Frische Himbeeren (Quelle: colourbox)
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Service - Ernährung bei Krebs

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen an Krebs. Neben der psychischen bringt diese Krankheit auch eine enorme körperliche Belastung mit sich. Meist verlieren die Betroffenen sehr viel Gewicht und ihr Immunsystem ist durch die Krankheit und die Chemotherapie geschwächt.

Viele leiden unter Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden und Übelkeit. In so einer Situation ist es nicht leicht, sich gesund zu ernähren. Doch gerade das ist für Krebspatienten besonders wichtig. In unserem Service zum heutigen Welt-Krebs-Tag geben wir viele Tipps, wie sich Betroffene ernähren können, um ihren Körper bestmöglich während und nach der Therapie zu unterstützen.

Einer neuen Studie zufolge vertragen viele Patienten die Chemotherapie besser, wenn sie 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Therapie (unter ärztlicher Aufsicht) fasten. Allerdings ersetzt diese komplementärmedizinische Behandlung nicht eine gute, ausgewogene Ernährung, sondern ist lediglich als Ergänzung während eines sehr kurzen Zeitraums zu verstehen, betonen Experten.

Eine gute Ernährung während und nach der Therapie verbessert die Heilungschancen und das Gesamtbefinden der Patienten enorm. Etwa ein Viertel der Patienten stirbt nicht am Krebs selbst, sondern an Mangelernährung. Ein großes Problem vieler Krebspatienten ist der  enorme Gewichtsverlust. Der entsteht, weil der Tumor den Nährstoffwechsel durcheinander bringt. Er stört die Gewichtsregulation des Körpers, in dem er eigene Botenstoffe produziert. Die senken den Appetit und ziehen Nährstoffe an sich für das Tumorwachstum. Die Folge: Der Krebskranke nimmt massiv ab, neben Fett vor allem Muskelmasse. Dadurch wird der gesamte Körper geschwächt, das Immunsystem fährt runter, der Patient ist anfälliger für Infekte und dies könne den gesamten Therapieplan gefährden,  warnt Ernährungsexpertin Vera Spellerberg. Sie berät viele Krebspatienten und bietet auch regelmäßig Kochkurse für sie an.

Eiweiß
Gegen den Abbau von Muskelmasse hilft Eiweiß, auch Protein genannt. Krebspatienten haben einen besonders hohen Bedarf an diesem Baustoff. Proteine sind das Grundbaumaterial für unser Zellwachstum. Genau hierin liegt allerdings auch die Krux: Zuviel Wachstum ist nicht gut, denn auch der Krebs tut ja nichts lieber, als zu wachsen. Gesunde Menschen brauchen etwa 1 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht. Eine 70 kg schwere Frau braucht also etwa 70 Gramm Eiweiß pro Tag. „Krebspatienten benötigen etwa 1,2 – 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht“, so Vera Spellerberg.

Proteine aus Pflanzen sollten Experten zufolge den Schwerpunkt unserer Nahrung bilden. Hochwertiges Eiweiß steckt zum Beispiel in Soja und Hülsenfrüchten (Linsen, Bohnen, Kichererbsen u.ä.). Mit dem Genuss von tierischem Eiweiß aus Fisch, Fleisch, Milchprodukten und Eiern sollten es Gesunde wie auch Kranke nicht übertreiben. Mehr als ein- bis zweimal Fleisch pro Woche wird nicht empfohlen. Und wenn, dann sollte helles Fleisch (Geflügel) bevorzugt werden. Bei einem übermäßigen Verzehr von rotem (Muskel-)Fleisch etwa vom Rind oder Lamm und verarbeiteten Fleischwaren wie Würstchen, Salami, Schinken ist Studien zufolge das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln, erhöht.  Die Internationale Agentur für Krebsforschung  (IARC), eine Einrichtung der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO, stuft den Verzehr von rotem Fleisch als „wahrscheinlich karzinogen für den Menschen“  ein. Das bedeutet: Es gibt ausreichende Beweise, dass verarbeitetes Fleisch beim Menschen Darmkrebs auslöst. In dieselbe Gruppe fallen auch Stoffe wie Tabakrauch oder Asbest. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Fleischkonsum genauso viele Krebsfälle auslöst wie beispielsweise das Rauchen. Aber die wissenschaftlichen Beweise für die krebserregende Wirkung sind gleich stark. (Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg).

