesundheitsorganisation schon sehr frühzeitig. Sie beobachtet zunächst welche Viren auf der Südhalbkugel  zur dortigen Grippesaison in Umlauf sind. Diese werden später auf der Nordhalbkugel erwartet. Ob die WHO dieses Mal auf den richtigen Impfstoff gesetzt hat, zeigt sich erst, wenn die Grippewelle hier ist.

Wie gut ist der neue Impfstoffe? Wie gut schützt er?
Das kann man jetzt noch nicht sagen, ist Spekulation.

Wenn man trotz Impfung die Grippe bekommt, ist sie dann schwächer?
Ja, das stimmt meistens.

Wann sollte man sich impfen lassen, wie schnell wirkt die Impfung?
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Es  müssen sich erst Antikörper bilden. Es dauert etwa 14 Tage, bis die volle Wirkung sich entfalten kann. Man kann sich aber auch noch später impfen lassen. Auch noch, wenn die Grippewelle schon da ist.

Wie fit sollte ich bei einer Impfung sein?
Man sollte die Impfung wirklich nur machen lassen, wenn man sich fit und gesund fühlt.

Gibt es noch andere Grippeimpfstoffe?
Ja es gibt Lebendimpfstoffe in Form von Nasenspray, die sind für Menschen mit besonders aktivem Immunsystem, also Kinder und Jugendliche, und wenn sie z.B. eine große Angst vor Spritzen haben.

Wie sieht es mit den Impfrisiken aus, welche Nebenwirkungen können auftreten? Auch schwere Komplikationen?
Bei Menschen mit Eiweißallergie geht die Impfung nicht, wenn der Stoff Eiweiß erhält. Man kann sich ein paar Tage matt, mit abgeschwächten Grippesymptomen fühlen. Es kann auch zu Schmerzen an der Einstichstelle kommen.

Es gibt Impfskeptiker, die  Grippeimpfungen aus unterschiedlichen Gründen ablehnen, etwa weil es eine unnütze Belastung für den Körper darstelle, oder weil die Impfung nur einen geringen Nutzen habe. Was ist denn da dran?
Bei jedem Eingriff kann theoretisch immer etwas passieren. Man muss immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung machen. Aber wenn man bedenkt, dass die Grippe zu schweren Komplikationen oder sogar zum Tode führen kann, dann kann ich eine Impfung nur empfehlen. Wenn ich erst 30 Jahre alt bin, abgeschieden von der Großstadt im Grünen lebe, Kontakt zu Menschenansammlungen vermeide, mich gesund ernähre, viel draußen bin, dann brauch ich nicht unbedingt eine Grippeschutzimpfung. Aber auf wen trifft das schon zu?

Was hilft zur Vorbeugung noch, außer Impfung?
Die Impfung ist der beste Schutz. Aber auch: gute Handhygiene, also Händewaschen. Nicht in die Hand niesen oder Husten, sondern in Armbeuge, nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln essen. Nicht ins Gesicht fassen. Nicht die Hände geben. (Zur Grippesaison)

Woran erkenne ich überhaupt die richtige Grippe?
Man fühlt sich schlagartig krank, hat Kopf- und Gliederschmerzen, hat hohes Fieber. Wenn man die echte Grippe hat, merkt man das.

Beitrag von Susanne Stein