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Service - Heilen und Pflegen: Neue Kraft durch Musik

Musik kann wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität und -freude von älteren Menschen beitragen – das gilt besonders für schwerkranke oder demente Menschen. Das Angebot reicht vom eigenen Musizieren über Gruppenstunden bis hin zur Betreuung demenziell Erkrankter und Sterbender. Wir geben einen Überblick.

Was  kann Musik im Alter bewirken?

Musik kann vielfältige Auswirkungen haben. Sie kann wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität und der Lebensfreude beitragen. Musik kann wach machen, zu Mobilität beitragen, Schmerzen lindern, beruhigen, Emotionen aktivieren, verbessern, unterhalten, ablenken von Schmerzen und Leid. Ältere Menschen finden über Musik in Gruppen zurück. Musik ermöglicht ihnen einen Zugang in verschüttete Erinnerungsgeschichten, die Kommunikation ist in vielen Fällen wieder möglich oder es ergeben sich biographische Anknüpfungspunkte.

Musik und Demenz

Demenziell erkrankte Menschen reagieren auf musikalische Ansprache und Reize und zeigen Verhaltensänderungen, das belegen zahlreiche Erfahrungen: ihre Gesichtszüge klaren auf, die Augen beginnen zu leuchten und einige erinnern sich an längst vergangene Erlebnisse oder auch an ganze Liedtexte. Weil ihnen bestimmte Lieder oder Melodien vertraut sind, fühlen sie sich in der Musik aufgehoben, geborgen und sicher. Hier kann Musik auch ein Türöffner sein, um ins Gespräch zu kommen, um Biografiearbeit zu betreiben. Warum aber reagieren demenziell erkrankte Menschen so stark auf Musik? Abbauprozesse bei Demenzerkrankungen schädigen eine bestimmte Gehirnstruktur. Das Langzeit-Musikgedächtnis liegt aber woanders: In der Großhirnrinde, einer Region, in der Musik und komplexe Bewegungen gespeichert werden. Erinnerungen dort bleiben länger intakt. Deshalb stärkt Musik noch länger das Gefühl  für die eigene Identität.

Singende Pflege

Auch „Dementia Care singing“ genannt, wird bei uns noch wenig praktiziert. Pflegekräfte begleiten ihre Arbeit durch singen oder summen. Das  kann den Zugang zu Menschen erleichtern, die Pflege zurückweisen, aggressiv reagieren. Singen kann entspannen und Stress reduzieren auf beiden Seiten.  

Welche Art von Musik?

Musik kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden: passiv und aktiv, mit Instrumenten und ohne, über ausgebildete Musiktherapeuten, als CD/Stick mit bewußt gewählten Liedern, singen oder summen. Welche Musik bei den zu Pflegenden am besten ankommt, muss zuvor ermittelt werden. Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf ein bestimmtes Musikstück. Zu beachten: Im Alter ändert sich die Stimmlage, wird tiefer und viele Menschen singen langsamer. Es gibt eine CD-Reihe, die genau dies berücksichtigt, alte Lieder wurden hier neu arrangiert: demenz-aufhorchen.com

Wer übernimmt die Kosten für eine Musiktherapeutin?

In der ambulanten Pflege können die Kassen das übernehmen. Denn, was viele pflegende Angehörige nicht wissen:  hat man einen Pflegegrad, hat man Anspruch auf 125,- EUR im Monat als  zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistung. Und darüber kann z.B. auch eine  Musiktherapeutin bezahlt werden. Vorausgesetzt, sie hat die entsprechende Zulassung.

Muss die musikalische Ansprache immer durch einen  Musiktherapeuten passieren?

Es muss nicht immer ein Musiktherapeut sein. Und singen geht auch, das kann jeder und es ist sehr vielfältig. Unser Studio-Experte Joachim Litty rät gerade auch pflegenden Angehörigen, sich ruhig zu trauen, es kommt nicht darauf an, ob man (gut) singen kann. Summen kann auch eine Alternative sein.  Musik kann die oft unter Dementen verbreitete Aggression nehmen. Singend kann es für beide Seiten leichter werden.

Musik erfahren über die Körpertambura

Die Körpertambura ist ein Saiten-Klanginstrument, das Menschen aufgelegt werden kann. Der harmonische Klang ist am ganzen Körper erfahrbar. Das kann Verkrampfungen lösen. Es kann eine sehr beruhigende Wirkung haben: deutz-klangwerkstatt.de


Beitrag von Susanne Stein