Milchprodukte
Milch ist in den letzten Jahren in die Diskussion geraten. Immer mehr Wissenschaftler und Ärzte raten aufgrund der darin enthaltenen Wachstumshormone zur Zurückhaltung. Milch ist von Natur aus dazu gedacht, ein Kälbchen innerhalb weniger Tage zu einer großen, schweren Kuh heranwachsen zu lassen. Milch ist daher das Wachstumsgetränk schlechthin. Im Vergleich zur menschlichen Muttermilch enthält Kuhmilch die nahezu dreifache Menge Protein.

In seinem Bestseller „Der Ernährungskompass“ berichtet der Wissenschaftsjournalist Bas Kast von einer Studie, die 2017 von einem  schwedischen Forscherteam  im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlich wurde. Diese Studie entstand ohne finanzielle Unterstützung der Milchindustrie, was bei früheren Studien längst nicht immer der Fall gewesen ist. Das Ergebnis: Menschen, die 2,5 Gläser Milch oder mehr pro Tag zu sich nehmen, haben ein um 32 Prozent erhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu Menschen, die nur 1 Glas Milch oder weniger pro Woche zu sich nehmen.

Diese Studie zeigte aber auch eine bemerkenswerte Ausnahme: Fermentierte Milchprodukte wie Kefir, Joghurt oder Quark wiesen diese negativen Folgen nicht auf. Die Forscher vermuten, dass dies an den Milchsäurebakterien liegt, die sich günstig auf die Darmflora und damit auf das Immunsystem auswirken. Krebspatienten dürfen übrigens ruhig zu den Vollfett-Varianten von Quark und Joghurt greifen und am besten zu den ungezuckerten Naturjoghurts.

Antioxidantien
Die nächste wichtige Nährstoffgruppe für Krebspatienten sind Antioxidantien. Das sind Farb- und Schutzstoffe, die freie Radikale bekämpfen. Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffmoleküle, die ständig im Körper entstehen. Sie können Zellschäden hervorrufen und damit die Entstehung von Krebs fördern. Antioxidantien (also Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) wirken dagegen wie Abfangjäger. Sie neutralisieren die schädlichen Stoffe und spielen deshalb auch in der Krebsprävention eine große Rolle.

Beeren enthalten besonders viele Antioxidantien und sollten daher möglichst täglich gegessen werden. Schon eine kleine Schale Beeren hat etwa zehnmal so viele Antioxidantien wie ein Apfel. Aber auch Gewürze wie zum Beispiel Kurkuma enthalten viele antitumoröse Wirkstoffe und sollten daher unbedingt auf dem Speisezettel stehen.

Rezepte:

Eiweiß-Shake
100 ml Sojadrink (ungezuckert)
100 g Quark (oder Seidentofu)
2 Eßl. Sahne (wahlweise Sojasahne)
1 Handvoll Himbeeren
2 Eßl. Leinöl
Einige Spritzer Zitronen- und Orangensaft
Evtl. etwas Kokosblütenzucker

Alles zusammenrühren und shaken.

Lachs mit Kokospanade
300 g Lachsfilet
4 Eßl. Olivenöl
Zitronesaft
Salz und Pfeffer
Kokosraspel

Den Lachs vorsichtig waschen und trockentupfen. Mit Zitronensaft beträufeln, salzen und pfeffern. Dann in den Kokosraspeln wälzen. Das Olivenöl in einer Pfanne auf mittlerer Temperatur erhitzen und den Lachs darin von allen Seiten ca. 5-6 Min. braten. Dazu passt gedünstetes Gemüse (z.B. Fenchel, Tomaten, Champignons) und Bratkartoffeln (diese gerne mit etwas Kurkuma und/oder Chili würzen.)


Beitrag von Sina Krambeck