Service - Was tun, wenn’s juckt?

Er ist lästig, quälend und belastend: Juckreiz. Für manche so schlimm, dass sie dem Impuls nachgeben und ihre Haut mit Bürsten oder Gabeln traktieren, bis sie bluten. Etwa jede*r fünfte Deutsche leidet irgendwann einmal an starkem Juckreiz. Gerade jetzt zur kalten Jahreszeit plagen sich wieder viele damit.

Juckreiz ist immer ein Alarmsignal des Körpers, zeigt der  zibb Service. Expertin im Studio: Dr. med. Yael Adler, Dermatologin.

Juckreiz ist ein Alarmsignal des  Körpers, wie und warum entsteht er? Und ist Kratzen erlaubt?

Ursprünglich soll Juckreiz den Körper vor Parasiten schützen: Durch das Kratzen fallen sie ab. Beim Juckreiz werden bestimmte Nervenfasern durch Botenstoffe wie Histamin und verschiedene Peptide erregt. Beim Kratzen entstehen Schmerzreize, die den Juckreiz kurzfristig überdecken und Linderung verschaffen, allerdings werden durch das Kratzen gleichzeitig auch wieder Botenstoffe freigesetzt, die wiederum den Juckreiz fördern. Außerdem kann man sich durch Kratzen auch leicht verletzen, das führt zu Entzündungen, juckt wieder. Deshalb besser: nur reiben oder zupfen.

Welche unterschiedlichen Formen von Juckreiz gibt es?

Man unterscheidet Juckreiz,  der wieder verschwindet, z.B. nach einem Mückenstich, und chronischen Juckreiz. Juckreiz wird auch unterschiedlich empfunden: Das reicht vom Kribbeln, über Brennen und Stechen. Außerdem gibt es unterschiedliche Ursachen: Mal wird der Juckreiz ausgelöst, weil direkt die Haut betroffen ist und dann gibt es Juckreiz, wo nicht die Haut  das erkrankte Organ ist.

Welche Ursachen für Juckreiz gibt es?

Die Ursachen sind sehr vielfältig: Hauterkrankungen, trockene Haut, äußere und innere Infektionen, Erkrankung oder Fehlfunktion von Leber, Nieren, Schilddrüse sowie Medikamente, Tumore, Nerven, Psyche/Stress, Bandscheibenvorfall.

Die Ursache herauszufinden, kann manchmal eine Sisyphusarbeit sein. Die Ärzte müssen da interdisziplinär zusammenarbeiten. Es muss z.B. geprüft werden, ob Organe wie die Leber und die Nieren in Ordnung sind. Denn auch sie können Juckreiz auslösen. Ganz selten kommt es sogar vor, dass ein Tumor hinter dem Juckreiz steckt. Oder, dass ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule die Ursache ist. Auch Krampfadern können die Ursache sein: man sitzt oder steht den ganzen Tag, und dann sammelt sich viel Wasser in den Beinen an und staut sich. Und nachts im Liegen fängt es dann an zu jucken. Denn durch die Krampfadern wird die Haut nicht mehr ausreichend ernährt und die Schwellungen überbeanspruchen die Haut zusätzlich.

Warum neigen gerade ältere Menschen zu Juckreiz?

1. Im Alter wird die Haut trocken und produziert nicht mehr ausreichend Talg. Das führt zu Juckreiz.

2. Viele ältere Menschen nehmen Medikamente, die auch Auslöser von Juckreiz sein können.

3. Viele ältere Menschen leiden an Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, die zum Juckreiz führen können.

Warum leiden viele Menschen gerade im Winter unter Juckreiz?

Draußen kalt und drinnen warm - das stresst die Haut. Oft haben wir zu trockene Heizungsluft, das reizt die Haut, macht sie trocken. Gegenmaßnahmen: Für feuchte Luft sorgen, viel trinken und Haut mit Feuchtigkeit und Fett versorgen.

Kortison als Therapie?

Kortison kann man kurzfristig einsetzen, das bekämpft aber nicht die Ursachen, nur die Symptome.  

Wann sollte man zum Arzt?

Wenn der Juckreiz länger als sechs Wochen anhält. Die Ursachensuche sollte interdisziplinär erfolgen: Mögliche organische Ursachen müssen untersucht werden, das Blut, Allergietest, eventuell müssen Gynäkologen oder Urologen hinzugezogen werden.

Was ist das  Juckreizgedächtnis?

Forscher haben entdeckt, dass es ein Juckreizgedächtnis gibt, ähnlich dem Schmerzgedächtnis.   Wenn das Jucken lange andauert oder sehr oft auftritt, kann es passieren, dass die dauererregten Nervenbahnen, die für den Juckreiz zuständig sind, auch dann noch Alarmsignale senden, wenn  es eigentlich gar keinen Grund mehr gibt.  Jucken wird zur Gewohnheit. So kann ein Teufelskreislauf aus Jucken und Kratzen entstehen.  Deshalb sollte man bei langanhaltendem Juckreiz unbedingt einen Hautarzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen. In einigen Städten gibt es dafür spezielle Juckreiz-Sprechstunden oder -Ambulanzen. Ist das Juckreizgedächtnis bereits aktiv, der Juckreiz chronisch, so kann eventuell eine medikamentöse Behandlungen von innen helfen, es gibt Antidepressiva, die den Juckreiz unterdrücken können.

Was kann helfen, wenn es akut juckt?  

Physikalische Gegenmaßnahmen ergreifen: also z.B. heiß oder kalt duschen. Umschläge mit Schwarzteeauszug, Umschläge mit Essigwasser oder Pinselungen damit. Bei Mückenstichen können Hitzestifte aus der Apotheke helfen, die Hitze überlagert das Jucken und das Gift wird gleichzeitig denaturiert.