Service - Was tun bei Lampenfieber und Prüfungsangst?

Nicht nur Musiker und Schauspieler kennen es: Wir alle haben schon Lampenfieber gehabt - auch ohne auf der Bühne zu stehen. Oft passiert es, wenn wir etwas vortragen sollen oder ein ernstes Gespräch bevorsteht, bei dem wir durch andere bewertet werden. Woher kommt dieser Ausnahmezustand und was kann man dagegen tun?  

Was ist Lampenfieber eigentlich, warum haben wir das?
Es ist evolutionsbedingt, war früher lebensrettend. Geschah etwas Ungewöhnliches, drohte Gefahr, musste der Körper in der Lage sein, schnell darauf zu reagieren, dazu wird Adrenalin freigesetzt, so dass wir entweder kämpfen konnten oder wegrennen konnten. Auch heute noch ist es ist eine besondere Form von Stress, unser Gehirn stuft bestimmte Situationen (z.B. Auftritte, Prüfungen, Vorträge o.Ä.) als Gefahr ein. Es ist unbeeinflussbar.

Was sind die Symptome?
Die Symptome hängen mit dem Stresshormon zusammen, Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen: Blässe, Erröten, Herzrasen, Schweißausbrüche, feuchte Hände, zitternde Hände oder eben auch Magenbeschwerden.

Ist Lampenfieber denn immer nur negativ, so dass wir es bekämpfen müssen?
Nein, im Gegenteil ein optimales Stresslevel verhilft uns zu Höchstleistungen, ganz  ohne Aufregung oder  Lampenfieber würden wir wahrscheinlich eine  schlechtere Vorstellung abliefern. Man muss nur aufpassen, dass es nicht in den „roten Bereich“ rutscht.

Was hilft gegen Lampenfieber?

Rituale: Sind es wiederkehrende Situationen, die uns Lampenfieber bereiten, können Rituale hilfreich sein, z.B. sich ausgiebig zu recht machen, eine bestimmte Musik hören. Das kann auch Organisatorisches sein, man tut etwas und das ist gut: Frühzeitig vor Ort sein, ggf. Räume vorab checken, Sicherheitskopie, Technik vor Ort checken, Wohlfühlkleidung anziehen. Sich fragen:  Kenne ich jemanden im Publikum, der mir wohlgesonnen ist? Gegebenfalls so jemanden dort postieren.

Atmung:
Atmung als Bindeglied, da zu Teilen beeinflussbar, langsames Atmen reduziert Herzfrequenz

Positive Gedanken:
Positive Erfahrungen sammeln, z.B.  Feedback von Freunden einholen, sich selber aufnehmen (bin ich wirklich so schlimm?), kleine Anlässe nutzen (Familienfeier, Party bei Freunden) und sich diese positiven Erlebnisse dann ins Gedächtnis rufen.

Mentale Techniken:
·      Was könnte schlimmstenfalls passieren?
·      Sich vorstellen, Person, zu der man aufsieht, steht neben einem
·      Denke: In …. Minuten ist alles vorbei
·      Wie werde ich in 10 Jahren darüber denken?

Wie wichtig ist Körperhaltung/ Körpersprache?
Eine selbstbewusste Körperhaltung im Gespräch oder im Vortrag erreicht man nicht, indem man bestimmte Bewegungsvorgaben erfüllt („Brust raus, Bauch rein“), sondern indem man mit einem selbstbewussten Gefühl/innere Haltung in die Situation geht und dies durch seine Körperhaltung nach außen hin zeigt.
·      Innere Einstellung auf positiv switchen: Publikum, ich mag dich. Oder Ich gebe mein Bestes.
·      Hochstatus einnehmen: ich kann was, ich bin gut
·      An ein Vorbild denken

Ab wann ist Lampenfieber „krankhaft“/ pathologisch, wann sollte man therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen?
·     Gedanken kreisen nur noch um ein mögliches Versagen
·     Möglichkeit, dass es gut gehen kann, wird nicht mehr zugelassen
·     Panik bricht aus

Typische Symptome einer Panikattacke sind:
·      Atemnot, Engegefühl in Brust und Kehle
·      Hyperventilation (als Folge Kribbelgefühle in Gesicht und Händen, Muskelkrämpfe)
·      Herzrasen
·      Schweißausbrüche
·      Zittern, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen.
·      Angstgedanken („Das ist ein Herzinfarkt“, „Jetzt sterbe ich gleich“, „Ich werde verrückt“)
·      Schlafstörungen, auffällige Verhaltensänderungen

Beitrag von Susanne Stein