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Service - Krebs überstanden: Heilung auf Widerruf

Die Diagnose Krebs hebt das Leben aus den Angeln. Der Kampf gegen die Tumorkrankheit ist lang, immer mehr Menschen überstehen die Krankheit. Doch das Leben wird ein anderes, mit Ungewissheit, Sehnsucht nach Alltäglichkeit, dem Abverlangen von Stärke. 

Über vier Millionen Menschen sind an Krebs erkrankt, darunter ca. 50.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Immer mehrMenschen überstehen diese Krankheit heute, dank moderner Therapien. Aber damit ist das bedrohliche Ereignis längst nicht vorbei, nichts wird mehr so sein wie vor der Erkrankung. Schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs haben Folgen:

Psychologische Folgen
Cancersurvivers sind oft erschüttert über das Bedrohliche, was hinter ihnen liegt, immer wieder müssen sie in festgelegten Abständen zu Kontrolluntersuchungen, die Angst und Beklemmung schon Tage vor dem Termin verursachen. Ehemalige Patienten haben das Gefühl, dem Medizin-Aparat nicht entkommen zu können, sie haben z.T. das Grundvertrauen in ihre Existenz verloren, einige fürchten bei der kleinsten Auffälligkeit an ihrem Körper einen Rückfall oder Neuerkrankung. Einige Survivers haben durch die Erkrankung Freunde oder Partner verloren, fühlen sich isoliert oder auch stigmatisiert. Können sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, erleben sie mitunter, dass man ihnen plötzlich nichts bzw. weniger zutraut, an ihrer Leistungsfähigkeit zweifelt.. Insgesamt fühlen sich viele Survivers verunsichert und z.T. isoliert.

Physische Folgen
Krebstherapien, etwa Chemo belasten den Körper schwer. Fatique, ein Erschöpfungs-und Müdigkeitssyndrom, tritt sehr häufig nach einer Chemotherapie auf und macht ein normales Arbeitsleben vielfach unmöglich. Zudem kann eine solche Chemo Organe schädigen, etwa Herz, Nieren, Fortpflanzungsorgane nach sich ziehen, was zu Unfruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern führen kann. Außerdem beklagen Patienten häufig ein so genanntes Chemobrain, alsoverminderte Konzentrations-und Merkfähigkeit nach der Therapie. Auch die Strahlenbehandlungen können zu andauernden Schäden führen. Strahlen am Kopf und Halsbereich können etwa Zähne schwer schädigen (Strahelnkaries), in schlimmeren Fällen auch Zweittumoren hervorrufen.

Ökonomischeund soziale Folgen
Da sichKrebstherapien über einen langen Zeitraum erstrecken können, führt lange Arbeitsunfähigkeit häufig zu herben finanziellen Einbußen/ Problemen. Der Wieder Einstieg ins Berufsleben gestaltet sich nicht leicht, oft waren Survivor lange Zeit in Behandlung und anschließend in Rehabilitationsmaßnahmen, es war mitunter ungewiss, ob der Erwerbstätige an seinen Arbeitsplatz zurückkehren kann. Mögliche Umstrukturierungen oder Neubesetzung des Arbeitsplatzes können problematisch für eine Wiedereingliederung werden. Nicht selten erleben Menschen, die nach der Erkrankung zurück an ihren Arbeitsplatz kehren, ein gewisses Misstrauen in ihre Leistungsfähigkeit. Dies erleben zu müssen, belastet die ehemals Erkrankten  oftmals schwer. Mitunter können die Folgen einer Krebstherapie in derTat physisch und psychisch so belastend sein, dass eine volle Erwerbstätigkeit wie vor der Erkrankung nicht möglich ist. Häufig wird schon während der Therapie ein Rentenantrag gestellt. Gerade alleinstehende Personen haben nach der Erkrankung mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Es gibt allerdings auch Patienten, die während ihrer Therapien weiter arbeiten, die Politikerin Heide Simonis, Oskar Lafontaine und z.T. Guido Westerwelle sind einigeBeispiele. Auch die Frage, wie offen Betroffene mit der Krankheit umgehen sollten, ist problematisch. Einige fürchten Stigmatisierung und/oder Karriereknick.

Die Autorin Petra Alexandra Buhl ist davon überzeugt, dass sie ihre Volontärstelle nicht bekommen hätte, wenn sie von ihrer Erkrankung gesprochen hätte.

Fazit:
Wer die Krankheit übersteht, ist dennoch weiterhin mit ihr konfrontiert, sei es durch körperliche Einschränkungen/Beschwerden oder aber hinsichtlich äußerer Lebensbedingungen. Dies soll nicht entmutigen, vielmehr fordert die Autorin mehr Nach- und Fürsorge für die Langzeitüberlebenden mit geschulten Ärzten und umfassender psycho-sozialer Betreuung. Denn: viele cancer survivors haben einiges verloren aber auch einiges gewonnen. Zu den positiven Seiten an der überstandenen Krankheit zählt für viele eine gewisse Klarheit, die Abkehr von „vermeindlich wichtigen Lebensinhalten“ hin zu einemkompromissloseren Handeln, mehr Wertschätzung für das Leben, mehr Genussfähigkeit.


Gast im Studio: Petra Alexandra Buhl, Autorin und Coach

Beitrag von Ute Müller-Schlomka